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20.11.2015

20:17 Uhr

Beckenbauer zu WM-Affäre

„Habe immer alles einfach unterschrieben“

Lange hat Franz Beckenbauer zu der Affäre um die WM 2006 geschwiegen. Nun nimmt er erstmals ausführlicher Stellung. In einem Interview gibt sich der 70-Jährige ahnungslos – räumt aber auch Fehler ein.

Beckenbauer ist sich sicher: Er hat nichts Unrechtes getan – auch wenn er blind Papiere unterschrieben hat. dpa

Franz Beckenbauer

Beckenbauer ist sich sicher: Er hat nichts Unrechtes getan – auch wenn er blind Papiere unterschrieben hat.

MünchenFranz Beckenbauer kann sich im Rahmen der Bestechungsvorwürfe rund um die WM 2006 an eine vertragliche Vereinbarung mit dem früheren FIFA-Vizepräsidenten Jack Warner nicht erinnern, hat aber einen Stimmenkauf entschieden zurückgewiesen. „Ich habe immer alles einfach unterschreiben, ich habe sogar blanko unterschrieben. Ich war ja nicht nur für die WM unterwegs, ich habe ja etwas anderes auch noch zu tun gehabt. Ich war Präsident des FC Bayern“, sagte Beckenbauer bei seiner ersten ausführlichen Stellungnahme seit Bekanntwerden der Affäre im Interview der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag-Ausgabe).

Das Abkommen mit Warner sei aber vor allem ein „Entwicklungshilfe-Paket mit Ticketing-Möglichkeit“ gewesen. Es sei ohnehin klar gewesen, dass Warner bei der WM-Vergabe im Juli 2000 nicht für Deutschland stimmen werde. Auch bei der ominösen Geldzahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an die FIFA konnte sich Beckenbauer an die Details nicht erinnern. Man habe auch nicht nachgefragt, wohin das Geld bei der FIFA geflossen ist.

Franz Beckenbauer in der DFB-Affäre um die WM 2006

Schweigsam

Seit dem Auftauchen der Korruptionsvorwürfe um die Vergabe der Fußball-WM 2006 ist nicht viel von Franz Beckenbauer zu hören. Der sonst so redselige „Kaiser“ hält sich vorwiegend bedeckt und meldete sich lediglich mit drei knappen Mitteilungen über sein Management zu Wort. Die bisherigen schriftlichen Statements des früheren Weltmeisters:

Sonntag, 18. Oktober

„Ich habe niemandem Geld zukommen lassen, um Stimmen für die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu akquirieren. Und ich bin sicher, dass dies auch kein anderes Mitglied des Bewerbungskomitees getan hat.“

Donnerstag, 22. Oktober

„Franz Beckenbauer wird sich bis auf Weiteres nicht öffentlich äußern. Er wird zunächst der Bitte der externen Untersuchungskommission des DFB entsprechen und diesem Gremium Rede und Antwort stehen.“

Montag, 26. Oktober

„Ich habe mich bereits vergangenen Donnerstag gegenüber der externen Untersuchungskommission des DFB bereit erklärt, Rede und Antwort zu stehen. Heute gab es diese Anhörung in München, bei der ich sämtliche Fragen der Kommission beantwortet habe.

Erste Klarstellung

„Es ist mir wichtig, folgendes klarzustellen:
1. Es wurden keine Stimmen gekauft, um den Zuschlag für die Fußballweltmeisterschaft 2006 zu bekommen.“

Zweite Klarstellung

„2. Um einen Finanzierungszuschuss der Fifa zu erhalten, wurde auf einen Vorschlag seitens der Fifa-Finanzkommission eingegangen, den die Beteiligten aus heutiger Sicht hätten zurückweisen sollen. Für diesen Fehler trage ich als Präsident des damaligen Organisationskomitees die Verantwortung.“

Seitenhieb

„Um die weiteren Befragungen nicht zu beeinträchtigen, werde ich mich anders als andere Beteiligte, deren Verhalten ich teilweise als unsäglich empfinde, derzeit nicht weiter äußern. Damit entspreche ich auch einer Bitte der externen Untersuchungskommission.“

Im Nachhinein erscheine vieles komisch, ergänzte Beckenbauer. „Aber damals haben wir es einfach gut gemeint“, betonte der „Kaiser“ und wies die Bestechungsvorwürfe zurück: „Ich weiß, dass ich nichts Unrechtes getan habe. Ich habe mich mit Haut und Haaren bemüht, die WM nach Deutschland zu holen, was uns auch gelungen ist. Ich habe ein reines Gewissen. Wir haben weder bestochen, noch haben wir schwarze Kasse gehabt.“

Von

dpa

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