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10.04.2012

16:48 Uhr

Borussia Dortmund

Schwarz-gelbe Traumbilanz in Gefahr

VonIngmar Höhmann, Frederic Spohr, Jörg Hackhausen

Sportlich steht Borussia Dortmund vor der Woche der Wahrheit, finanziell ist die Titelverteidigung unbedeutend. Um die rasant steigenden Spielergehälter zu stemmen, benötigt der Verein vor allem Merchandising-Einnahmen und die Champions League. Sonst ist der Höhenflug des Vereins schnell gestoppt.

BVB-Fans: Der Verein muss beim Merchandising kräftig zulegen. dpa

BVB-Fans: Der Verein muss beim Merchandising kräftig zulegen.

DortmundFür die Fans des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund geht es jetzt um alles: Innerhalb von zehn Tagen trifft der Tabellenführer nacheinander auf die Nummer zwei, drei und vier der Liga – Bayern München, Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach. Eine einzige Niederlage kann die schon sicher geglaubte Meisterschaft kosten.

Doch Thomas Treß, der als Geschäftsführer beim Titelverteidiger für die Finanzen zuständig ist, sieht die kommenden Tage gelassener. „Unter dem Strich macht es für das Ergebnis 2011/2012 keinen wesentlichen Unterschied, ob wir Erster oder Zweiter werden“, sagt er im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Wichtig ist, dass wir uns für die Champions League für die kommende Saison qualifizieren.“ Und das hat die Borussia schon so gut wie geschafft.

Fußball: Geldquellen und Vermögen des BVB

Sponsoren

Der BVB hat sich wichtige Einnahmequellen mittel- und langfristig vertraglich abgesichert. Dazu zählen insbesondere die Einnahmen durch Premium-Sponsoren, insbesondere Evonik, Signal Iduna, Puma, Opel, Brinkhoff‘s, Sparda-Bank, Sprehe, Wilo, Hankook, Flyeralarm, Westlotto, Turkish Airlines und Huawei.

Quelle: Vorläufige Bilanz 2013/14, Finanzberichte

Werbung

Die sportlichen Erfolge machen den Verein als Werbeträger für Sponsoren immer beliebter. Im Geschäftsjahr 2013/2014 stiegen die Einnahmen durch Werbung um 3,7 Millionen auf 73 Millionen Euro. Allein der Vertrag mit dem langjährigen Sponsor Evonik soll dem Klub bis 2025 rund 250 Millionen Euro in die Kasse spülen.

TV-Vermarktung

Die Einnahmen aus der Fernsehvermarktung bleiben der größte Einnahmenposten, auch wenn sie durch das frühere Champions-League aus leicht gesunken sind: 81,4 Millionen Euro flossen in die Kasse des Vereins - in der Saison 2012/2013 betrugen die TV-Einnahmen noch etwa 87,6 Millionen Euro, was der Verein vor allem dem Finaleinzug im Europapokal zu verdanken hatte.

Merchandising

Für Trikothersteller Puma ist der BVB ein lukrativer Partner. Denn durch die internationalen Erfolge steigt weltweit die Nachfrage nach schwarz-gelbem Merchandising. Im abgelaufenen Geschäftsjahr stiegen die Einnahmen in diesem Bereich um 3,6 Millionen Euro auf insgesamt 35 Millionen Euro.

Catering, Handel und Lizenzen

Beim Catering und den sonstigen Einnahmen, zu denen beispielsweise Versicherungszahlungen für verletzte Spieler und Entschädigungen des DFB für abgestellte Nationalspieler zählen, steht unter Strich ein Plus. Insgesamt erwirtschaftet der BVB hier 26,3 Millionen Euro, nach 20,3 Millionen im Vorjahr.

Ticketerlöse

Mehr als 80.000 Zuschauer passen in den Signal Iduna Park – und die Arena ist regelmäßig ausverkauft. Doch weil diesmal kein Champions-League-Halbfinale im Dortmunder Stadion gespielt wurde, sinken die Einnahmen in diesem Bereich. Rund 40,5 Millionen Euro nehmen die Dortmunder durch Ticketverkäufe ein, im Vorjahr waren es 44,8 Millionen Euro. Viele Top-Clubs wie Bayern München oder Real Madrid haben weniger Zuschauer, aber trotzdem höhere Einnahmen. In Dortmund rühmt man sich jedoch niedriger Ticketpreise und ist stolz auf die günstigen 28.000 Stehplätze, auf denen die Stimmung im Stadion entsteht.


Stadion

Der Signal Iduna Park hat 80.645 Plätze und ist damit das größte Fußballstadion Deutschlands. Durchschnittlich über 90 Prozent betrug die Auslastung in den letzten zehn Jahren. Laut der englischen "Times" ist es zugleich das

schönste Fußballstadion der Welt.

Fans

Durchschnittlich 80.520 Personen schauten in der Saison 2013/2014 den Spielen zu. Damit war der BVB die Nr. 1 in Deutschland vor Bayern München (71.000). Zum zweiten Mal in Folge lag der BVB auch in Europa (!) vor Manchester United (75.032) und vor dem FC Barcelona (73.812), wie sich aus der Internetseite www.weltfussball.de ergibt. Allein 54.000 Dauerkarten bedeuten Allzeit-Rekord in der Bundesliga.

Image

Borussia Dortmund ist nach der „Fußballstudie 2013“ der TU Braunschweig der beliebteste Verein in Deutschland. Die Nr.1 ist der BVB auch im „BrandFeel Ranking 2013”. Dies ist das Marken-Ranking zur Fußball-Bundesliga von Mafo.de. Die Online-Marktforscher haben die Vereine bezüglich Markenstärke, Image und Positionierung bewertet.

Spielerkader

Durch die Erfolge wird der Spielerkader immer wertvoller. Die Transferpolitik, junge talentierte Spieler zu verpflichten und/oder zu entwickeln, generiert zudem erhebliche „stille Reserven” in den Spielerwerten. Der Verein nennt zum Beispiel Marian Sarr, Marvin Duksch, der ausgeliehen wurde, Jonas Hofmann, Erik Durm, Ilkay Gündogan, Sven Bender, Marco Reus, Neven Subotic oder Mats Hummels. Den Buchwert des Lizenzspielerkaders zum 30.06.2013 kalkulierte der Verein auf 28,4 Millionen Euro.

Während der europäische Wettbewerb mit saftigen Zusatzeinnahmen lockt, sorgt der Gewinn der Meisterschale nur für ein eher mickriges Zubrot. Zwar erhält der Meister-Klub von der Deutschen Fußball Liga (DFL) einen höheren Anteil aus den Erlösen der TV-Vermarktung. Die Unterschiede zwischen Platz eins und zwei liegen in der Ausschüttung jedoch bei einem niedrigen einstelligen Millionenbetrag. Bei einem Verein wie dem BVB, der in der vergangenen Saison einen Umsatz von 136 Millionen Euro erzielte, füllt das gerade einmal die Portokasse.

Bedeutender ist der Image-Effekt: Der Bundesliga-Meister wird für Sponsoren attraktiver, auch die Marktwerte der Spieler steigen. Auch an der Börse kommt der BVB nicht so recht in Fahrt. Zwar ist die Aktie seit Jahresanfang um fast 30 Prozent gestiegen – allerdings von sehr niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Anteilsschein 2,43 Euro. Damit liegt der Kurs niedriger als vor einem Jahr, damals kostete die Aktie 2,80 Euro.

Kommentare (20)

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RobertSchumansErben

10.04.2012, 17:38 Uhr

Fußball wird immer noch auf dem Spielfeld stattfinden. Wenn Kosten ins Uferlose steigen, dafür sind auch die "Handgelder" der "Stars" verantwortlich, neben den "Gehältern".

Alle Nebentätigkeiten der Mannschaftsdelegationen sollten tunlichst im Einklang mit dem Management stehen. Daher darf dann auch mal eine Forderung an die Vermarkter gestellt werden, damit denen auch bewußt wird, wem sie diese "Veranstaltung" zu verdanken haben. Ohne Preis, keine Leistung. Abgreifen war gestern, auch wenn das ein Herr Blatter anders sieht.

Fußballbegeisterte Menschen nehmen das Spiel und noch mehr sich selbst, einfach nicht so ernst; denn sie wissen ohne das ganze Drumherum der Begeisterung im Spiel wird daraus nix.

Ein Bericht, der die Dinge herbeisehnt, im Fußbal eigentlich verboten. Der Ball ist rund und ein Tor dann gegeben, wenn das Runde im Eckigen landet. Manchmal auch nicht, wegen irgendwelcher Be- oder Verhinderungen anderer.

Ich wünsche dem BVB09 weiterhin alles Gute auf dem Weg nach oben. Hinter diesem Verein steckt harte Arbeit, aber auch ein großer Teil Enthusiamus seiner Sympathisanten, Freunde und Bekenner. Chapeau.

AL65000

10.04.2012, 17:53 Uhr

mhhhh hier ist euch ein typo unterlaufen...

"Mit dem Hauptsponsor Evonik hat das Management den Vertrag im vergangenen Februar bis 2016 verlängert. Allein dieser Kontrakt soll dem BVB jährlich rund 7,5 Milliarden Euro sichern"

denn sonst wäre der fcb im vergleich mit seinen tkom millionen arm dran

Wildermuth

10.04.2012, 17:54 Uhr

7,5 Millarden jährlich zahlt Evionik als Sponsor??Das kann nicht stimmen...

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