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30.05.2015

14:54 Uhr

Blatter nach der Fifa-Wahl

„Ich bin der, der die Probleme löst“

VonHolger Alich

Bei seiner ersten Fifa-Pressekonferenz nach der umstrittenen Wiederwahl von Sepp Blatter ging es um alles - nur nicht um Fußball. Die Fragewelle zu Korruption konterte Blatter wie gewohnt - mit einem Gegenangriff.

Sepp Blatter bleibt nach seiner Wiederwahl ganz ruhig. AFP

Sepp Blatter

Sepp Blatter bleibt nach seiner Wiederwahl ganz ruhig.

ZürichWas für ein Unterschied: Den 65. Fifa-Kongress in Zürich, der seine Wiederwahl mit 133 von 206 gültigen Stimmen beschloss, leitete Sepp Blatter wie ein routinierter Conferencier: sprachgewandt und charmant. Nach seiner ungefährdeten Wiederwahl strahlte der 79-jährige wie ein glückliches Kind: „Let's go, Fifa!“, rief er mit geballter Faust den Delegierten zu.

Ein ganz anderes Bild zeigte Blatter auf seiner ersten Pressekonferenz am Samstag nach der Wiederwahl in der Fifa-Zentrale: Die Mundwinkel nach unten gezogen, die Armevor der Brust verschränkt. Grimmig blickte Blatter in die vollbesetzten Reihen im großen Presse-Saal. Denn was ihm da alles an Fragen entgegen geschleudert wurde, gefiel ihm überhaupt nicht.

Die festgenommenen Fifa-Funktionäre

Jeffrey Webb (Cayman Inseln)

Fifa-Vizepräsident Jeffrey Webb (51) gehört laut Medienberichten zu den sechs in Zürich festgenommenen Fußball-Funktionären. Webb ist ein ganz enger Vertrauter des Schweizer Fifa-Chefs Blatter. Webb führt auch den Concacaf-Verband.

Eugenio Figueredo (Uruguay)

Auch das Exekutivmitglied Eugenio Figueredo (83) befindet sich in Auslieferungshaft.

José Maria Marin (Brasilien)

Auch der brasilianische Verbandschef José Maria Marin (83) wurde festgesetzt. Er organisierte die Weltmeisterschaft 2014 maßgeblich mit.

Eduardo Li (Costa Rica)

Der Chef des costa-ricanischen Verbands Eduardo Li wird ebenfalls Korruption, organisierte Kriminalität, Überweisungsbetrug und Geldwäsche vorgeworfen.

Jack Warner (Trinidad und Tobago)

Jack Warner (72) aus der Karibik hat sich gestellt und wurde gegen eine Kaution frei gelassen. Der ehemalige Fifa-Vize-Präsident musste sich bereits 2011 einer Untersuchung wegen Wahlfälschung gekauften Stimmens stellen.

Rafael Esquivel (Venezuela)

Rafael Esquivel (68) ist Mitgliedes des Disziplinarischen Komitees der Fifa. Trotzdem muss er sich nun gegen Korruptionsvorwürfe wehren.

Nicolas Leoz (Paraguay)

Nicolás Leoz (86) wurde auf dem Fifa-Kongress von 2011 bis 2015 im Amt bestätigt, trat aber am 23. April 2013 von seinem Amt zurück. Von 1998 bis zu seinem Rücktritt war er auch Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees. 2002 wurde er mit dem Fifa-Verdienstorden ausgezeichnet.

José Margulies (Brasilien)

Jose Margulies (75) ist auch unter dem Namen Jose Lazaro bekannt.

Julio Rocha (Nicaragua)

Julio Rocha ist 64 Jahre alt, stammt aus Nicaragua und ist ebenfalls angeklagt.

„Herr Blatter, die US-Justiz hat ein Korruptionssystem aufgedeckt, dass Jahrzehnte zurück reicht. Warum übernehmen Sie dafür keine Verantwortung, warum sind Sie noch da?“, wollte gleich zu Beginn ein britischer TV-Journalist wissen.

„Es ist einfach“, schnaubte Blatter sichtbar beleidigt zurück, „Sie haben das Ergebnis auf dem Kongress gesehen. Ich bin also immer noch der Mann, der diese Probleme lösen wird.“

Zu den beiden laufenden Untersuchungen – sowohl die US-Justiz als auch die Schweizer Bundesanwaltschaft ermitteln wegen Korruptionsverdacht – wollte er nichts weiter sagen. „Das betrifft die Fifa nicht direkt“, behauptete er gar.

Die US-Steuerbehörden haben dagegen in einem Zeitungsinterview angekündigt, dass es weitere Verhaftungen im Zuge der Fifa-Ermittlungen geben wird. Ob er Angst hätte, dass er auch verhaftet wird? „Verhaftet? Wofür denn?“, entgegnete Blatter schnippisch.

Derzeit sitzen bereits sieben hochrangige Fifa-Funktionäre in Zürich in Auslieferungshaft. Doch die Verantwortung dafür, dass inklusive Fifa-Vizepräsidenten wie Jeffrey Webb – zig Fußball-Funktionäre im Visier der Ermittler stehen, dass sei nicht die Verantwortung der Fifa. „Die Mitglieder im Exekutiv-Komitee werden nicht vom Kongress gewählt, sondern von den Konföderationen“, so Blatter.

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