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11.11.2015

20:55 Uhr

Bewerbung gefährdet

Lässt der DFB-Skandal Hamburgs Olympia-Traum platzen?

VonChristoph Kapalschinski

Hamburgs oberster Wirtschaftsvertreter Melsheimer fürchtet, die DFB-Querelen schmälern die Zustimmung für Olympia. Er baut auf das Engagement der Unterstützer - und den Willen, eine „Jahrhundertchance“ zu nutzen.

Der DFB-Skandal droht sich auf die Olympia-Bewerbung Hamburgs auszuwirken. dpa

Traum Olympia

Der DFB-Skandal droht sich auf die Olympia-Bewerbung Hamburgs auszuwirken.

HamburgMehr Gegenwind könnte für Hamburgs Olympia-Verfechter kaum sein: Der DFB-Skandal um eine mögliche Schwarze Kasse im Zusammenhang mit der WM-Vergabe 2006 lässt den organisierten Sport finster dastehen. Zudem schweigt der Bund beharrlich zum Hamburger Kostenplan, nach dem von 7,4 Milliarden Euro Steuerzuschuss der größte Teil aus Berlin kommen soll. Inoffiziell heißt es aus der Bundesregierung, der Bund werde Hamburg nicht die Stadtentwicklung der kommenden Jahrzehnte finanzieren. Ausgerechnet jetzt, am 29. November, sollen Hamburgs Bürger über die Bewerbung abstimmen.

Beteiligt an der Bewerbungsgesellschaft für die Spiele ist neben der Hansestadt, dem Bund und dem Deutschen Olympischen Sportbund auch die Hamburger Handelskammer. Deren Präses, Fritz Horst Melsheimer, residiert in einem prachtvollen Büro mit meterhohen Decken. Im Vorzimmer: Ölportraits seiner Vorgänger. Melsheimer hat die Idee zur Olympiabewerbung mit vorangetrieben.

Herr Melsheimer, bringt der DFB-Skandal das Hamburger Olympia-Referendum ins Wanken?
Nein, das glaube ich nicht. Ich rechne nur mit einem geringen Einfluss. Schließlich sind viele Bürger hoch engagiert – erst am Sonntag haben Tausende Menschen im Stadtpark die Olympischen Ringe geformt.

Aber auf Unentschlossene dürften die Vorgänge um die Vergabe der Fußball-WM 2006 doch abschreckend wirken, oder nicht?
Nun die Skeptiker wird das sicherlich nicht positiv beeinflussen. Da gebe ich Ihnen Recht.

Hintergrund

Fritz Horst Melsheimer

Seit 2011 Präses der Hamburger Handelskammer, die 170.000 Unternehmen vertritt. Der 65-Jährge war bis 2014 Vorstandschef der Versicherungsgruppe Hanse-Merkur. Zuvor arbeitete der studierte Wirtschaftswissenschaftler bei der Hamburg-Mannheimer. Die Handelskammer in Hamburg gilt als besonders politisch einflussreich.

Bürgerentscheid

Die Hamburger Politik und große Teile der Wirtschaft und des Sports wollen sich um die Olympischen Sommerspiele 2024 bewerben. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) entscheidet 2017 – und vorher die Hamburger Bürger.

Viel Zuspruch

Dabei haben die Befürworter eigentlich viel richtig gemacht – zumindest blieb die Opposition gegen die Spiele verhalten. In der Bürgerschaft positioniert sich allein die Linkspartei klar gegen die Spiele.

Referendum läuft

Das Referendum über die Bewerbung läuft bereits: 14,2 Prozent der Hamburger hatten bis Dienstag bereits ihre Stimme per Briefwahl abgegeben. Die Wahllokale öffnen am 29. November. Hamburg kann seine Bewerbung weiter verfolgen, falls die Mehrheit zustimmt – und zugleich mindestens 20 Prozent aller Wahlberechtigten mit „Ja“ stimmen.

Meinen Sie, dass der DFB die Vorgänge noch vor dem Referendum am 29. November aufklären kann?
Das glaube ich nicht. Es gibt so viele medial ausgetragene Positionen um diese Vorgänge. Nein, wir müssen klar machen, dass das den IOC nicht betrifft.

Aber die Vergabe der Olympischen Spiele folgt doch ebenfalls keinen festen Kriterien…
Das sehe ich nicht so. Das IOC bemüht sich in seinem Reformprozess, der Agenda 2020, um Transparenz. So darf Hamburg etwa vor der Olympia-Entscheidung keine stimmberechtigten IOC-Vertreter einladen. Und im Kuratorium unserer Bewerbungsgesellschaft sitzt eine Vertreterin von Transparency International. Sie hat sich ganz klar für Hamburgs Bewerbung ausgesprochen.

Sie haben das Engagement vieler Hamburger angesprochen. Schmerzt es nicht umso mehr, dass sich die Bundesregierung betont zurückhält, seitdem Bürgermeister Olaf Scholz seinen Finanzreport vorgelegt hat? Er will immerhin 6,2 Milliarden Euro vom Bund…
In normalen Zeiten könnte man erwarten, dass die Bundesregierung ein klares Signal abgibt, dass sie mit einer Einigung rechnet. Aber durch die Flüchtlingskrise, die größte Herausforderung seit der Wiedervereinigung, liegen die Prioritäten in Berlin im Moment verständlicherweise anderswo.

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