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20.01.2008

09:00 Uhr

Boomendes Geschäft

Kapitalflut für den Sport

VonUdo Rettberg

Der Sport ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Dies gilt insbesondere für den Fußball, die beliebteste Sportart in der Welt. Schon lange geht es dabei nicht nur um sportliche Belange; denn Fußball ist ein boomendes Milliardengeschäft. Und für die Klubs bieten sich zahlreiche Finanzierungsalternativen.

FRANKFURT. Der Sport ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Das Wachstum der populärsten Freizeitbeschäftigung, die die Massen begeistert, wird sowohl durch das Geld superreicher Industrieller als auch über die Kapitalmärkte in Form von Anleihen, Aktien, Genussscheinen und anderen Instrumenten finanziert. Dies gilt primär für den Fußball, die beliebteste Sportart in der Welt. Schon lange geht es dabei nicht nur um sportliche Belange; denn Fußball ist ein boomendes Milliardengeschäft.

Per saldo hat sich die wirtschaftliche Lage des Fußballs verbessert, sagen die Experten von Ernst & Young. Dies gilt vor allem für Großbritannien, wo Klubs Milliardenbeträge entweder durch den Börsengang oder aber durch Fußball-begeisterte Großfinanziers zuflossen. Auch im deutschen Profifußball hat sich das einst düstere finanzielle Bild aufgehellt. "Die Fußballmanager sind mit der wirtschaftlichen Lage so zufrieden wie noch nie", sagt Arnd Hovemann von Ernst & Young.

Daher hat die Kapitalbeschaffung für die Fußball-Bundesliga nicht mehr die Brisanz und Dringlichkeit vergangener Jahre. Dies liegt laut Hovemann auch daran, dass die Bundesliga neben der französischen Eliteliga die spannendste Liga Europas sei. Die hohe Wettbewerbsintensität wirke positiv auf Umsätze und Erträge. Ungeachtet dessen berate man derzeit zwei Bundesliga-Klubs hinsichtlich der Emission von Anleihen und/oder Genussscheinen, sagt Sebastian Maerker von der Sozietät Clifford Chance.

Über Anleihen hatten sich in der Vergangenheit Schalke 04, Arminia Bielefeld und der 1. FC Köln finanziert. Der 1. FC Köln hatte sich zudem des Finanzierungsinstruments Genussschein bedient. Als Kandidaten für neue Emissionen waren zuletzt Hertha BSC, Bayer Leverkusen und Energie Cottbus ins Gespräch gebracht worden.

Cottbus wollte vor geraumer Zeit dem Beispiel des 1. FC Köln folgen und Genussscheine emittieren. Das Unterfangen der alten Klubführung scheiterte jedoch. Neue Pläne in diese Richtung gebe es nicht, heißt es heute bei den Lausitzern. Auch Hertha-Pressemann Hans-Georg Felder sieht für seinen Klub nach der kürzlich getroffen Vereinbarung mit dem Sportrechte-Vermarkter Sport Five keinen Grund für eine neue Finanzierungsrunde.

"Kein Kommentar", heißt es auf eine entsprechende Anfrage bei Bayer Leverkusen, was die Spekulation nährte, der Werksclub könne einer von zwei Emittenten sein. Top-Manager der Liga erklärten indes, dass Leverkusen und Wolfsburg wegen ihrer Gesellschafterstruktur - Anbindung an die Industrieunternehmen Bayer und VW - in einer finanziell komfortablen Situation seien. "Aktuell denken wir daher auch nicht darüber nach", sagt Rolf Dittrich von der der VFL Wolfsburg Fußball GmbH.

Auch die Nordklubs HSV und Werder Bremen sehen keinen Zwang zur Fremdkapitalaufnahme. "Es gibt keine solchen Pläne", sagt HSV-Vorstand Katja Kraus. "Wir waren vor Jahren der erste Klub, der das Genussschein-Modell mit allen bunten Facetten diskutiert hat", sagt Werder-Präsident Jürgen L. Born dem Handelsblatt. Dann sei der sportliche und wirtschaftliche Erfolg immer ansehnlicher geworden, so dass man die Pläne wieder ad acta gelegt habe.

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