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31.05.2011

11:22 Uhr

Bestechungsskandal

Fifa-Schlammschlacht wird immer absurder

Die Vorwürfe im Fifa-Bestechungsskandal werden immer absurder. Dieses Mal geht es um den paraguayischen Spitzenfunktionär Nicolas Leoz. Und die Blatter-Gegner haben offenbar weitere Munition parat, die sie am Nachmittag abschießen wollen. Zahlreiche a siatische Verbände haben derweil bereits ihre Konsequenzen gezogen: Sie boykottieren die Präsidentenwahl und reisen ab.

Der paraguayische Spitzenfunktionär Nicolas Leoz (li.) neben Fifa-Präsident Sepp Blatter. Quelle: Reuters

Der paraguayische Spitzenfunktionär Nicolas Leoz (li.) neben Fifa-Präsident Sepp Blatter.

BerlinLeoz soll als Gegenleistung für seine Unterstützung der WM-Bewerbung Englands gefordert haben, dass der traditionsreiche englische Pokalwettbewerb nach ihm benannt wird. Dies offenbarte der Anwalt James Dingemans, der nach den englischen Bestechungsvorwürfen gegen vier Fifa-Spitzenfunktionäre einen knapp 200-seitigen Untersuchungsbericht für Englands Fußball-Verband (FA) angefertigt hatte. Dieser Report wurde weitergereicht an den Weltverband (Fifa), der am Montagabend eine 33 Seiten lange Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse veröffentlichte.

Dingemans präsentierte eine E-Mail, in der Leoz über einen Verbandsvertreter verlangt haben soll, dass der FA-Cup, immerhin der älteste Pokalwettbewerb der Welt, seinen Namen trägt. Nach kurzen Diskussionen, ob eventuell ein anderer Wettbewerb nach Leoz benannt wird, habe das Bewerbungskomitee jedoch sämtliche Pläne verworfen. Leoz, seit 1986 Präsident des südamerikanischen Verbandes CONMEBOL, bestreitet alle Vorwürfe. Ex-FA-Chef David Triesman hatte vor drei Wochen sogar behauptet, der 82-Jährige habe einen Ehrenrittertitel für seine Stimme gefordert.

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Bei der Parlamentsanhörung am 10. Mai hatte Triesman neben Leoz drei weitere Mitglieder der Fifa-Exekutive der Bestechung bezichtigt. Leoz, Fifa-Vize Jack Warner (Trinidad & Tobago), Brasiliens Verbandschef Ricardo Teixeira und Worawi Makudi (Thailand) hätten "unsachgemäß und unethisch" gehandelt und unlautere Forderungen als Gegenleistung für Stimmen gestellt.

Nach einer ausgiebigen Untersuchung wurden alle vier Funktionäre von den Triesman-Vorwürfen vorläufig entlastet. Es seien keine Beweise gefunden worden, hatte Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke am Sonntag erklärt. Auch Fifa-Präsident Joseph Blatter schloss weitere Ermittlungen vorerst aus. "Es sind keine weiteren Schritte nötig", sagte der Schweizer auf seiner denkwürdigen Pressekonferenz am Montagabend.

Chronologie Bestechungsaffäre Fifa Stand 30.5.2011

18. November 2010

Sechs Funktionäre werden von der FIFA mit Strafen belangt. Die Ethikkommission schließt Adamu für drei Jahre von allen Aktivitäten im Fußball aus, Temarii für ein Jahr. Beide dürfen bei den WM-Vergaben nicht abstimmen. Vier ebenfalls ins Visier geratene ehemalige Offizielle werden ebenfalls gesperrt. „Alle Zweifel sind ausgeräumt“, sagt FIFA-Chef Joseph Blatter.

20. Oktober 2010

Die Exekutivmitglieder Reynald Temarii (Tahiti) und Amos Adamu (Nigeria) werden von der FIFA wegen Korruptionsverdachts vorläufig suspendiert. Sie sollen bereit gewesen sein, ihre Stimmen bei der Vergabe der WM 2018 und 2022 zu verkaufen.

29. November 2010

Neue Bestechungsvorwürfe gegen drei weitere Exekutivmitglieder: Ricardo Texeira (Brasilien), Nicolás Leoz (Paraguay) und Issa Hayatou (Kamerun). Die Verfehlungen des Trios sollen schon einige Jahre zurückliegen. „Der Schaden für den Ruf der FIFA ist sehr groß“, sagte Claudio Sulser, Chef der Ethikkommission.

2. Dezember 2010

Die FIFA vergibt die nächsten Weltmeisterschaften nach Russland (2018) und Katar (2022). Beide Länder sind erstmals Veranstalter einer Endrunde.

6. Dezember 2010

Die Wahl Katars gerät immer mehr ins Zwielicht, wiederum tauchen Bestechungsvorwürfe auf. FIFA-Vizepräsident Julio Grondona soll laut einem Bericht als Chef des argentinischen Fußball-Verbandes AFA etwa 59 Millionen Euro aus Katar erhalten haben. Vizepräsidenten-Kollege Julio Grondona verweigert einen Kommentar dazu: „Ich sage nichts dazu. Ich bin fast 80 Jahre alt. Ich will mich deshalb nicht mehr mit so etwas befassen.“

8. Dezember 2010

Blatter meint: „Wir müssen unser Image verbessern.“

4. Februar 2011

Der Einspruch von Adamu und Temarii gegen die Sperren wird von der FIFA-Berufungskommission abgelehnt.

10. Mai 2011

Der frühere englische Verbandschef David Triesman beschuldigt das FIFA-Quartett Teixeira, Leoz, Vize Jack Warner (Trinidad und Tobago) und Worawi Mukudi (Thailand) unlautere Forderungen vor den WM-Vergaben gestellt zu haben. Der Weltverband will den Vorwürfen nachgehen.

25. Mai 2011

Nun muss sich auch Präsidentschaftskandidat Mohamed bin Hammam vor der einberufenen Ethikkommission verantworten. Es soll um Bestechungsvereinbarungen bei einem Treffen der Karibischen Fußball-Union vom 10. und 11. Mai gehen. Ins Visier gerät auch FIFA-Vizepräsident Jack Warner (Trinidad & Tobago). Belastungszeuge ist Exekutivkomitee-Mitglied Chuck Blazer (USA).

27. Mai 2011

Die Ethikkommission nimmt Ermittlungen gegen FIFA-Präsident Blatter auf. Bin Hammam wirft dem Schweizer Amtsinhaber vor, von angeblichen Zahlungen an FIFA-Mitglieder aus der Karibik gewusst, aber zunächst nichts dagegen unternommen zu haben.

28. Mai 2011

Bin Hammam zieht seine Kandidatur für das Präsidentenamt überraschend zurück.

29. Mai 2011

Bin Hammam und Warner werden wegen Korruptionsverdachts für zunächst 30 Tage suspendiert. Sie sollen beim Treffen der Karibischen Fußball-Union versucht haben, für die Wahl des Katarers bin Hammam Stimmen zu kaufen.

30. Mai 2011

Warner erhebt neue Anschuldigungen gegen Blatter. Der habe dem Kontinentalverband Nord- und Mittelamerika/Karibik (CONCACAF) ein „Geschenk“ von einer Million Dollar zukommen lassen, um das Geld „nach eigenem Ermessen“ zu verwenden.

Doch die Blatter-Gegner geben sich noch nicht geschlagen und wollen am Tag vor der Wahl des Fifa-Präsidenten noch einmal mit neuen Enthüllungen in der Schlammschlacht um die Macht bei der Fifa zurückschlagen. Nach Informationen des Sport-Informations-Dienstes (sid) findet am Dienstag um 14 Uhr in einem Züricher Nobelhotel eine mit Spannung erwartete Pressekonferenz statt, auf der vier Exekutivmitglieder beschuldigt werden, für die Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 an Katar insgesamt 20 Millionen Dollar an Bestechungsgeldern kassiert zu haben.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

31.05.2011, 14:06 Uhr

Wenn sich diese Herrn nicht die Taschen mit Geld vollstopfen würden, dann wäre die ganze Angelegenheit einfach eine nette Posse.
Ein Verband, dessen Führungsstab ein Durchschnittsalter hat, das Methusalem alle Ehre macht, sollte dringend über eine Verjüngungskur nachdenken. Und über seine Statuten - zeitgemäß sind die ja wohl auch nicht mehr.

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