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27.04.2016

14:25 Uhr

Bayern und die Hoeneß-Rückkehr

Wie der Kaiser drei Dax-Konzerne ärgert

VonThomas Schmitt

Uli Hoeneß ist wieder da. Als ob nichts passiert wäre. Franz Beckenbauer schiebt den Bayern-Übervater sogar in Reihe eins. Ein Dilemma für Allianz, VW und Adidas: Wo darf ein Ex-Häftling im Geschäft Fußball helfen?

DüsseldorfDie Fußballfamilie in Deutschland ist sich nahezu einig: Bayern-Ikone Uli Hoeneß soll wieder mit Rat und Tat im Profigeschäft mitwirken. Das sagen selbst Fußballmanager, die sich oft mit Hoeneß gezofft haben, wie etwa BVB-Geschäftsführer Aki Watzke. Die Bayern arbeiten nun daran, ihn wieder in eine Führungsposition zu bringen. Doch das ist schwieriger als gedacht – wegen der Sponsoren.

Wie so oft übernimmt der Kaiser, Weltmeister und Bayern-Legende Franz Beckenbauer, die Führung des Projekts. „Für viele Bayern-Spieler ist er wie ein Vater. Sein Wort hat großes Gewicht, seine Nähe würde dem Team helfen. Er kennt alle Situationen des Fußballs“, sagte Beckenbauer der Bild-Zeitung. Hoeneß könne nun Sportvorstand Matthias Sammer teilweise ersetzen, weil dieser momentan krank ist.

Soll Uli Hoeneß den FC Bayern wieder führen?

Es geht dabei konkret bereits um das Halbfinale in der Champions League, das die Bayern gegen Atletico Madrid austragen. Was der Kaiser da in der Zeitung anregt, ist vor Ort bereits passiert. „Ganz entspannt schlenderte Uli Hoeneß an den Passagieren vorbei, als wäre er nie weg gewesen“, berichtete Christian Falk, Reporter der Sport-Bild.

Dabei sei der Halbfinal-Trip nach Spanien erst dessen zweite Bayern-Reise seit der Haftstrafe. Zuvor war Hoeneß schon mit zur Viertelfinal-Partie bei Benfica Lissabon gereist. „Wir schütteln uns die Hände“, berichtet Falk. „Lange nicht gesehen“, begrüßt Hoeneß ihn „mit einem Lächeln, und ich gebe gerne zu, dass ich mich ehrlich freue ihn wieder im Tross des FC Bayern zu sehen.“

Uli Hoeneß ist zurück: Bilder und Reaktionen auf Twitter

Doch geht es wirklich, was Beckenbauer nun vorschlägt? „Uli könnte einige Aufgaben von Matthias Sammer übernehmen, solange der ausfällt. Zum Beispiel den medialen Teil, die TV-Interviews vor dem Spiel.“ Sammer ist als Sportvorstand ein offizieller Vertreter der Bayern-AG. Deren Hauptsponsoren sind die Dax-Konzerne Allianz, Volkswagen (über Audi) und Adidas.

Diese Bayern-Mitgesellschafter haben sich in ihrem Geschäftsleben international üblichen Compliance-Regeln unterworfen, stellte Bayern-Kenner Hans-Jürgen Jakobs jüngst im „Handelsblatt“ fest. Diese sehen die Berufung eines Verurteilten an die Spitze eines Entscheidungsgremiums nicht vor. Sein Urteil: „Eine Wiedereinsetzung in die frühere Funktion eines Aufsichtsratschefs des FC Bayern dürfte ohnehin schwierig sein.“

Die besten Zitate von und über Uli Hoeneß

Hoeneß 2005

„Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ (Uli Hoeneß 2005 in einem Interview der „Bild“-Zeitung)

Hoeneß 2009

„Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen. Mit einer Reichensteuer geht es dem kleinen Mann kein Stück besser.“ (Hoeneß 2009 in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“)

Hoeneß 2011

„Wenn früher eine Mark in der Kasse meiner Eltern fehlte, haben wir sie auf dem Boden gesucht. Die Stimmung beim Weihnachtsfest hing entscheidend davon ab, wie gut wir vorher verkauft hatten.“ (Hoeneß im Februar 2011 im „Hamburger Abendblatt“)

„Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein.“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

„Die Finanzwelt zeigt keine Bereitschaft, zur Volkswirtschaft beizutragen. Eine Krankenschwester trägt mehr zur Volkswirtschaft bei als ein Spekulant. Wenn ich sehe, dass Optionsscheine für Reis steigen, sage ich zu meiner Frau: 'Das bedeutet, dass Menschen hungern müssen, weil sie sich keinen Reis mehr kaufen können.'“ (Hoeneß 2011 im Magazin „Brand Eins“)

Hoeneß 2012

„In den vergangenen 20 Jahren sind in der Finanzwelt Menschen am Werk gewesen, die einen katastrophalen Job gemacht haben. Uns wurde vorgegaukelt, dass viele Finanzprodukte so unglaublich wichtig seien. Dabei hatten diese nur ein Ziel: die Taschen gewisser Leute voll zu machen.“ (Hoeneß 2012 in der Zeitung „Die Welt“)

„Unsere Spieler kicken schon jetzt eine Halbzeit fürs Finanzamt, da kommen wir nicht weiter, wenn man 60 oder 70 Prozent nimmt.“ (Hoeneß 2012 in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“)

Hoeneß als Wurstfabrikant

„Ich habe für mein Schweinefleisch fünf verschiedene Lieferanten. Ich rufe an, lasse mir die Preise geben und kaufe dann. Für was aber brauchen Banker Schweinebäuche?“ (Wurstfabrikant Hoeneß über Spekulationsgeschäfte von Banken)

Hoeneß vor seinem 60. Geburtstag

„Es ist vielleicht langweilig, aber es soll uns nie schlechter gehen als jetzt. Das ist mein Wunsch. Ich muss nicht nach Hawaii oder auf die Malediven. Wenn ich irgendwann mal Lust dazu habe, werde ich das machen. Aber das ist nicht mein Lebenstraum.“ (Hoeneß Anfang 2012 vor seinem 60. Geburtstag)

Hoeneß vor der Politik

„Ich bin kein Besserwisser, sondern ein Bessermacher.“ (Hoeneß 2010 vor einem Auftritt als Gastredner bei der CSU-Vorstandsklausur)

„Ich habe mit meiner Meinung noch nie hinter dem Berg gehalten. Und bei der Gelegenheit habe ich festgestellt, dass man damit bei der Bundeskanzlerin landen kann. Sie will Leute, die querdenken. Sie will Leute, die ihr nicht nach dem Mund reden. Deswegen bin ich Fan von Merkel!“ (Hoeneß über Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel)

Rummenigge

„Uli ist der Vater Teresa vom Tegernsee, der Nelson Mandela von der Säbener Straße und die Mutter aller Manager.“ (Vorstandschef Rummenigge in seiner Festrede zum 60. Geburtstag von Hoeneß)

„Franz Beckenbauer hat einmal gesagt, wir alle müssen dem FC Bayern dienen. Uli Hoeneß war immer der größte Diener des FC Bayern.“ (Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge 2009 über Hoeneß)

Beckenbauer

„Er ist, glaub ich, schon als Manager auf die Welt gekommen.“ (Franz Beckenbauer 2009 über Uli Hoeneß)

Wegen dieser heiklen Konstellation ist der jüngste Vorschlag von Beckenbauer brisanter als er im ersten Moment aussieht. Sicherlich wollen die drei Dax-Konzerne nicht erneut eine öffentliche Diskussion über die Regeln guter Unternehmensführung aufgedrückt bekommen, so wie 2013. Da trieb sie der Corporate-Governance-Experte Christian Strenger in die Enge.

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