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14.08.2014

15:02 Uhr

Bilanz Borussia Dortmund

Warum dem BVB der Umsatzeinbruch egal sein kann

VonLukas Bay

Einen Tag nach dem Supercup-Gewinn gegen Bayern präsentiert Borussia Dortmund vorläufige Zahlen. Obwohl Umsatz und Gewinn eingebrochen sind, gewinnt der Verein an Finanzkraft – und sucht nun neue Investoren.

BVB-Geschäftsführer Watzke: „Solange wir schwarze Zahlen schreiben, sind wir in der Lage ordentlich zu investieren.“ dpa

BVB-Geschäftsführer Watzke: „Solange wir schwarze Zahlen schreiben, sind wir in der Lage ordentlich zu investieren.“

DüsseldorfDer Gewinn: eingebrochen. Der Umsatz: ebenfalls. Auf den ersten Blick scheint die Bilanz, die BVB-Geschäftsführer Joachim Watzke einen Tag nach dem Supercups präsentieren kann, nicht gut ausgefallen zu sein. Doch so ist das im schwankungsreichen Fußballgeschäft, denn verantwortlich ist vor allem ein Transfer, der das Ergebnis des vorherigen Geschäftsjahres besonders gut aussehen ließ.

Der Verkauf von Mario Götze an Bayern München spülte den Dortmundern im Vorjahr 37 Millionen Euro in die Tasche, insgesamt nahm der Bundesligist durch den Abgang von Spielern 51,6 Millionen Euro ein. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2013/14 fiel der Transferüberschuss mit 4,45 Millionen deutlich geringer aus.

Hinzu kamen sinkenden Umsätze in der Champions League. Während Dortmund im Vorjahr noch in das Finale einziehen konnte, war in der vergangenen Saison bereits im Viertelfinale Schluss. Auch die TV-Einnahmen sind durch das internationale Ausscheiden gesunken: Nach 87,6 Millionen Euro im Vorjahr stehen jetzt unterm Strich lediglich 81,4 Millionen Euro in den Büchern.

Deshalb ist es durchaus als Erfolg zu werten, dass die Dortmunder auch in diesem Jahr einen zweitstelligen Gewinn von rund 12 Millionen Euro ausweisen können. Bereinigt um die Transfererlöse kann auch der Umsatz leicht auf 260,7 Millionen Euro zulegen. „Die Umsatzentwicklung hat mich positiv überrascht“, sagt auch Analyst Marcus Silbe von Close Brothers Seydler Research. Ohnehin bleiben die Zukunftspläne von Watzke ambitioniert: Bis spätestens 2018 will der Dortmund-Chef des Umsatz ohne Transfers auf über 300 Millionen Euro steigern.

Fußball: Geldquellen und Vermögen des BVB

Sponsoren

Der BVB hat sich wichtige Einnahmequellen mittel- und langfristig vertraglich abgesichert. Dazu zählen insbesondere die Einnahmen durch Premium-Sponsoren, insbesondere Evonik, Signal Iduna, Puma, Opel, Brinkhoff‘s, Sparda-Bank, Sprehe, Wilo, Hankook, Flyeralarm, Westlotto, Turkish Airlines und Huawei.

Quelle: Vorläufige Bilanz 2013/14, Finanzberichte

Werbung

Die sportlichen Erfolge machen den Verein als Werbeträger für Sponsoren immer beliebter. Im Geschäftsjahr 2013/2014 stiegen die Einnahmen durch Werbung um 3,7 Millionen auf 73 Millionen Euro. Allein der Vertrag mit dem langjährigen Sponsor Evonik soll dem Klub bis 2025 rund 250 Millionen Euro in die Kasse spülen.

TV-Vermarktung

Die Einnahmen aus der Fernsehvermarktung bleiben der größte Einnahmenposten, auch wenn sie durch das frühere Champions-League aus leicht gesunken sind: 81,4 Millionen Euro flossen in die Kasse des Vereins - in der Saison 2012/2013 betrugen die TV-Einnahmen noch etwa 87,6 Millionen Euro, was der Verein vor allem dem Finaleinzug im Europapokal zu verdanken hatte.

Merchandising

Für Trikothersteller Puma ist der BVB ein lukrativer Partner. Denn durch die internationalen Erfolge steigt weltweit die Nachfrage nach schwarz-gelbem Merchandising. Im abgelaufenen Geschäftsjahr stiegen die Einnahmen in diesem Bereich um 3,6 Millionen Euro auf insgesamt 35 Millionen Euro.

Catering, Handel und Lizenzen

Beim Catering und den sonstigen Einnahmen, zu denen beispielsweise Versicherungszahlungen für verletzte Spieler und Entschädigungen des DFB für abgestellte Nationalspieler zählen, steht unter Strich ein Plus. Insgesamt erwirtschaftet der BVB hier 26,3 Millionen Euro, nach 20,3 Millionen im Vorjahr.

Ticketerlöse

Mehr als 80.000 Zuschauer passen in den Signal Iduna Park – und die Arena ist regelmäßig ausverkauft. Doch weil diesmal kein Champions-League-Halbfinale im Dortmunder Stadion gespielt wurde, sinken die Einnahmen in diesem Bereich. Rund 40,5 Millionen Euro nehmen die Dortmunder durch Ticketverkäufe ein, im Vorjahr waren es 44,8 Millionen Euro. Viele Top-Clubs wie Bayern München oder Real Madrid haben weniger Zuschauer, aber trotzdem höhere Einnahmen. In Dortmund rühmt man sich jedoch niedriger Ticketpreise und ist stolz auf die günstigen 28.000 Stehplätze, auf denen die Stimmung im Stadion entsteht.


Stadion

Der Signal Iduna Park hat 80.645 Plätze und ist damit das größte Fußballstadion Deutschlands. Durchschnittlich über 90 Prozent betrug die Auslastung in den letzten zehn Jahren. Laut der englischen "Times" ist es zugleich das

schönste Fußballstadion der Welt.

Fans

Durchschnittlich 80.520 Personen schauten in der Saison 2013/2014 den Spielen zu. Damit war der BVB die Nr. 1 in Deutschland vor Bayern München (71.000). Zum zweiten Mal in Folge lag der BVB auch in Europa (!) vor Manchester United (75.032) und vor dem FC Barcelona (73.812), wie sich aus der Internetseite www.weltfussball.de ergibt. Allein 54.000 Dauerkarten bedeuten Allzeit-Rekord in der Bundesliga.

Image

Borussia Dortmund ist nach der „Fußballstudie 2013“ der TU Braunschweig der beliebteste Verein in Deutschland. Die Nr.1 ist der BVB auch im „BrandFeel Ranking 2013”. Dies ist das Marken-Ranking zur Fußball-Bundesliga von Mafo.de. Die Online-Marktforscher haben die Vereine bezüglich Markenstärke, Image und Positionierung bewertet.

Spielerkader

Durch die Erfolge wird der Spielerkader immer wertvoller. Die Transferpolitik, junge talentierte Spieler zu verpflichten und/oder zu entwickeln, generiert zudem erhebliche „stille Reserven” in den Spielerwerten. Der Verein nennt zum Beispiel Marian Sarr, Marvin Duksch, der ausgeliehen wurde, Jonas Hofmann, Erik Durm, Ilkay Gündogan, Sven Bender, Marco Reus, Neven Subotic oder Mats Hummels. Den Buchwert des Lizenzspielerkaders zum 30.06.2013 kalkulierte der Verein auf 28,4 Millionen Euro.

Finanziell hat sich der Club, der einst von der Pleite bedroht war, ohnehin weitgehend erholt: Auch wenn in der Bilanz noch Finanzverbindlichkeiten von 41,04 Millionen Euro ausgewiesen werden, ist Dortmund faktisch schuldenfrei. Der Großteil der bestehenden Verbindlichkeiten ist langfristig. Dem gegenüber stehen Vermögenswerte, mit denen die Schulden getilgt werden könnten. Dass der Club es nicht tut, lässt auf eine niedrige Verzinsung schließen. Kurz: Die wirtschaftliche Basis der Dortmunder ist erneut stabiler geworden.

So sehen es die Aktionäre, die nach Verkündigung der Zahlen für ein leichtes Kursplus sorgten, obwohl die Dividende bei zehn Cent unverändert bleiben soll. Und so sieht es auch BVB-Geschäftsführer Watzke: „Solange wir schwarze Zahlen schreiben, sind wir in der Lage in den nächsten Jahren ordentlich investieren zu können.“

Denn auch die Werbeeinnahmen entwickeln sich positiv. Der Vertrag mit Großsponsor Evonik wurde zuletzt vorzeitig bis 2025 verlängert – für ein Gesamtpaket von 250 Millionen Euro. Mit dem chinesischen Technikriesen Huawei haben die Dortmunder zudem einen neuen Premiumsponsor gewonnen. So legten die Werbeeinnahmen im abgelaufenen Geschäftsjahr leicht auf 73 Millionen Euro zu, im Vorjahr hatten die Dortmunder mit Werbung noch 69,3 Millionen verdient.

Kommentare (5)

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Frau Pia Paff

14.08.2014, 16:22 Uhr

Die Borussia ist betriebswirtschaftlich gesehen in Händen von Anfängern. Das derzeitige Geschäftsmodell respektive Geldanlagen entspricht keiner zeitgemäßen Unterhehmensführung.
Wenn es sportlich nicht 100% läuft wird zügig der wirtschaftliche Verfall eintreten ... wie schon einmal gehabt. Die Geschäftsleitung ist auf Kumpanei aufgebaut u. schmort im eigenen Saft.
Meine Wetten setzen auf massive Talfahrt der Aktie.

Herr Heinz Klein

14.08.2014, 16:41 Uhr

Nimmt man die bisherigen Fußball-Artikel von Herrn Bay zusammen, kann man ihm schon eine gewisse schwarz-gelbe Brille unterstellen. Und der darf jetzt positiv über das von ihm emotional unterstützte Unternehmen schreiben, warum ein Gewinneinbruch von 80 Prozent vollkommen egal ist? Das nennt man dann wohl Qualitätsjournalismus...

Herr Lukas Bay

14.08.2014, 16:53 Uhr

Sehr geehrter Herr Klein,

danke für Ihre Rückmeldung. An welcher Stelle sehen Sie eine "schwarz-gelbe Brille"? Es fällt schwer auf Kritik zu reagieren, wenn sie so unkonkret geäußert wird. Warum der Gewinneinbruch von 80 Prozent durch einen Sondereffekt verursacht wird und darum kaum zur Beurteilung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit taugt, lege ich im Artikel ja dar. Deshalb kommt im übrigen auch der im Artikel zitierte Analyst Marcus Silbe von der Investmentbank Close Brothers Seydler in seiner Beurteilung auch zu dem Ergebnis: "Die vorläufigen Eckzahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr des Fußballvereins sind sehr solide ausgefallen." Wenn Ihnen Informationen vorliegen, die Grundlage für eine andere Beurteilung sind, lassen Sie mich gerne an Ihrem Wissen teilhaben.

Beste Grüße

Lukas Bay

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