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06.05.2013

19:09 Uhr

Beschluss des Aufsichtsrats

Hoeneß bleibt Bayern-Boss

Uli Hoeneß wird trotz seiner Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung auch weiterhin Aufsichtsratsvorsitzender und Präsident des FC Bayern bleiben. Der Aufsichtsrat lehnte sein Angebot ab, die Ämter ruhen zu lassen.

Uli Hoeneß bleibt dem FC Bayern vorerst erhalten. dpa

Uli Hoeneß bleibt dem FC Bayern vorerst erhalten.

MünchenUli Hoeneß bleibt trotz seiner Steuerhinterziehung Chef des Aufsichtsrats beim Fußball-Rekordmeister FC Bayern München. Das Gremium habe nach intensiver Diskussion einvernehmlich entschieden, dass der 61-Jährige das Amt weiter ausüben solle, teilte der Verein am Montagabend nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Das geschehe auch im Interesse des FC Bayern, der sich voll und ganz auf das Erreichen der weiteren sportlichen Ziele konzentrieren solle, etwa dem Champions-League-Finale und dem Pokalfinale. Der Aufsichtsrat werde die Angelegenheit aber weiter beobachten und sich "bei Vorliegen neuer Erkenntnisse mit dem Thema befassen".

Im Vorfeld war spekuliert worden, Hoeneß könnte sein Amt spätestens nach dem Champions-League-Finale am 25. Mai ruhen lassen. In Medienberichten war zudem von einer schwindenden Unterstützung im Aufsichtsrat für Hoeneß die Rede gewesen. So hatte Anteilseigner Audi Ende April erklärt, das Unternehmen sei der Überzeugung, dass nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg nur sichergestellt werden könne, "wenn Regeln und Normen konsequent befolgt werden. Wir stehen für achtbares, ehrliches und regelkonformes Verhalten im Geschäftsalltag."

Die Steuer-Affäre um Hoeneß

2001 bis 2006

Hoeneß spekuliert im großen Stil an der Börse mittels eines Kontos in der Schweiz. Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus habe ihn mit Millionen unterstützt. „Es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes“, sagte Hoeneß im Mai 2013 der „Zeit“. Nach anfänglichen Gewinnen habe er aber hohe Verluste gemacht und seine Aktivitäten an der Börse zurückgefahren.

Oktober 2010

Deutschland und die Schweiz unterzeichnen ein neues Doppelbesteuerungsabkommen und vereinbaren Verhandlungen zur Legalisierung von nicht versteuerten deutschen Geldern auf Schweizer Bankkonten.

April 2012

Beide Länder unterzeichnen ein Zusatzprotokoll. Geldanlagen von Bundesbürgern in der Schweiz aus den vergangenen zehn Jahren sollen danach von 2013 an pauschal mit 21 bis 41 Prozent besteuert werden - nicht wie zunächst vereinbart mit 19 bis 34 Prozent. Das Schweizer Parlament billigt das Abkommen im Mai, der Bundestag stimmt im Oktober zu.

November 2012

Die von SPD und Grünen regierten Bundesländer lassen das Abkommen im Bundesrat scheitern.

Dezember 2012

Auch im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat kommt keine Einigung zustande.

12. Januar 2013

Hoeneß zeigt sich beim Finanzamt selbst an, die Staatsanwaltschaft München leitet ein Ermittlungsverfahren ein. Er hatte vergeblich auf das kurz zuvor gescheiterte Steuerabkommen gesetzt.

20. März 2013

Hoeneß bekommt in seinem Haus am Tegernsee Besuch von der Staatsanwaltschaft. Gegen Hoeneß lag sogar ein Haftbefehl vor, der aber außer Vollzug gesetzt wird. Die Rede ist von einer Kaution in Millionenhöhe.

20. April 2013

Das Nachrichtenmagazin „Focus“ macht den Fall öffentlich und berichtet unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft und Hoeneß selbst. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagt in München, er sei „seit geraumer Zeit“ über das Verfahren gegen Hoeneß informiert. Später präzisiert die Landesregierung: Das Finanzministerium wusste seit 17. Januar von der Selbstanzeige, Seehofer wurde am 25. Januar vom Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft informiert.

21. April 2013

Hoeneß schließt einen Rücktritt als Präsident des FC Bayern München aus. In der Folge häuft sich die Kritik, vor allem die Politik erkennt das Potenzial zum Wahlkampfthema. Sogar Kanzlerin Angela Merkel rückt von Hoeneß ab. Geschlossen bleiben hingegen die Reihen beim FC Bayern.

23. April 2013

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über den Haftbefehl und die Millionen-Kaution. Hoeneß besucht trotzdem das Halbfinal-Hinspiel seines FC Bayern in der Champions League gegen den FC Barcelona und freut sich im Stadion über ein 4:0.

1. Mai 2013

Hoeneß gibt via „Zeit“ voller Reue Einblick in sein Seelenleben. Seinen FC Bayern, dessen Spiel er am Abend in Barcelona bejubelt, nimmt er gegen jeden Verdacht in Schutz. Der Vereinspräsident schließt Verbindungen seines Schweizer Kontos zum Rekordmeister aus. Frühzeitig verlässt er das nächtliche Bankett.

4. Mai 2013

Hoeneß verzichtet auf einen Besuch des brisanten Bundesliga-Auswärtsspiels bei Borussia Dortmund. Stattdessen schaut er sich das Playoff-Match seiner Basketballer gegen Alba Berlin an.

6. Mai 2013

In München ist eine Aufsichtsratssitzung des FC Bayern angesetzt. Dort geht es auch um die Zukunft des allmächtigen Vereinspatrons gehen. Der Aufsichtsrat stellt sich hinter Hoeneß und lässt ihn im Amt – bis möglicherweise neue Erkenntnisse vorliegen.

11. Mai 2013

Die Anwälte von Uli Hoeneß erstellen Anzeige gegen Unbekannt wegen Verletzung des Steuergeheimnisses. Die Schuldigen, die Informationen über die Steuerhinterziehung haben durchsickern lassen, werden auch in der Münchner Staatsanwaltschaft gesucht.

1. Juni 2013

Mit dem Sieg im DFB-Pokal holt sich der FC Bayern endlich das ersehnte Triple. Hoeneß ist auf der Tribüne mit dabei und wirkt angespannt. Die Fans feiern ihn mit Sprechchören.

13. Juli 2013

Der SPIEGEL meldet, dass Uli Hoeneß mit einer Bewährungsstrafe rechnen kann. Die meisten der Straftaten seien nämlich mittlerweile verjährt.

Vor wenigen Wochen war bekanntgeworden, dass Hoeneß im Januar mit einer Selbstanzeige die Hinterziehung von Steuern eingeräumt hatte. Er soll nach Medienberichten die Erträge von Kapitalanlagen in der Schweiz vor dem Fiskus verborgen haben. Medienberichten zufolge soll er 3,2 Millionen Euro Steuern nachgezahlt haben. Er habe "Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch", hatte er jüngst in einem Interview erklärt.

Hoeneß hatte den Angaben vom Montag zufolge dem Aufsichtsrat angeboten, sein Amt ruhen zu lassen, bis die zuständigen Behörden über die strafbefreiende Wirkung seiner Selbstanzeige entschieden haben. "Uli Hoeneß hat vor dem Gremium sein Bedauern über den Vorfall ausgedrückt und sich entschuldigt", hieß es.

Im Aufsichtsrat sitzen unter anderem Adidas -Chef Herbert Hainer, Audi-Chef Rupert Stadler, VW-Chef Martin Winterkorn, Telekom -Finanzchef Timotheus Höttges und Ex-HypoVereinsbank-Chef Dieter Rampl. Das Gremium kontrolliert den Verein, der jährlich 300 Millionen Euro umsetzt und finanziell zu den solidesten Fußball-Clubs in Europa zählt. Adidas und Audi halten zudem je 9,1 Prozent der Bayern-Anteile.

Hoeneß war wegen der Affäre unter anderem von Bundespräsident Joachim Gauck kritisiert worden. Wer Steuern hinterziehe, "verhält sich verantwortungslos oder gar asozial", hatte Gauck erklärt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte über einen Sprecher erklärt, auch sie sei enttäuscht von Hoeneß. Dabei stehe dieser auch für viel Positives über den Fußball hinaus. "Diese Verdienste bleiben natürlich, aber es ist jetzt durch die Tatsache der Selbstanzeige wegen Steuerbetruges eine andere, traurige Facette hinzugekommen".

Die Staatsanwaltschaft München prüft derzeit, ob sich Hoeneß im Januar rechtzeitig und vollständig selbst anzeigte, um einer Strafe wegen Steuerhinterziehung zu entgehen. Sollte das nicht der Fall sein, droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe. Das Thema hatte auch zu politischem Streit geführt.

Kommentare (45)

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Vicario

06.05.2013, 18:26 Uhr

Zitat : Der Aufsichtsrat will die Angelegenheit weiterhin beobachten und sich bei neuen Erkenntnissen mit dem Thema befassen.
Gegen den 61 Jahre alten Hoeneß läuft derzeit ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft München II wegen Steuerhinterziehung. Hoeneß droht dabei sogar eine Gefängnisstrafe.

- Man sollte den FC-Bayern boykottieren ! Es ist schon ein höchstes Maß an Arroganz von diesen "Aufsichtsratshengsten" , einen Gesetzeslosen als Präsident zu beschäftigen !"

Beim Finale in London sollte man den FC-Bayern AUSPFEIFEN !

Aber gehörig !

Account gelöscht!

06.05.2013, 18:34 Uhr

Hallo Herr anonymer Vicario,
ihre Meinung ist erstklassig, sie ist weder emotional noch von Vorurteilen getragen. Ich rate ihnen auch in ihrem Beruf derart zielsicher zu argumentieren. Ich bin ziemlich sicher, dass ihnen dann ein Vorstandsjob winkt. Viel Erfolg dabei.

Vicario

06.05.2013, 18:42 Uhr

@ Gebbi

Besten Dank für Ihre Ratschläge, die werde ich ausnahmslos verinnerlichen....!

Da ich bereits im Vorstand bin ( Insektrensammler-Verein E.V. ), habe ich diesbezüglich keine Ambitionen mehr....!

Ihre Anspielung auf "Anonymer" Teilnehmer sit mir allerdings etwas suspekt...hier sind doch alle anonym !
Aber ich habe kein Problem damit....wenn Sie einen ausführlichen Schriftwechsel mit mir einfädeln wollen, teile ich Ihnen gerne meine e-Mail mit.

Mit besten Grüßen von Eintracht Frankfurt - Fan !

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