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17.02.2017

14:54 Uhr

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BVB identifiziert 61 Tatverdächtige

In den Tagen nach den skandalösen Vorfällen rund um das Spiel gegen RB Leipzig liefen intensive Ermittlungen. Nun präsentiert Borussia Dortmund erste Ergebnisse. Den Tatverdächtigen drohen empfindliche Strafen.

Dortmunder Fans entrollen vor Spielbeginn auf der Südtribüne zahlreiche Spruchbänder, mit denen sie das von Unternehmer Dietrich Mateschitz alimentierte RB-Konzept kritisch kommentieren. Bisher wurden rund 61 Tatverdächtige ermittelt. dpa

Borussia Dortmund - RB Leipzig

Dortmunder Fans entrollen vor Spielbeginn auf der Südtribüne zahlreiche Spruchbänder, mit denen sie das von Unternehmer Dietrich Mateschitz alimentierte RB-Konzept kritisch kommentieren. Bisher wurden rund 61 Tatverdächtige ermittelt.

DortmundBorussia Dortmund hat nach den skandalösen Vorkommnissen beim Spiel gegen RB Leipzig 61 Tatverdächtigte identifiziert. Wie der Fußball-Bundesligist am Freitag mitteilte, konnten die Personen mit Hilfe hochauflösender Stadionkamera-Bilder ermittelt werden. Damit habe der BVB die erste Phase seiner Ermittlungen abgeschlossen. „Die durch das Videomaterial aufgedeckten Taten beziehungsweise Tatbeiträge weisen unterschiedliche Schweregrade auf und werden nach einer Einzelfallprüfung, die bei jedem Verdächtigen eine Anhörung einschließen wird, konsequent verfolgt“, hieß es in einer Erklärung des Vereins.

Mögliche Strafmaßnahmen sind Stadionverbote, Vereinsausschlussverfahren, Dauerkarten-Kündigungen sowie zivilrechtliche Regress- und Schadensersatzansprüche. „Im Fokus steht eine klare Zuordnung von Taten beziehungsweise Tatbeiträgen zu einzelnen Personen, um nicht unschuldige Zuschauer mit zu bestrafen“, teilte der Bundesliga-Vierte mit. Erwünscht sei „eine sachliche und differenzierte Betrachtungsweise. Eine pauschale Verurteilung der BVB-Fans und auch seiner Ultraszene halten wir für kontraproduktiv und nicht zielführend.“

Dortmund plant Spiel ohne Gelbe Wand

Hintergrund

Für Trainer Thomas Tuchel ist es ein „Monument des Weltfußballs“, für viele Fußballfans der stimmungsvollste Ort der Bundesliga. Im Spiel gegen den VfL Wolfsburg muss Borussia Dortmund auf die Unterstützung der legendären „Gelben Wand“ verzichten. Weil beim vergangenen Heimspiel der Borussia gegen RB Leipzig viele Schmähplakate zu sehen waren, muss die rund 25.000 Zuschauer fassende Südtribüne des Stadions laut DFB-Urteil für eine Partie leer bleiben.

Wie sperrt man die größte Stehplatztribüne Europas?

Die Eintrittskarten für die Tribüne sind deaktiviert. Zudem werden laut Stadion-Chef Christian Hockenjos mehr Ordner als bei anderen Bundesligaspielen eingesetzt. Sie werden zumeist an den Zugängen zur Südtribüne postiert und sollen verhindern, dass Fans trotz des Verbots auf die Südtribüne gelangen. Zudem sind temporäre Absperrungen vorgesehen. Für die restlichen Stadionbesucher gibt es keine Einschränkungen. Alle Eingänge sind geöffnet.

Wie reagiert die Polizei auf die besondere Situation?

Obwohl deutlich weniger Zuschauer im Stadion sein werden, stuft die Polizei die Partei als Risikospiel ein. Deshalb sind mehr Beamte im Einsatz. Noch ist nicht absehbar, wie sich die ausgesperrten Fans verhalten. Nach Kenntnis der Polizei und des Vereins sind bisher keine besonderen Aktionen geplant. Man wolle aber auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, sagte ein Polizeisprecher den „Ruhr Nachrichten“ (Freitag).

Wie viele Zuschauer sind dabei?

Der Signal-Iduna-Park ist mit 56.903 Zuschauern ausverkauft. 24.454 Plätze auf der Südtribüne bleiben aufgrund des DFB-Urteils frei. 1700 Fans kommen aus Wolfsburg. Weil die Gäste nicht das komplette Kartenkontingent abgerufen haben, gingen die restlichen Tickets an BVB-Anhänger – allerdings schon vor dem DFB-Urteil am vorigen Montag. Nicht auszuschließen, dass auch etatmäßige Süd-Besucher diese Möglichkeit im Nachhinein nutzten, um an Karten für das Spiel zu kommen.

Welche Entschädigung gibt es für die Fans von der Südtribüne?

Der BVB erstattet allen Fans, die erwiesenermaßen nicht zu den Tätern der Vorkommnisse rund um das Leipzig-Spiel gehören, den Eintrittskarten-Preis. Dauerkarteninhabern wird innerhalb der nächsten Wochen der anteilige Betrag erstattet. Tageskartenkäufer erhalten eine Karte für das letzte Bundesliga-Heimspiel dieser Saison am 20. Mai gegen Werder Bremen.

Gibt es auch Profiteure?

Die Gastronomen dürften von der Sperrung der Südtribüne profitieren. So wollen viele Fanclubs von außerhalb der Stadt, die ihre Busse längst gebucht hatten, trotz des Verbots anreisen und sich das Spiel in einer der vielen Gaststätten vor Ort ansehen. Nutznießer könnten auch die Wolfsburger Profis sein. „Falls es jemals einen guten Zeitpunkt gab, in Dortmund zu spielen, dann ist dieser vielleicht jetzt“, sagte VfL-Trainer Valérien Ismaël.

Mit den Ermittlungen reagierte der Revierclub auf die Vorgänge beim Duell vor zwei Wochen mit Leipzig. BVB-Anhänger hatten RB-Offizielle und den Verein auf zahlreichen Spruchbändern und mit Gesängen massiv beleidigt und diffamiert. Deshalb wurde die Südtribüne des BVB-Stadions vom DFB für das Heimspiel am Samstag gegen den VfL Wolfsburg gesperrt.

Zudem waren Gäste-Fans im Umfeld der Dortmunder Arena mit Gegenständen, unter anderem mit Steinen, beworfen worden. Es hatte zehn Verletzte gegeben. Auf die Vorfälle außerhalb des Stadions haben die DFB-Sportgerichtsbarkeit und der BVB jedoch keinen Zugriff. Hier liegt die alleinige Zuständigkeit bei staatlichen Stellen wie Polizei, Staatsanwaltschaft oder ordentlichen Gerichten. Nach Angaben der Polizei wurden bislang 32 Ermittlungsverfahren eröffnet. Laut BVB könnte sich diese Zahl innerhalb der kommenden Wochen noch auf 40 bis 50 erhöhen.

Von

dpa

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