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31.01.2015

13:42 Uhr

Borussia Dortmund

Eine Stadt zittert um ihr Aushängeschild

VonBenjamin Esche

Mit dem Rückrunden-Auftakt bei Bayer Leverkusen soll für den BVB in der Fußball-Bundesliga vieles besser werden. Doch die Dortmunder sind nach der desaströsen Hinrunde skeptisch. Denn es geht um mehr als nur um Fußball.

Ungewisse Aussichten: Auch dieser BVB-Fan blickt nach dem verkorksten Ende 2014 gespannt auf die Bundesliga-Rückrunde. dpa

Ein BVB-Fan

Ungewisse Aussichten: Auch dieser BVB-Fan blickt nach dem verkorksten Ende 2014 gespannt auf die Bundesliga-Rückrunde.

DortmundWenn Omid Ghorbanazar an Bundesliga-Spieltagen seine „Ratsschänke“ in der Dortmunder Innenstadt öffnet, strömen die Fans von Borussia Dortmund in Massen an den Tresen. Ob zur Einstimmung vor dem Spiel, zum gemeinsamen Rudelgucken oder einem Absacker nach dem Sieg – der Dortmunder Gastwirt, der auch einen BVB-Fanclub mit 50 Mitgliedern leitet, freut sich in den vergangenen Jahren regelmäßig über eine volle Kneipe.

Doch mit der verkorksten Hinrunde des BVB kippt die Stimmung unter den Fans. „Wir brauchen das Ganze gar nicht schön reden“, stellt Ghorbanazar in typischer Ruhrgebietsmanier fest. „Die Kommunikation zwischen Jürgen Klopp und der Mannschaft funktioniert einfach nicht.“ Woanders wäre der Trainer schon längst entlassen worden. In Dortmund halte man zu lange an ihm fest, glaubt der 45-Jährige.

Solche Sätze hätte man vor einem halben Jahr wohl von keinem BVB-Fan gehört. Mit der Meisterschaft 2011 und dem Double-Gewinn 2012 hatte sich Klopp in Dortmund bereits ein Denkmal gesetzt. Nicht zuletzt begeisterte der schön anzuschauende Hochgeschwindigkeitsfußball seiner hochbegabten Kicker die gesamte Republik und auch Europa.

BVB: Fakten zu Borussia Dortmund

Wertvollste Spieler

Marco Reus (40 Millionen Euro), Pierre-Emerick Aubameyang (65 Millionen Euro)

Sponsoren

Trikotsponsor: Evonik, mindestens 12 Millionen Euro/Jahr, über 20 Millionen/Jahr möglich, bis 2025
Ausrüster: Puma, bis 2020, sechs Millionen Euro/Jahr
Partner: u.a. Opel, Turkish Airlines

Kader

Marktwert des Kaders: rund 392 Millionen Euro (September 2017)

Quelle: transfermarkt.de

Umsatz - Konzern

2016/17 - 405,7 Millionen Euro
2015/16 - 376 Millionen Euro
2014/15 - 276 Millionen Euro
2013/14 - 260,7 Millionen Euro
2012/13 - 305 Millionen Euro
2011/12 - 223 Millionen Euro

Gewinn nach Steuern

2016/17 - 8,2 Millionen Euro
2015/16 - 29, 4 Millionen Euro
2014/15 - 5,5 Millionen Euro
2013/14 - 12 Millionen Euro
2012/13 - 51,2 Millionen Euro
2011/12 - 27,5 Millionen Euro

Geschäftsführung

Vorsitzender: Hans-Joachim Watzke
Mitglieder: u.a. Thomas Treß (Finanzen), Michael Zorc (Sport), Carsten Cramer (Vertrieb, Marketing)

Aufsichtsrat

Vorsitzender: Gerd Pieper
Die Neulinge sind: Ulrich Leitermann (Signal Iduna), Björn Gulden (Puma) und Dr. Werner Müller (RAG-Stiftung) - sowie Dr. Reinhold Lunow (Facharzt und Schatzmeister des BVB e.V.) als Ersatz für den bereits im Sommer ausgeschiedenen Friedrich Merz.

Essen und Trinken

Ein Wasser (0,5 l) kostet: 3,40 Euro
Ein Bier der Marke Brinkhoff´s No. 1 (0,4 l) kostet: 3,70 Euro
Eine Bratwurst kostet: 3,50 Euro

Quelle: Transfermarkt.de

Stadion

Name: Signal Iduna Park
Sponsoring-Vertrag: bis 2021 für fünf Millionen Euro pro Jahr
Fassungsvermögen: 80.645 Zuschauer

Preisstrategie

Die Geschäftsführung des BVB will die Preise für Tickets, Bier und Bratwurst "in den nächsten Jahren nicht erhöhen". Dies erklärte Geschäftsführer Watzke auf der Bilanzpressekonferenz Ende August 2016 in Dortmund. Die besondere Stadion-Kultur in Dortmund solle erhalten bleiben. Dazu zählt auch, dass bundesligaweit die Preise für Bier und Bratwurst zu den niedrigsten gehören.

Die Dortmunder waren nach schweren Jahren wieder mächtig stolz auf ihre Borussia – immerhin das Aushängeschild der Stadt schlechthin. Und die Bedeutung des Fußballs reicht noch weiter. Er gibt der Stadt nicht nur eine Identität, sondern ist auch ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor in einer Region, die sich immer noch im sozialen Wandel befindet und von hoher Arbeitslosigkeit gebeutelt ist.

Als international leuchtende Marke ist Borussia Dortmund somit unverzichtbar für die 580.000-Einwohnerstadt – vor allem, um Menschen aus aller Welt zu locken. „Der BVB ist ganz sicher einer der touristischen Magnete der Stadt und liefert mit seinen Spielen einen konkreten Reiseanlass“, sagt Thomas Westphal, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Dortmund.

Immerhin macht die Dortmunder Tourismusbranche nach Angaben der Stadt insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro Umsatz. Mit knapp 90 Prozent verbuchen Tagestouristen, wie es beispielsweise Fußballfans sind, den mit Abstand größten Anteil daran.

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