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23.05.2016

09:26 Uhr

Bayern verabschiedet Guardiola

Danke, Pep!

VonThorsten Giersch

Abschied mit Double: Der Triumph im DFB-Pokalfinale macht Pep Guardiolas Bilanz noch positiver. In seinen drei Jahren bei Bayern München erreichte der Katalane sieben Titel – aber nicht die Herzen der Fans. Ein Fazit.

Bayern hat das Double

So feiern die Spieler und Fans von FC Bayern München ihren Sieg

Bayern hat das Double: So feiern die Spieler und Fans von FC Bayern München ihren Sieg

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BerlinAusgerechnet die Spanier waren es, die dem Basken den ganz großen Coups vermiesten: Pep Guardiola hat in seinen drei Jahren bei Bayern München einen Rekord nach dem anderen gefeiert, aber für den ganz großen Erfolg in der Champions League hat es nicht gereicht. Dreimal scheiterten die Münchener an spanischen Teams: Real Madrid, FC Barcelona und zuletzt an Atletico Madrid.

Nach dem knappen Aus gab es zahlreiche Nachrufe auf den vermeintlich besten Trainer der Welt. Sie klangen immer gleich: Tolle Arbeit, aber unvollendet. Als ob ein Trainer jemals eine formvollendete Ära erlebt hätte! Auch Jupp Heynckes, Guardiolas Vorgänger, musste in seinen Jahren bei Bayern einige herbe Niederlagen einstecken – vor allem gegen Borussia Dortmund und den FC Chelsea.

Wir sollten uns vom Gedächtnis kein Schnippchen schlagen lassen: Zwar wurden die Glanzlichter in der Rückserie seltener, aber was Guardiolas Bayern zum Beispiel in der Hinserie dieser Saison zeigten, hat selten zuvor eine deutsche Mannschaft auf den Platz bekommen. Er führte die Mannschaft in seinen 102 Bundesligaspielen auf ein bisher nicht gekanntes Niveau.

FC Bayern gegen Borussia Dortmund

Erfolge

Die Borussia hat den DFB-Pokal bisher dreimal gewonnen (1965, 1989, 2012) und steht zum insgesamt achten Mal im Finale. Bei einem Sieg würde der Revierclub mit Nürnberg, Köln und Frankfurt gleichziehen. Die Bayern könnten den bereits 18. Triumph schaffen. Es ist das 21. Finale des Rekordgewinners.

Spieler

Bastian Schweinsteiger ist mit sieben Titeln der erfolgreichste Spieler im DFB-Pokal. Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft gewann sie alle in seiner Zeit beim FC Bayern München. Hinter ihm folgen der frühere Bayern-Torwart Oliver Kahn und Claudio Pizarro, die jeweils sechsmal Pokalsieger wurden. Pizarro siegte fünfmal mit den Bayern und einmal mit Werder Bremen (2009).

Rekorde

Zum vierten Mal nach 2008, 2012 und 2014 stehen sich der FC Bayern und der BVB in einem Pokalendspiel gegenüber. Keine Paarung gab es häufiger im Finale. Ebenfalls zum vierten Mal treffen der Deutsche Meister und der Bundesligazweite aufeinander. Die Statistik verheißt für die Borussia wenig Gutes: Bisher gewann immer der Meister.

Gefahr

Die Borussia steht zum dritten Mal in Serie im Finale. Das gelang bisher nur dem FC Schalke 04, den Bayern, Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf. Doch der Revierclub könnte als Rekordverlierer in die Wettbewerbs-Historie eingehen. Noch nie verlor ein Team drei Pokalendspiele hintereinander.

Tradition

Das nationale Cup-Endspiel wird seit 1985 in Berlin ausgetragen. Seither gab es 14 unterschiedliche Sieger. Am häufigsten in diesem Zeitraum gewann der FC Bayern (10), gefolgt von Werder Bremen (5) und Schalke (3). Die gleiche Reihenfolge gibt es bei den Gesamtsiegen in dem seit 1935 ausgetragenen Wettbewerb: Bayern führt mit 17 Pokalsiegen vor Bremen (6) und Schalke (5).

Trophäe

Der Pokal wurde 1964 vom Kölner Künstler Wilhelm Nagel entworfen. Er ist 52 Zentimeter hoch, 5,7 Kilogramm schwer und fasst etwa acht Liter. 1991 wurde der Sockel erhöht, damit mehr Siegernamen eingraviert werden können.

Wert

Der Wert des Pokals wird auf etwa 100.000 Euro geschätzt. Rodel-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger wird ihn vor dem Anpfiff in das Olympiastadion tragen. „Neulich bei der Pressekonferenz durfte ich den DFB-Pokal erstmals berühren. Der ist wirklich ganz schön schwer“, kommentierte sie.

Wetten

Die Erfolgsquote des Rekordsiegers Bayern München beim Sportwettenanbieter bwin beträgt 1,50:1. Vizemeister Dortmund wird dagegen mit einer Quote von 2,5:1 als Außenseiter gehandelt. Wer eine besonders brisante Wette abgeben möchte: Sollte Mats Hummels gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber ein Tor erzielen, zahlt das Unternehmen das 8,5-fache aus.

Pep Guardiola gilt als der beste Trainer der Welt. Und es war ein Riesenerfolg für den FC Bayern München, ihn verpflichtet zu haben. Ausnahmsweise waren die hohen Erwartungen mal nicht übertrieben. Die effektiven Dusel-Bayern wurden zu spektakulären Schönspielern. Und das mit beeindruckender Konstanz: Wer selbst mal auf dem Platz gestanden hat, weiß, wie schwer es ist, nach einem maximalen Triumph wie dem Triple 2013 so motiviert und konzentriert weiterzuspielen.

Es gibt gute Gründe, warum es zuvor noch keinem Verein gelang, viermal hintereinander deutscher Meister zu werden. Das ist umso erstaunlicher, weil Borussia Dortmund in dieser Saison der wohl beste Vizemeister der Geschichte war. Ein Blick nach England oder Spanien, wo der FC Barcelona in eine veritable Krise geriet, zeigt, wie schwierig es ist, diese Konstanz trotz finanzieller Überlegenheit Woche für Woche auf den Platz zu bringen.

Guardiola hat in den drei Spielzeiten nur ein Match in der Hinrunde verloren. Und nur drei vor Erringen der Meisterschaft (Wolfsburg 2015, Mönchengladbach 2015 und Mainz 2016). Das sind überragende Werte, selbst für eine so hochgerüstete Mannschaft. Dazu sind die Bayern längst Serienteilnehmer im Halbfinale der Champions League und damit die konstanteste Mannschaft Europas.

Doch die Ergebnisse sind nur ein Grund, warum Guardiolas Bilanz positiv ausfällt. Von dem zweiten und dritten Aspekt profitierte nicht nur der FC Bayern, sondern die gesamte Bundesliga inklusive der Zuschauer. Es kamen und blieben Spieler, die ohne Pep an der Seitenlinie nicht oder nicht mehr für den FCB spielen würden. Würden Thomas Müller, Robert Lewandowski, Thiago Alcantara, David Alaba, Douglas Costa und wie sie alle heißen noch in der Bundesliga kicken ohne den Anreiz, von Guardiola zu lernen? Gerade angesichts der deutlich höheren Gehälter, die es in England oder Spanien zu verdienen gibt? Wir werden es in den kommenden Jahren erleben. Ironischerweise sind ausgerechnet Mario Götze und Thiago Alcantara die einzigen Top-Spieler im Kader, die Guardiola nicht entscheidend weiterbringen konnte. Dabei kamen sie auch 2013 zum FCB und gelten zurecht als prädestiniert für die Spielweise des Katalanen.

Der dritte Grund ist freilich der wichtigste für die positive Bilanz von Pep Guardiola beim FC Bayern. Er hat der Bundesliga frische Ideen eingepflanzt. Nicht nur der Fußball des FC Bayern hat sich verändert, sondern der vieler Bundesligisten. Bei Borussia Dortmund sieht man dies freilich stärker als bei Darmstadt, aber Guardiolas Form des Kurzpassspiels war noch prägender als einst Jürgen Klopp mit seinem Umschaltspiel. Nicht zuletzt übernahm Bundestrainer Joachim Löw weite Teile des neuen Bayern-Stils für die Nationalelf – und wurde Weltmeister.

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