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26.05.2015

07:59 Uhr

Bilanz der Bundesliga

FC Bayern - der Dominator schadet der Liga

VonThomas Schmitt

Die Bundesliga-Saison war spannend bis zuletzt, aber nur am Tabellenende. Vorne herrschte schnell Langeweile. Die sportliche und wirtschaftliche Dominanz der Bayern ist auf Dauer schlecht für die Liga. Ein Kommentar.

Abwehrspieler Dante hält die Meisterschale in den Händen, die Mitspieler jubeln: Auch in der nächsten Saison führt wohl kein Weg am Rekordmeister vorbei. AFP

FC Bayern München

Abwehrspieler Dante hält die Meisterschale in den Händen, die Mitspieler jubeln: Auch in der nächsten Saison führt wohl kein Weg am Rekordmeister vorbei.

DüsseldorfFußball ist Teil des Showbusiness und deshalb ein Milliardengeschäft. Die 18 Vereine aus der 1. Bundesliga leisten sich rund 500 Spieler, die zusammen mehr als zwei Milliarden Euro wert sind. Rund 850 Millionen Euro im Jahr zahlen die Klubs an die Kicker, im Schnitt sind das etwa 1,7 Millionen Euro pro Spieler.

Solche Durchschnittwerte verschleiern allerdings die wahren wirtschaftlichen Verhältnisse in der Liga. Der FC Bayern München hat mit Abstand den wertvollsten Kader der Bundesliga und zahlt im Vergleich zur Konkurrenz gigantische Gehälter. Rund 160 Millionen Euro kosten die Profis dort, das ist doppelt so viel wie bei den großen Konkurrenten.

Bundesliga-Saison: Die sechs Topteams im Check

BAYERN MÜNCHEN – Anspruch

In Pep Guardiolas zweitem Jahr als Trainer war spannend, wie die Weltmeister die kurze Pause wegstecken. Der Double-Gewinn war ein ordentlicher Einstand des Spaniers. Nun sollte mindestens die Titelverteidigung – eher aber das Maximum – her, das Triple. (Quelle: dpa)

BAYERN MÜNCHEN – Wirklichkeit

Ziel verpasst! Den Meistertitel verteidigt, doch den Pokal unnötig hergeschenkt. Die Hinrunde war überzeugend, der Schlussspurt etwas schludrig. Auch wegen des klar verpassten Königsklasse-Finales sicher eine eher durchschnittliche Saison.

VFL WOLFSBURG – Anspruch

Nach Platz fünf wollte der VfL diesen Tabellenrang mindestens bestätigen. Die eingespielte Mannschaft, die punktuell verstärkt wurde, musste die Mehrbelastung Europa League verkraften.

VFL WOLFSBURG – Wirklichkeit

Ziel erreicht! Die Wölfe mauserten sich zum Bayern-Verfolger Nummer eins und qualifizierten sich locker für die Champions League. Außerdem steht der Vize-Meister im DFB-Pokalfinale.

BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH – Anspruch

Der jüngste Tabellenplatz sechs sollte bestätigt werden. Das sei „keine Selbstverständlichkeit“, meint Coach Lucien Favre. Mit ihrem auf vielen Positionen doppelt gut besetzten Kader zählte die Mannschaft aber auf jeden Fall zu den Europa-League-Anwärtern.

BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH – Wirklichkeit

Ziel erreicht! Am vorletzten Spieltag zog das beste Rückrunden-Team erstmals in die Champions League ein. Vier Jahre nach dem Beinahe-Abstieg aus der Bundesliga sind der Borussia damit mehr als 20 Millionen Euro sicher.

BAYER 04 LEVERKUSEN – Anspruch

Offizielles Ziel war es, attraktiv Fußball zu spielen. Damit sollte sich das Team um Neuzugang Hakan Calhanoglu und den aufstrebenden Keeper Bernd Leno bei seinen Möglichkeiten aber zumindest für das internationale Geschäft qualifizieren.

BAYER 04 LEVERKUSEN – Wirklichkeit

Ziel erreicht! Die Direkt-Qualifikation zur Champions League wurde zwar verpasst, doch die Königsklasse durch eine Qualifikation über die Playoffs ist immer noch drin. „Wir werden den vierten Platz vergolden“, verspricht Coach Roger Schmidt.

FC SCHALKE 04 – Anspruch

Auf Schalke ist die Champions League stets Anspruch. „Platz drei ist das Ziel, Platz vier wird akzeptiert“, so Aufsichtsratschef Clemens Tönnies. Nach der erfolgreichen Rückrunde 2013/14 sind die Ansprüche an den breiten Kader groß.

FC SCHALKE 04 – Wirklichkeit

Ziel verpasst! Das neu justierte Minimalziel Europa League hat Schalke noch gerettet, doch die Erwartungen im Umfeld sind nicht erfüllt worden. Ein Spektakel wie im Achtelfinale der Königsklasse gegen Real Madrid wird es 2015/16 nicht geben.

FC AUSBURG – Anspruch

Der Shootingstar der Vorsaison war im Sommer weg: André Hahn wechselte nach Gladbach. Ziel blieb trotz des nur knapp verpassten Europa-League-Platzes in der Vorsaison der Klassenerhalt.

FC AUGSBURG – Wirklichkeit

Ziel erreicht – und zwar mit Bravour! Der FCA hält nicht nur die Klasse, sondern spielt künftig sogar international.

Topspieler des FC Bayern München verdienen mehr als zehn Millionen Euro im Jahr – davon können fast alle Kicker in anderen Bundesliga-Klubs nur träumen. Ein Mario Götze hat solch ein Gehaltsniveau in Deutschland sogar schon mit Anfang 20 erreicht. Nach Berechnungen eines Magazins verdient der Jungstar gut 16 Millionen Euro im Jahr.

Im Grunde hat der Weltmeisterheld der Deutschen mit seinem aktuellen Vertrag also schon ausgesorgt, wenn er klug mit dem Geld umgeht. Warum also soll er sich noch bis zur letzten Sehne zerreißen, jedes Jahr noch ein Stück besser werden, um vielleicht irgendwann das Niveau eines Messi oder Ronaldo zu erreichen?

An Götze als Person und dem FC Bayern als Klub zeigt sich das Dilemma der Bundesliga. Es gibt nur eine Spitzenmannschaft, die mit horrenden Gehältern die besten Spieler der Liga anlockt. Das lähmt im Zweifel vielleicht die Entwicklung eines Spielers selbst, aber mit Sicherheit die Konkurrenz, die durch Abwanderung von Topleuten geschwächt wird.

FC Bayern München: Fakten für Fußball-Fans

Gründungsjahr

1900.

Heimatstadion

Allianz Arena, 2005 errichtet und für 30 Jahre an den Namen des Versicherungskonzerns gebunden.

Deutsche Meistertitel

26, zuletzt 2015/2016.

Pokalsiege

18 Siege, zuletzt 2015/2016 gegen Borussia Dortmund

Champions-League-Siege

5, zuletzt 2012/2013.

Wertvollste Spieler

Thomas Müller (75 Millionen Euro), Robert Lewandowski (75 Millionen Euro), Jérôme Boateng (45 Millionen Euro), Manuel Neuer (45 Millionen Euro), David Alaba (45 Millionen Euro)

Kader

Wert des Kaders für die Saison 2016/17: rund 580 Millionen Euro
Quelle: Transfermarkt.de, August 2016

Umsatz

Konzernumsatz

432,8 Millionen Euro (2012/13)

528,7 Millionen Euro (2013/14)

523 Millionen Euro (2014/15)

626,8 Millionen Euro (2015/16)

Reingewinn

Gewinn nach Steuern:
14 Millionen Euro (2012/13), Steuern: 131,9 Millionen Euro

16,5 Millionen Euro (2013/14), Steuern: 174,4 Millionen Euro

23,8 Millionen Euro (2014/15)

33 Millionen Euro (2015/16)

Betriebsgewinn

Gewinn vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern (Ebitda)

98,7 Millionen Euro (2013/14)

111,3 Millionen Euro (2014/15)

142,5 Millionen Euro (2015/16)

Eigenkapital

405 Millionen Euro (2013/14)

411 Millionen Euro (2014/15)

424,6 Millionen Euro (2015/16)

Die gerade zu Ende gegangene Spielzeit belegt das Muster: Zum zweiten Mal in Folge werden die Bayern früh Meister. Kein anderer Verein kommt auch nur annähernd an die Münchener heran – sportlich wie wirtschaftlich. Der FC Bayern spielt in einer eigenen Liga. Deshalb herrschte erneut früh Langeweile an der Spitze. Und das schadet der Bundesliga.

Kommentare (2)

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Herr Tom Schmidt

26.05.2015, 10:25 Uhr

Sorry, der Kommentar ist reiner Unsinn! Wenn man ihn liest könnte man meinen, die Bundesliga verliert gerade die Zuschauer wegen der Bayern-Dominanz! Und Bayern hätte alle anderen Gegner in Grund und Boden gespielt... vielleicht sollte man sich die Punktebilanz von Bayern gegen andere Spitzenteams nochmal ansehen... aber vielleicht ging es dem Kommentator nicht um Fakten?

Bayern war die konstanteste Mannschaft, die Meisterschaft wurde gegen die kleineren Teams gewonnen, da hätten andere Spitzenmannschaften eigentlich auch das Potential.

Zugegeben, es wäre schön noch zwei Mannschaften in Deutschland zu haben, die das Potential haben die CL zu gewinnen. Deswegen schadet aber Bayern niemanden, im Gegenteil, der Spielstil bringt die Liga weiter und es gibt ein paar Clubs die in ein paar Jahren wesentlich weiter sein werden als heute.

Zudem ist dieser Blödsinn, dass Geld der entscheidende Faktor ist, echt nur ein Voruteil. Klar TSV Ampfing kann man nicht Bundesliga spielen. Aber: Mangelt es dem HSV etwa am Geld? Und Ingolstadt ist aufgestiegen, RB Leizig nicht. Stuttgart hat den Abstieg gerade vermieden... alles ganz arme Vereine!!! Wenn man die gesamte Liga ansieht, ist die These Geld gleich Erfolg eher widerlegt als bestätigt!

Herr Herbert Wolkenspalter

26.05.2015, 14:48 Uhr

Die Analyse des Artikels reicht weit, leider nicht das an den Beginn gestellte Fazit, das sich auf die Bundesliga beschränkt: die Bayern seien als Überfleiger in der Bundesliga zu gut und damit für die Liga schädlich. Fußball ist längst (auch) europäisch. Die Bayern gewinnen trotz ihres Einkaufskannibalismus nicht die Championsligue, sind also europäisch nicht unangefochtene Spitze. Die Bayern können nun aber nicht für die Bundesliga so schlecht sein, wie sie sein sollen und gleichzeitig europäische Pokale holen. Das Fazit müsste lauten: nicht die Bayern tun zu viel sondern die Bundesligisten ab Platz 2 tun zu wenig, um sowohl in der Liga als auch im europäischen Vergleich Spitze werden zu können.

Natürlich ist Geld nur ein (=1) Faktor und nicht allein entscheidend. Dies aber ist Sache der Fußball- und Vereinskultur in einem Land – wir sind nun mal nicht England oder Spanien – wo man keinem Verein einen Vorwurf machen kann, wenn er seine Sache (zu?) gut löst.

Oder anders gesagt: keine Liga wird besser, wenn man das Beste köpft.

Apropos Effizienz: Die Bayern klotzen allenfalls im Verhältnis zur Liga – im europäischen Vergleich gibt es andere Kaliber. Die Bayern haben keinen Ronaldo und keinen Messi. Aber mancher Spieler erreichte bei den Bayern erst seine größte Blüte....

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