Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.11.2015

11:41 Uhr

Beckenbauer über Warner

Der Kaiser und der Korruptionskönig

VonThomas Schmitt

Franz Beckenbauer setzt seine Charme-Offensive fort. In seinem ersten TV-Interview zeigte er sich ahnungs- und arglos. Ob die DFB-Ermittler heute mehr Licht in den Skandal um die Vergabe der WM 2006 bringen?

Franz Beckenbauer (rechts): „Der Jack Warner, der war wie ein König. Wenn der gesagt hätte, ich bin morgen Staatspräsident, wäre er Staatspräsident geworden." AFP

Im Februar 2000

Franz Beckenbauer (rechts): „Der Jack Warner, der war wie ein König. Wenn der gesagt hätte, ich bin morgen Staatspräsident, wäre er Staatspräsident geworden."

DüsseldorfFranz Beckenbauer muss heute erneut vor den DFB-Ermittlern aussagen. Es geht um einen Vertrag, den die Kanzlei Freshfields im DFB-Archiv entdeckt hat. Das Brisante daran: Er ist geschlossen mit dem als korrupt geltenden Ex-Fifa-Funktionär Jack Warner, von Beckenbauer unterschrieben und hat ein kritisches Datum: den 2. Juli 2000. Das war vier Tage vor der wichtigen Abstimmung über die Vergabe der WM 2006 innerhalb der Fifa.

Beckenbauer hat lange geschwiegen zu diesem Vertrag. Andere redeten umso mehr darüber. So war von einem möglichen Bestechungsversuch die Rede. „Das muss man so werten, dass zumindest über diese Fragen nachgedacht worden ist“, sagte Reinhard Rauball, der gemeinsam mit Rainer Koch den Deutschen Fußball-Bund interimsmäßig führt. „Wenn etwas schriftlich konzipiert ist, egal ob es dann formwirksam geworden ist oder nicht, dann ist das etwas, was diese Vermutung zulässt.“

Jack Warner: „Drahtzieher“ der Fußball-Korruption

Korrupt

Jack Warner steht als einer der korruptesten Figuren in den Geschichtsbüchern des Weltfußballs.

Lebenslang gesperrt

Vier Jahre nach seinem Rücktritt von allem Ämtern war der frühere FIFA-Vizepräsident Ende September von der Ethikkommission des Weltverbands endgültig lebenslang gesperrt worden.

Der Grund

Die Entscheidung, die durch den deutschen Richter Hans-Joachim Eckert (München) als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer verkündet wurde, sei auf Basis der Untersuchungen der WM-Vergaben 2018 (Russland) und 2022 (Katar) erfolgt.

Fortwährend und wiederholt

Allein die Begründung der Ethikhüter lässt auf die Praktiken des heute 72 Jahre alten Funktionärs aus Trinidad und Tobago schließen. „Jack Warner verübte fortwährend und wiederholt verschiedene Vergehen, während er bei der FIFA und der CONCACAF als Funktionär verschiedene hochrangige und einflussreiche Ämter bekleidete“, hieß es.

Drahtzieher

Warner sei „ein Drahtzieher von Systemen, die die Gewährung, Annahme und den Empfang verdeckter und illegaler Zahlungen beinhalteten, sowie anderer Systeme zur Bereicherung“ gewesen.

Rücktritt

Warner war 2011 nach Vorwürfen der Bestechung im Zuge der FIFA-Präsidentschaftskandidatur von Mohamed bin Hammam zurückgetreten.

Vorgang aus 2005

Danach hatte im Zuge der Ermittlungen gegen Joseph Blatter auch noch ein Vorgang aus dem Jahr 2005 für Brisanz gesorgt. Der inzwischen gesperrte FIFA-Präsident soll damals mit Warner einen für die FIFA ungünstigen Vertrag abgeschlossen haben.

WM-Affäre

Eine derartige Vereinbarung sorgt nun auch in der deutschen WM-Affäre für Wirbel.

In den vergangenen Tagen wurde der Druck auf Beckenbauer offenbar so groß, dass er medial in die Offensive ging: Zuerst in einem mehrstündigen Interview mit Redakteuren der „Süddeutschen Zeitung“ und kurze Zeit später in einem knapp 15 Minuten langen TV-Interview mit seinem Heimat-Sender Sky, für den er auch weiter über die Champions League berichtet.

Auf den Vorwurf der versuchten Bestechung durch Rauball reagierte er in der SZ so: „Hat er das gesagt? Das ist seine Sache.“ Frage: „Aber versuchte Bestechung - das ist ein harter Vorwurf.“ Beckenbauer: „Ein harter Vorwurf, ja. Und was soll ich da jetzt entgegnen? Ich kenne das Papier erst seit ein paar Stunden und musste es erst einmal übersetzen lassen. Dieses Vertragsenglisch verstehe ich auch heute noch nicht. Von mir ist das Papier jedenfalls nicht aufgesetzt worden.“

Inhaltlich sagte Beckenbauer zu dem merkwürdigen Vertrag mit Jack Warner öffentlich also weiter nichts, seine Rechtfertigungsstrategie geht in eine andere Richtung: „Wenn ich jemandem vertraue, unterschreibe ich alles. Blanko. Alles unterschreibe ich dem.“ Ob das Papier von seinem Vertrauten Fedor Radmann aufgesetzt wurde, ließ er allerdings bisher offen.

Umso genauer kann sich Beckenbauer dagegen an einige persönliche Begegnungen mit dem dubiosen Fifa-Funktionär Jack Warner erinnern. „Der Jack Warner, der war wie ein König“, erzählte Beckenbauer. „Wenn der gesagt hätte, ich bin morgen Staatspräsident, wäre er Staatspräsident geworden. So war das damals. Was der für das Land geleistet hat, für so eine Region, in der du nichts hast, außer ein paar Hotels, war gigantisch.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×