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07.12.2015

17:36 Uhr

Bericht der BBC

FBI ermittelt gegen Joseph Blatter

Laut Medienberichten ermittelt die US-Bundespolizei FBI gegen Joseph Blatter. Der Ex-Fifa-Präsident soll um die Bestechungen der mittlerweile bankrotten Sportmarketing-Firma ISL an hochrangige Funktionäre gewusst haben.

Gegen Ex-Fifa-Chef Joseph ermittelt nun offenbar auch das FBI. dpa

Joseph Blatter

Gegen Ex-Fifa-Chef Joseph ermittelt nun offenbar auch das FBI.

LondonDer suspendierte Fifa-Präsident Joseph Blatter steht laut BBC erneut im Zentrum von Ermittlungen. Die US-Bundespolizei FBI untersuche die Rolle des 79 Jahre alten Schweizers in dem früheren gigantischen Bestechungsskandal um die inzwischen bankrotte Sportmarketing-Firma ISL.

Rund 100 Millionen Dollar (92 Millionen Euro) wurden in den 90er Jahren von der ISL an hochrangige Funktionäre des Fußball-Weltverbandes gezahlt. Unter ihnen waren auch zwei Brasilianer: der langjährige FIFA-Präsident Joao Havelange und das ehemalige Exekutivmitglied Ricardo Teixeira. Als Gegenleistung wurden ISL lukrative TV- und Vermarktungsrechte zugeschanzt.

Neu beleuchtet wird nun die Rolle Blatters im ISL-Skandal. Der umstrittene Schweizer soll laut BBC-Bericht von der Bestechung gewusst haben. Das gehe aus einem Brief hervor, der offenbar von Havelange stamme. Darin habe der Brasilianer von den erhaltenen ISL-Zahlungen berichtet. Blatter habe „vollständige Kenntnis von allen Aktivitäten“ gehabt und sei „jederzeit“ informiert gewesen, berichtete die BBC. Der Schweizer hatte diese Vorwürfe stets bestritten.

Fifa, DFB und der ISL-Skandal

Was ist ISL?

Ins Leben gerufen wurde die International Sport and Leisure (ISL) Mitte der 1980er-Jahre vom damaligen Adidas-Chef Horst Dassler. Die Schweizer Agentur war eine Tochtergesellschaft der ISMM-Gruppe, die mit den Rechten für die Fußball-Weltmeisterschaften handelte.

Was zahlte ISL?

Allein für die außereuropäischen TV-Rechte zur WM 2002 und 2006 zahlte die ISL der FIFA 1,4 Milliarden Franken. Aber auch die Olympischen Spiele sowie Tennis- und Motorsport-Wettbewerbe gehörten zum Portfolio.

Was passierte 2001?

Im Jahr 2001 ging die ISL bankrott. Der FIFA entstand dadurch ein Schaden von 51 Millionen Schweizer Franken – ein Verlust, der durch höhere neue Vermarktungseinnahmen später auf 36,9 Millionen Franken begrenzt werden konnte.

Wer folgte auf die ISL?

Die Fernsehrechte an der WM 2006 übernahm die Agentur Infront um Manager Günter Netzer und Gesellschafter Robert Louis-Dreyfus. Der Franzose soll dem DFB vor der WM 2006 das Geld für die kürzlich publik gewordene ominöse Zahlung von 6,7 Millionen Euro geliehen haben.

Welche Rolle spielt Netzer?

Von Netzer will der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger laut einem aktuellen „Spiegel“-Bericht erfahren haben, dass das Geld zum Stimmenkauf für die WM-Vergabe genutzt wurde – Netzer bestreitet das.

Gab es Korruption?

In einem Strafprozess gegen die ISL wurden 2008 mehrere Zahlungen an hochrangige Sportfunktionäre bekannt, unter anderem der FIFA und des Internationalen Olympisches Komitees IOC. 138 Millionen Franken sollen zwischen 1989 und 2001 über eine Stiftung in Liechtenstein verteilt worden sein – offenbar, um sich die lukrativen Marketingrechte zu sichern.

Wer ist betroffen?

Der ehemalige FIFA-Präsident João Havelange erhielt demnach 1,5 Millionen Franken, Ricardo Teixeira als Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees rund 12,7 Millionen Franken. Eine Strafuntersuchung gegen die FIFA wegen Korruptionsvorwürfen stellte die Schweizer Staatsanwaltschaft im Jahr 2010 gegen eine Zahlung von 5,5 Millionen Franken ein.

Was muss noch aufgeklärt werden?

Zwanziger forderte schon im Jahr 2012, dass auch die Rolle der ISL bei der WM-Vergabe 2006 untersucht werden solle. Dem „Spiegel“ zufolge nahm Zwanziger die ISL-Akte zudem zum Anlass, einen Anwalt prüfen zu lassen, ob er sich bei der 6,7-Millionen-Zahlung des DFB möglicherweise selbst strafbar gemacht hat - was dessen Gutachten zufolge nicht der Fall gewesen sein soll.

Das Schreiben sei Bestandteil von Ermittlungsakten, die das FBI von den Schweizer Behörden im Zuge seiner Untersuchungen erhalten habe. Bereits früher sei man dort Bestechungsvorwürfen in Bezug auf ISL nachgegangen. Damals habe der Bundesanwalt unter anderem „Havelanges Erklärungen im Zusammenhang mit Blatter“ untersucht.

Bereits Ende April 2013 hatte die Fifa-Ethikkommission unter Richter Hans-Joachim Eckert einen Schlussstrich unter die ISL- Bestechungsaffäre gezogen - und Blatter entlastet. Der Fifa-Boss sah sich reingewaschen, Havelange hatte seinen Titel als Fifa-Ehrenpräsident zuvor abgegeben.

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