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28.09.2015

11:08 Uhr

Blatter-Nachfolge

Platini – ein Kandidat mit Ballast

VonHolger Alich

UEFA-Präsident Michel Platini möchte Sepp Blatter als FIFA-Chef beerben. Doch die laufenden Ermittlungen, die auch seine Person betreffen, sind eine schwere Hypothek für seine Bewerbung.

Der Uefa-Präsident spielt die Zahlung Blatters herunter. AFP

Michel Platini

Der Uefa-Präsident spielt die Zahlung Blatters herunter.

ZürichEs gibt gute Chancen, das die Schweizer Bundesanwaltschaft das Rennen um die Nachfolger von Sepp Blatter an der FIFA-Spitze über den Haufen wirft. Denn der bisher aussichtsreichste Kandidat, UEFA-Chef Michel Platini, ist nunmehr in das Visier der Schweizer Justiz geraten.

Denn laut der Schweizer Bundesanwaltschaft hat Platini im Februar 2011 von Blatter eine „treuwidrige Zahlung“ von zwei Millionen Franken erhalten, für „angeblich für die zwischen Januar 1999 und Juni 2002 geleisteten Dienste.“

Im Klartext: Blatter hat zwei Millionen Franken an Platini überwiesen für Dienste, von denen die Bundesanwaltschaft zweifelt, dass es sie je gegeben hat. Wofür das Geld wirklich gezahlt worden ist, dazu gab es zunächst keine Angaben – die Bundesanwaltschaft wollte auf Nachfrage keine weiteren Kommentare abgeben. Offenbar aber vermuten die Ermittler, dass die Zahlung nicht sauber war.

Michel Platini im Kurzporträt

Alter

Michel Platini ist 60n Jahre alt. Der Franzose wurde am 21. Juni 1955 in Joeuf geboren.

Karriere als Spieler

1973 schaffte er den Durchbruch im französischen Profifußball beim AS Nancy-Lorraine, für den er bis 1979 spielte. Im selben Jahr wechselte er zum AS Saint Etienne, dem er bis 1982 die Treue hielt. Danach zog es ihn ins Ausland nach Juventus Turin, wo er 1987 die Fußballschuhe an den Nagel hing. In dieser Zeit spielte er 72 Mal für die französische Nationalelf und erzielte 41 Tore.

Erfolge als Spieler (national)

Mit Frankreich wurde er 1984 Europameister. Bei der WM 1986 reicht es allerdings nur zum dritten Platz. Außerdem wurde er drei Mal in Folge Europas Fußballer des Jahres 1983 bis 1985.

Erfolge als Spieler (Verein)

Platini wurde 1978 französischer Pokalsieger und Französischer Meister 1981. In Italien erlebte er seine erfolgreichste Zeit im Verein. Mit Juve wurde er italienischer Meister 1984 und gewann der italienischen Pokal 1983. Außerdem landete er auf europäischer Ebene Erfolge: Platini darf sich Europapokalsieger der Landesmeister 1985 und Europapokalsieger der Pokalsieger 1984 nennen. 1985gewann er außerdem den Weltpokal.

Karriere als Trainer

Von 1988 bis 1992 trainierte Platini die französische Nationalmannschaft – allerdings mit mäßigem Erfolg.

Karriere als Fußballfunktionär

Nach seiner kurzen Trainerkarriere konzentrierte sich Platini auf die Funktionärstätigkeit: Von 1992 bis 1998 leitete er als Co-Präsident das Organisationskomitee der Fußballweltmeisterschaft 1998 in Frankreich. Seit 2002 ist er Mitglied Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union Uefa. 2007 wurde er dann zu ihrem Präsidenten gewählt und bekleidet das Amt bis heute.

Platini selbst spielt den Vorgang herunter. „Mit Blick auf die an mich gerichtete Zahlung möchte ich festhalten, dass dieses Geld in Verbindung steht mit Arbeiten, die ich für die FIFA im Rahmen eines Vertragsverhältnisses geleistet habe“, ließ der Franzose am Abend mitteilen.

Damals habe Platini für Blatter als Berater in Fußballfragen gearbeitet. Allerdings ließ der Franzose in seiner Replik die Frage offen, warum Blatter Platini für seine Beraterdienste fast zehn Jahre nach Ende des Mandats noch zwei Millionen Franken überweist.

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Statt diese Frage zu klären, lässt Platini erklären: „Ich war erfreut, dass ich alle Fragen hierzu mit den Behörden habe klären können.“ Da er zudem in der Schweiz wohne, stünde er „jederzeit“ für weitere Fragen zur Verfügung. Sprich, aus Platinis Sicht scheint die Sache damit so gut wie erledigt.

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