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08.06.2015

20:24 Uhr

Blatter-Nachfolge

DOSB-Chef traut Niersbach Fifa-Chefposten zu

Wolfgang Niersbach als FIFA-Präsident? Deutschlands Sportschef Alfons Hörmann beantwortet das „mit einem Ja und einem Ausrufezeichen“. Die Affären geplagte FIFA sollte sich ein gutes Beispiel an der olympischen Familie nehmen

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach könnte Sepp Blatter bei der Fifa beerben. dpa

Wolfgang Niersbach

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach könnte Sepp Blatter bei der Fifa beerben.

BerlinWolfgang Niersbach wäre nach Ansicht des Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, ein geeigneter Präsident des Weltfußballverbands FIFA. „Ob er das könnte und die Fähigkeiten dazu hat, diese Frage kann man klar und messerscharf mit einem Ja und einem Ausrufezeichen versehen“, sagte Hörmann am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Der von Skandalen gebeutelten FIFA empfahl er, sich „ein gutes Beispiel“ am Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zu nehmen. „Am IOC kann man wunderschön erkennen, wie man die Themen regeln kann [...], um wieder Glaubwürdigkeit zu erlangen.“

Mit einem umfassenden Reformpaket will das IOC künftig Bewerbungskosten für Olympische Spiele senken und die Transparenz erhöhen. „Alles, was mit den Regeln der Transparenz zu tun hat, wird nach meinem Verständnis im IOC-Bereich mustergültig gelebt“, sagte Hörmann. „Aber solche Dinge kann man nicht als Blaupause lösen, sondern müsste mit einem schlagkräftigen den eigenen Weg gehen.“

Wer folgt auf Blatter?

Kandidaten

Die Liste der möglichen Kandidaten für die Nachfolge von Joseph Blatter ist lang und vielfältig. Einen wirklichen Neuanfang würden jedoch nur wenige bedeuten.
Quelle: dpa

Kongress

Der Wahlkongress soll voraussichtlich zwischen Dezember diesen Jahres und März 2016 stattfinden. Schon am Dienstagabend äußerten sich die ersten potenziellen Kandidaten.

Der Uefa-Chef

Eine Kampfkandidatur gegen Blatter hatte Michel PLATINI (59) als Präsident der Europäischen Fußball-Union stets tunlichst vermieden. Ambitionen auf das höchste Funktionärsamt verhehlte der Franzose hingegen ebenso wenig. Viele Jahre lang hat er Blatter unterstützt.

Blatter-Gegner I

Der gegen Blatter unterlegene Prinz Ali BIN AL-HUSSEIN aus Jordanien und der Niederländer Michael VAN PRAAG erklärten schon am Dienstagabend, dass sie sich eine Kandidatur offenhalten.

Blatter-Gegner II

Luis FIGO, der wie van Praag vor der Wahl zugunsten al-Husseins zurückgezogen hatte, forderte eine „gemeinsame weltweite Lösung“. Aus dem Trio besäße al-Hussein wohl die größten Chancen - pikant würde die Situation, wenn sowohl der aus Europa unterstützte Jordanier wie auch Platini antreten sollten.

Blatter-Gegner III

Der frühere Profi David GINOLA, der schon vor der vergangenen Wahl die notwendigen fünf Unterstützerländer nicht aufbringen konnte, will es erneut versuchen.

Blatters Stellvertreter

Wäre der Schweizer sofort zurückgetreten, hätte Issa HAYATOU als längster sich im Amt befindender Vizepräsident die Geschäfte übernommen; alles andere als ein Neuanfang.

... unter Verdacht

Der 68-Jährige aus Kamerun sitzt seit 1990 in der FIFA-Exekutive und stand schon mehrfach unter Korruptionsverdacht, den er stets zurückwies. 2011 kam er mit einer Rüge des Internationalen Olympischen Komitees für den Erhalt von 20.000 US-Dollar vom früheren Marketingpartner ISL davon.

Ein Strippenzieher

Erst beim Kongress am vergangenen Freitag wurde Ahmad al Fahad AL SABAH ins FIFA-Exko gewählt. Und doch war der Kuwaiti schon mittendrin.

... und Platini

Am Vorabend der Wahl zeigten Fotos den höchst einflussreichen Sportfunktionär an der Seite von Platini, al Sabah weiß wie man Mehrheiten beschafft. Schon Thomas Bach profitierte bei der Wahl zum IOC-Präsidenten von seinen Diensten.

Der Kaiser

Seine Popularität nutzte Franz BECKENBAUER bereits, um die WM 2006 nach Deutschland zu holen - auf ihn als Präsidenten könnte sich die Fußball-Welt sicher einigen. Als Exko-Mitglied war er allerdings bei der skandalumwitterten WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 im Dezember 2010 beteiligt und sieht sich noch mit Ermittlungen der FIFA-Ethikkommission konfrontiert.

Die Fußball-Legende

Der ehemalige brasilianische Fußball-Star ZICO hat eine Kandidatur für das freiwerdende Amt des FIFA-Präsidenten nicht ausgeschlossen. Der 62-Jährige schrieb nach dem angekündigten Rücktritt von FIFA-Chef Blatter auf seiner Facebook-Seite: „Warum nicht? In meinem Leben ist es immer um Fußball gegangen.“

Vieles stehe und falle sicher mit der Frage, wer der Nachfolger von FIFA-Chef Joseph Blatter werde. Er habe keinerlei Zweifel, dass Niersbach als Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) alle Voraussetzungen mitbringe. „Ob er es denn auch tun sollte und tun will, das kann nur einer entscheiden, nämlich der Betroffene selbst“, sagte Hörmann. „Da möchte und werde ich keine Ratschläge geben.“

Auf die Frage, ob er sich das Präsidentenamt vorstellen könne, hatte Niersbach jüngst geantwortet, dass seine Priorität der deutsche Fußball sei. „Da brauche ich die Position nicht zu ändern.“ Blatter hatte vor mehr als einer Woche seinen Rücktritt von Chefposten der FIFA angekündigt. Der Weltverband befindet sich in einer akuten Krise, gegen zahlreiche Funktionäre wird wegen Korruptionsvorwürfen ermittelt. Bis zu seinem Rücktritt, der auf einem außerordentlichen Kongress in einigen Monaten erfolgen soll, will Blatter noch Reformen auf den Weg bringen.

„Ich bin in dem Punkt gespannt, wie eine Neuaufstellung erfolgen soll, weil sie ja nur mit einer mehrheitlichen Zustimmung der Mitglieder erfolgen kann“, sagte Hörmann. „Wenn du einmal in diesem System gefangen bist, brutal formuliert, dann kommst du da nicht mehr raus.“

IOC-Präsident Thomas Bach sagt dem Weltfußball-Verband FIFA ebenfalls einen langwierigen Prozess voraus: „Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass es schmerzhaft ist, alles auf den Tisch zu legen, aber es ist absolut notwendig“, sagte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees am Montag in Lausanne.

„Wir können die FIFA nur ermutigen, den Weg der Reformen, der offensichtlich schon initiiert worden ist, weiter zu gehen“, sagte Bach. „Wir begrüßen die Bereitschaft für substanzielle Reformen. Es steht dem IOC aber nicht an, Ratschläge über die Medien zu geben.“

Von

dpa

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