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19.11.2014

18:27 Uhr

Blatter und die Korruptionsvorwürfe

Neun Fragen zum Fifa-Skandal

VonStefan Kaufmann

Ethikhüter, die sich uneins sind. Zeugen, die sich verraten fühlen. Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft prüft. Zeit, dass auch Fifa-Boss Sepp Blatter im Skandal um die WM-Vergabe mitmischt. Neun Fragen, neun Antworten.

Fifa-Präsident Joseph Blatter hat sich an die Staatsanwaltschaft gewandt. dpa

Fifa-Präsident Joseph Blatter hat sich an die Staatsanwaltschaft gewandt.

DüsseldorfAls der Sturm über den Fußball-Weltverband Fifa hereinbrach, schwieg der Boss. Joseph Blatter brauchte eine Woche um auf das hausgemachte Kommunikationsdesaster zu reagieren. Nun hat er Strafanzeige erstattet. Dabei geht es um Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe von Weltmeisterschaften und die Untersuchungen der Fifa-Ethikkommission. Das sind die wichtigsten Fragen zum aktuellen Fifa-Skandal.

Worüber streitet die Fußballwelt?
Konkret geht es um die Untersuchungsergebnisse der hauseigenen Ethikkommission, die eingesetzt wurde, um eine Frage zu beantworten: Stimmen die Korruptionsvorwürfe rund um die Vergaben der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland und Katar? Das Problem: Die beiden Vorsitzenden – der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert und der US-amerikanische Ermittler Michael Garcia – kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Eckert hatte den Garcia-Bericht ausgewertet und war zu dem Schluss gekommen: Korruption sei bei den WM-Vergaben nicht im Spiel gewesen. Eine neue Vergabe müsse nicht in Betracht gezogen werden. Garcia widerspricht diesem milden Urteil. Er kündigte wegen „zahlreicher unvollständiger und fehlerhafter Darstellungen der Tatsachen und Schlussfolgerungen“ Berufung gegen den Bericht an.

Wieso kann ein und derselbe Bericht derart unterschiedlich interpretiert werden?
Darüber sprechen Eckert und Garcia sicherlich, wenn sie an diesem Donnerstag in der Fifa-Zentrale in Zürich aufeinandertreffen. Es lässt sich mutmaßen, dass bei der Bewertung der deutsche Richter rein die juristische Verfolgbarkeit im Blick hatte, während in Garcia noch das Herz des früheren Mafia-Jägers schlägt. Sprich: Ihm könnte korruptes Verhalten und Vetternwirtschaft übel aufstoßen, obwohl dieses juristisch nicht anfechtbar ist. Beispielsweise die Vergabe von Aufträgen in Länder, deren Unterstützung noch unsicher war.

Joseph Blatter

Blatter als Fußballer

Blatter war selbst von 1948 bis 1971 aktiver Fußballer und schaffte es bis in die oberste Schweizer Amateurliga.

Karriere vor der Fifa

Joseph Blatter studierte an der Rechtsfakultät der Universität Lausanne und schloss sein Studium mit dem Lizentiat der Handels- und Volkswirtschaftswissenschaften ab. Er begann er seine Karriere als Journalist und PR-Fachmann im sportlichen und privatwirtschaftlichen Sektor. Kontakte zur internationalen Sportszene knüpfte Blatter als Direktor für PR und Sport der Longines S.A., die an der Organisation der Olympischen Spiele 1972 und 1976 beteiligt war.

Mitgliedschaft im Exekutivkomitee

Schon seit 1981 gehört Blatter zum Exekutivkomitee des Fussball-Weltverbandes und war somit an insgesamt fünf Weltmeisterschaften beteiligt. Einen Namen machte sich Blatter zusammen mit dem damaligen Präsidenten Havelanges bei den Verhandlungen für Fernseh- und Marketingverträge zur kommerziellen Verwertung der Fussball-Weltmeisterschaften bis 2006.

Präsidentschaft

1998 wurde Blatter zum achten Präsidenten der Fifa gewählt. Seit 1999 ist er auch Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOK). Im Laufe seiner Amtszeit setzte Blatter viele Projekte um, die sein Vorgänger João Havelanges initiiert hatte. Dazu gehören die Wettbewerbs- und Ausbildungsprogramme der Fifa, die Weltmeisterschaften in den Alterskategorien U-20 und U-17 sowie im Frauen- und Hallenfußball. Blatter wurde 2002 für eine zweite Amtsperiode gewählt und 2007 erneut für eine weitere Amtszeit bestätigt.

Soziales Engagement

Joseph Blatter engagiert sich seit langem für verschiedene humanitäre Projekte und untermauert dadurch seine Überzeugung, dass Fußball eine gesellschaftliche Verantwortung trägt. Er begann 1994 eine Partnerschaft mit den SOS Kinderdörfern, die die Fifa finanziell und materiell unterstützt. Seit 1998 führt Blatter auch immer wieder Kampagnen mit UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, durch.

Seine Fußballphilosophie

„Fußball für alle, alle für den Fußball“ - Neben der gesellschaftlichen Verantwortung liegt Blatter das Fairplay am Herzen. Fußball ist für ihn eine Möglichkeit für eine bessere Völkerverständigung. Er setzt zudem darauf, sämtliche Akteure des Fußballs über ein modernes Kommunikationsnetz zu verknüpfen und mit Politik und Wirtschaft in Kontakt zu treten. In erster Linie aber bedeutet der Fußball für Blatter natürlich Leidenschaft und Emotionen.

Warum wird nicht einfach der komplette Untersuchungsbericht veröffentlicht?
Das geht aus moralischen und rechtlichen Gründen nicht, sagt die Fifa. Eine Veröffentlichung sei zum Schutz der Interviewten unmöglich. Schließlich hat Garcia für seinen Untersuchungsbericht zahlreiche Zeugen befragt. Juristen stützen die Sicht des Fifa-Präsidenten. „Im Vereinsrecht gilt der Treue- und Loyalitätsgrundsatz. Dazu zählt, dass interne Streitigkeiten auch intern behandelt werden“, sagt der Karlsruher Sportjurist Markus H. Schneider dem Handelsblatt. „Deshalb halte ich die verbandsrechtlichen Bedenken, mit denen die Fifa eine Veröffentlichung des Garcia-Berichts ablehnt, für nachvollziehbar.“

Kommentare (1)

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Herr Peter Krauss

19.11.2014, 20:52 Uhr

Das glaube ich jetzt einfach nicht

Dieser Haufen raffzähne bekommt auch noch zusätzliche Vergünstigungen weil die FIFA gemeinnützig ist ?

Für welche Gemeinschaft war die denn schonmal nützlich ?
Kann ja sein das FIFA Bonzen gemein sind, aber ich glaube nicht, das das gilt.

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