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21.12.2015

14:18 Uhr

Blatter nach Fifa-Sperre

„Ich werde kämpfen – für mich, für die Fifa“

Dieses Urteil beendet zwei Karrieren: Fifa-Chef Blatter und Uefa-Präsident Platini sind von den Ethikhütern der Fifa für acht Jahre gesperrt worden. Blatter sieht sich als „Punchingball“ – und geht gegen das Urteil vor.

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Der Umgang mit Blatter ist beschämend!

Handelsblatt in 99 Sekunden: Der Umgang mit Blatter ist beschämend!

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ZürichDie Tage von Fifa-Präsident Joseph S. Blatter (79) und Uefa-Boss Michel Platini (60) im Weltfußball sind endgültig gezählt. Die Ethikkommission des Weltverbandes verhängte am Montagmorgen jeweils acht Jahre Sperre gegen die beiden zuvor bereits provisorisch suspendierten Funktionäre. Platini kann eine Präsidentschaft bei der Fifa somit abhaken.

Zum Verhängnis wurde beiden die dubiose Zahlung von 1,8 Millionen Euro, die Platini im Jahr 2011 von Blatter angeblich für lange zurückliegende Beratertätigkeiten erhalten hatte. Die Ermittler vermuten Schmiergeld für Blatters Sieg bei der Präsidentschaftswahl im Sommer des gleichen Jahres. Beide Funktionäre hatten immer wieder die Rechtmäßigkeit der Zahlung beteuert. Nach ihrer Darstellung handelt es sich um eine verspätete Honorarzahlung für Platinis Dienste aus den Jahren 1998 bis 2002.

Fifa-Urteil: Gnade für Blatter!

Fifa-Urteil

Gnade für Blatter!

Die Ethikhüter der Fifa haben die Ära Blatter beendet. „Richtig so!“ heißt es vielerorts. Dabei hat auch der gesperrte Fifa-Präsident eine faire Beurteilung verdient. Die Welt verweigert sie ihm jedoch. Ein Kommentar.

Unmittelbar nach dem Urteil kündigte Blatter einen Einspruch gegen die Sperre an. Er will vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS ziehen und Schritte vor einem ordentlichen Schweizer Gericht ein. Er sei ein „Punchingball“, klagte er. Und weiter: „Ich werde kämpfen, für mich, für die Fifa.“ Dieser Deal, der nun die Sperre nach sich zieht, sei nach Schweizer Recht völlig sauber gewesen, beteuerte Blatter. Auch ein Einspruch bei zivilen Schweizer Gerichten sei nun möglich, erklärte er nach Beratung mit seinen Anwälten. Das Urteil der Fifa-Ethikhüter sei „eine Schande“.

Der 79-Jährige betonte, er gehe weiter fest davon aus, am 26. Februar den außerordentlichen Kongress zur Wahl seines Nachfolgers zu leiten. Auch Platini, der für das Amt des FIFA-Präsidenten kandidieren will, werde dann dabei sein. Die Ethikkommission habe nicht das Recht, den gewählten Fifa-Chef aus dem Fußball zu verbannen, erklärte Blatter. „Zu sagen, dies wäre ein guter Tag für die Fifa, ein guter Tag für den Fußball, wäre völlig falsch“, sagte Blatter.

Fifa: Skandale unter Blatter

Präsidentschaftswahl 1998

Der damalige FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter gewinnt die Präsidentschaftswahl gegen UEFA-Präsident Lennart Johansson kurz vor WM-Beginn in Frankreich. Bis heute stehen Vorwürfe über angebliche Zahlungen von je 50.000 Dollar an afrikanische Delegierte in einem Pariser Hotel im Raum, die Blatter beharrlich zurückweist.

ISL-Skandal (1)

Blatters Präsidentschafts-Vorgänger Joao Havelange und dessen ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixera kassierten Millionen Schmiergeld für WM-Marketing-Deals mit dem später Pleite gegangenen Vermarkter ISL.

ISL-Skandal (2)

Blatter wurde von allen Verdächtigungen freigesprochen, obwohl er 1997 als Generalsekretär eine Zahlung an Havelange von 1,5 Millionen Schweizer Franken persönlich zurücküberwiesen und somit offenbar zumindest Kenntnis vom System hatte.

WM-Vergabe 2018 und 2022 (1)

Schon vor der Doppel-Vergabe an Russland und Katar wurden zwei FIFA-Exekutivmitglieder wegen nachgewiesener Bestechlichkeit suspendiert. Die Vorwürfe gegen die beiden künftigen Gastgeber wurden schließlich aufwändig von der FIFA untersucht, aber von den Ethikhütern ohne maßgebliche Ergebnisse eingestellt.

WM-Vergabe (2)

Der Generalverdacht wurde aber nie entkräftet. Vom damaligen Exekutivkomitee sind künftig wohl nur noch acht von damals 22 Mitgliedern in dem mächtigen Gremium.

Präsidentschaftswahl 2011 (1)

Lange schien es, als könne der Katarer Mohamed bin Hammam Blatter bei der Wahl 2011 tatsächlich gefährlich werden. Dann stolperte der Funktionär kurz vor der Abstimmung über konkrete Bestechungsvorwürfe aus der Karibik. Die 35 Stimmen aus der CONCACAF-Zone galten als entscheidend.

Präsidentschaftswahl 2011 (2)

Blatter hatte den Verbänden eine Million Dollar als offizielle FIFA-Zuwendung versprochen. Bin Hammam versuchte es inoffiziell mit 40.000 Dollar pro Verband – und flog auf, weil ihn andere mittlerweile der Korruption überführte Funktionäre anschwärzten.

WM-Tickets (1)

Der Umgang mit von Millionen Fans begehrten WM-Tickets im Exekutivkomitee war schon häufig lax. Jack Warner trieb es 2006 auf die Spitze, als er die Vermarktung in seinem für das Turnier in Deutschland qualifizierten Heimatland Trinidad und Tobago übernahm. Sein Familienunternehmen strich angeblich 900 000 Dollar Provisionen ein.

WM-Tickets (2)

Die FIFA-Untersuchungen konnte keine Verdachtsmomente gegen Warner, sondern nur gegen dessen Sohn ergeben. Warner senior kam mit einer Verwarnung davon. Warners Exko-Kollege Ismail Bhamjee aus Botswana wurde 2006 überführt, zwölf WM-Karten auf dem Schwarzmarkt verkauft zu haben.

WM-Tickets (3)

2014 in Brasilien gab es Berichte über vermutlich illegal veräußerte WM-Karten aus dem Besitz des mittlerweile verstorbenen argentinischen Topfunktionärs Julio Grondona.

Sperre

2015: Am 21. Dezember spricht die rechtsprechende Kammer ihr finales Urteil: Blatter und Platini werden für jeweils acht Jahre gesperrt. Zum Verhängnis wurden ihnen die dubiose Zahlung von 1,8 Millionen Euro, die Platini im Jahr 2011 von Blatter (79) angeblich für lange zurückliegende Beratertätigkeiten (von 1998 bis 2002) erhalten hatte.

Die Affäre ist Teil eines großen Korruptionsskandals im Weltfußballverband. Blatter hatte sich nach umfangreichen Ermittlungen widerwillig bereit erklärt, sein Amt als Fifa-Präsident abzugeben und im Februar einen Nachfolger wählen zu lassen. Bis zuletzt hatte Blatter auf Milde der Ethikhüter vertraut. Angesichts seiner Konstitution und seines Alters kommt die mehrjährige Sperre einem endgültigen Zwangsabschied von der Fußball-Bühne gleich.

Für seinen einstigen Zögling Platini lässt die Sperre den Karriereplan vom Aufstieg auf Blatters Thron platzen. Der Franzose hatte sich um das Fifa-Spitzenamt beworben, besteht wegen der Verurteilung aber den notwendigen Integritätscheck nicht. Seine Anwälte hatten deshalb bei der entscheidenden Anhörung am vergangenen Freitag einen Freispruch gefordert. Wie Blatter hatte auch der Chef der Europäischen Fußball-Union angekündigt, gegen eine weitere Sperre vorgehen zu wollen.

Kommentare (10)

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Herr Norbert Bluecher

21.12.2015, 11:06 Uhr

Es fehlt noch die "Lichtgestalt des deutschen Fußballs" auf der Liste der Verbannten.

Account gelöscht!

21.12.2015, 15:52 Uhr

Blatter ist ein guter Mann, hat Putin gesagt und der ist ehrlich.

chris sänger

21.12.2015, 16:10 Uhr

den Artikel "steigende Krankenkassenbeiträge" kann man nicht kommentieren? Interessant. Hauptsache zur Welkblume Blattner kann was kommentiert werden. Ich glaube ich verpiesel mich hier beim Handelsblatt. irgendwie nicht mehr mein Ding...

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