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16.04.2015

13:38 Uhr

Borussia Dortmund

Sieben Fragen an den BVB

Quelle:dpa

Wie geht es weiter bei Borussia Dortmund nachdem Jürgen Klopp seinen Abschied zum Saisonende verkündet hat? Trainer Thomas Tuchel bleibt der heißeste Nachfolgekandidat. Auch im Spielerkader wird sich einiges ändern.

Schock für BVB

So trat Klopp zurück

Schock für BVB: So trat Klopp zurück

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DortmundAuf Sportdirektor Michael Zorc wartet viel Arbeit. Zorc würde Leistungsträger wie Mats Hummels und Ilkay Gündogan gern halten.

Wer ist Favorit auf Klopps Nachfolge?

Thomas Tuchel bleibt der heißeste Trainerkandidat, ist aber nicht der einzige. Beispielsweise werden in Dortmund auch Markus Weinzierl (Augsburg) oder Lucien Favre (Mönchengladbach) sehr geschätzt. Theoretisch käme auch ein Trainer aus einer ausländischen Liga infrage; das ist nach den Erfahrungen mit Nevio Scala und Bert van Marwijk aber unwahrscheinlich. Clubchef Hans-Joachim Watzke und Zorc werden den Coach mit Bedacht auswählen, sich aber nicht ewig Zeit lassen, weil der Neue in die Planungen der kommenden Saison eingebunden werden soll.

Was spricht besonders für Tuchel ?

Vieles. Er passt in das BVB-Profil. Tuchel ist mit 41 Jahren noch jung, hat aber bereits viel Bundesliga-Erfahrung gesammelt und Klopps Arbeit in Mainz erfolgreich fortgeführt und verfeinert. Seine Spielphilosophie ist der von Klopp sehr ähnlich. Die BVB-Profis könnten sich schnell darauf einstellen und Tuchels Vorstellungen umsetzen. Zudem ist der ehemalige Mainzer nach seiner einjährigen Auszeit ausgeruht und im Gegensatz zu anderen Aspiranten vertraglich ungebunden. Er könnte praktisch sofort in alle Planungen eingebunden werden. Laut Medienberichten ist sich der BVB mit Tuchel schon so gut wie einig.

Chronologie: Thomas Tuchel

10. Mai 2014

Thomas Tuchel hört als Cheftrainer des Bundesligisten FSV Mainz 05 trotz eines bis 30. Juni 2015 laufenden Vertrages überraschend auf und legt ein Sabbatjahr ein.

11. Februar 2015

Alexander Zorniger tritt bei RB Leipzig als Trainer zurück, Tuchel gilt als Wunschkandidat ab Sommer 2015 bei den Sachsen.

13. Februar

RB-Sportdirektor Ralf Rangnick bestätigt das Interesse der Leipziger an Tuchel.

23. März

Laut Abendblatt ist der Hamburger SV nach der Trennung von Trainer Joe Zinnbauer weiter an einer Verpflichtung von Tuchel interessiert. Dieser habe seine "grundsätzliche Bereitschaft" signalisiert, die Norddeutschen ab Sommer 2015 zu übernehmen.

25. März

Laut Stuttgarter Zeitung soll Tuchel „eindeutige Signale ausgesandt“ haben, um Trainer des VfB Stuttgart zu werden. Diese seien allerdings „ins Leere gegangen“.

27. März

Tuchel im Zeit-Interview: „Mein großer Wunsch ist es, unbelastet im Sommer neu anzufangen.“

29. März

Der HSV-Aufsichtsratsvorsitzende Karl Gernandt macht Tuchel endgültig zum Wunschkandidaten. Diese Option sei „sehr, sehr intensiv und detailliert durchdekliniert“ worden, sagt er dem NDR-Sportclub.

31. März

Tuchel wird laut Bild vom HSV mit einem Jahressalär von 3,2 Millionen Euro und 12,8 Millionen Euro für vier Jahre gelockt.

6. April

Tuchel sagt RB Leipzig ab.

10. April

Tuchel dementiert energisch eine Medienmeldung über eine Einigung über einen Vierjahresvertrag mit dem HSV.

12. April

Viele Fußball-Experten machen Druck auf Tuchel und drängen diesen, sofort den Trainerjob anstelle von Interimscoach und Sportdirektor Peter Knäbel beim HSV zu übernehmen. Der Bundesliga-Dino rutscht auf den letzten Tabellenplatz. HSV-Chef Dietmar Beiersdorfer betont, es werde keinen neuerlichen Trainerwechsel in dieser Saison geben.

13. April

Der HSV beendet die Gespräche mit Tuchel und präsentiert am 15. April Bruno Labbadia, der einen Vertrag für 15 Monate erhält, als neuen Chefcoach.

16. April

Tuchel wird von Bild als heißer Anwärter auf den Cheftrainerposten bei Borussia Dortmund gehandelt, nachdem am Vortag Jürgen Klopp seinen vorzeitigen Abschied vom BVB zum Saisonende verkündet hatte.

Quelle

SID

Welche Auswirkungen hat der Trainerwechsel auf die Spieler?

Schwer abzuschätzen. Angeblich wechselwillige Leistungsträger wie Mats Hummels oder Ilkay Gündogan werden abwarten, wer der neue Trainer wird. Beide haben noch Verträge, Hummels könnte im Sommer jedoch von finanzkräftigen Interessenten herausgekauft werden. Der Weltmeister steht besonders in England hoch im Kurs. Mit Gündogan würde Zorc den 2016 auslaufenden Kontrakt gern verlängern. Ausgang offen. Andere Profis, die in dieser Saison enttäuschten, müssen abwarten, was der neue Coach plant. Die Karten werden neu gemischt.

Fußball: Der Trainer Thomas Tuchel

Person

Thomas Tuchel ist am 29. August 1973 in Krumbach geboren
Quelle: dpa

Vereine als Spieler

Stuttgarter Kickers (1992-1994), SSV Ulm 1846 (1994-1998)

Vereine als Trainer

VfB Stuttgart Jugend (2004-2008), FC Augsburg Jugend und Amateure (2006-2008), FSV Mainz 05 U 19 (2008-2009), FSV Mainz 05 (2009-2014), Borussia Dortmund (seit Mitte 2015)

Erfolgsquote als Trainer

Borussia Dortmund: 2,12 Punkte pro Spiel

Mainz 05: 1,43 Punkte pro Spiel
Quelle: Transfermarkt.de, Mai 2017

Bevorzugtes Spielsystem

4-2-3-1
Vier Abwehrspieler, zwei defensive Mittelfeldspieler, drei offensive Mittelfeldspieler, ein Stürmer

Größte Erfolge

5. Tabellenplatz in der Bundesliga 2010/2011 und 7. Tabellenplatz 2013/2014 (jeweils Qualifikation Europa League). Saison 2015/16: Pokalfinale erreicht, 2. Platz in der Bundesliga

Auszeichnungen

Trainerpreis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) 2011

Gelingt dem BVB mit Klopp ein versöhnlicher Saisonabschluss?

Möglicherweise bewirkt die Gewissheit bei allen eine Befreiung. Die Mannschaft ist laut Aussagen einiger Profis entschlossen, Klopp einen würdigen Abschied zu bereiten. Das gelingt indes nur mit Erfolgen. Die BVB-Fangemeinde ist jetzt zwar traurig, wird ihren scheidenden Erfolgstrainer und das Team aber bis zum letzten Spiel bedingungslos unterstützen. Im Heimspiel gegen Werder Bremen am letzten Spieltag (23. Mai) werden im Signal Iduna Park reichlich Tränen fließen.

Wie sieht Dortmunds sportliche Zukunft aus?

Die Trennung von Klopp, der sich beim BVB am Ende seines Weges sah, bietet die Chance zur Erneuerung. Alle Verantwortlichen sollten sie nach dem ersten Trennungsschmerz nutzen. Es gibt ein BVB-Leben nach Klopp. Er selbst bescheinigt dem Club eine rosige Zukunft, auch weil einige große Talente nachrücken. «Der Verein hat eine fantastische Basis, einen tollen Kader. Da könnte ich jetzt schon heulen, dass ich diese Jungs nicht mehr trainieren darf», sagte Klopp. Der neue Trainer wird zudem optimale Strukturen mit einer erfahrenen Führung vorfinden. Es gibt sicher kaum einen Trainer, der ein Dortmunder Angebot ablehnen würde. Durch die Erfolge der vergangenen Jahre hat sich der BVB in ganz Europa einen exzellenten Ruf erworben.

Wohin führt Klopps Weg?

Er betonte ausdrücklich, dass er keine Müdigkeit verspüre und dementsprechend kein Sabbatjahr oder eine längere Pause brauche. Er habe nichts in der Hinterhand, versicherte er. Die Interessenten werden Schlange stehen. «Um Klopps Zukunft muss man sich nicht sorgen. Er kann fast alle Clubs der Welt haben», stellte Franz Beckenbauer in seiner «Bild»-Kolumne fest. Schon lange haben vor allem englische Topvereine ein Auge auf Klopp geworfen. Sein Weg könnte auf die Insel führen, womöglich zu Manchester City oder zum FC Liverpool. Ein Engagement in der Bundesliga scheint zurzeit ausgeschlossen. Wohin sollte er gehen?

Geht Klopps Traum, nochmal auf einem Lastwagen um den Borsigplatz zu fahren, in Erfüllung?

Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Dazu müsste der DFB-Pokalsieg her. Der BVB muss im Halbfinale bei Bayern München antreten. Trotz der verkorksten Saison hat das Team genug Klasse, um an einem Sahnetag auch in München einen Sieg zu landen. Es wäre nicht der erste. Dass die Bayern nicht unverwundbar sind, hat der FC Porto am Mittwoch beim 3:1 in der Champions League eindrucksvoll demonstriert. Der Pokalsieg in Berlin wäre für Klopp ein grandioser Schlusspunkt.

Kulttrainer: Das ist Jürgen Norbert Klopp

Anfänge

Klopp wurde am 16. Juni 1967 in Stuttgart geboren und wuchs mit zwei älteren Schwestern in der Gemeinde Glatten bei Freudenstadt im Schwarzwald auf.

Amateur

Er kickte in der Jugend beim SV Glatten und als Amateur bei den Vereinen TuS Ergenzingen, 1. FC Pforzheim, Eintracht Frankfurt II, Viktoria Sindlingen und Rot-Weiss Frankfurt. Mit den Hessen scheiterte er 1990 in der Aufstiegsrunde zur 2. Fußball-Bundesliga am FSV Mainz 05.

Studium

Im Jahr 1995 schloss Klopp ein Studium an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main als Diplom-Sportwissenschaftler ab. Seine Diplomarbeit schrieb er über Walking. Nach dem Aufstieg mit Mainz in die Bundesliga im Sommer 2004 holte Klopp, der zu diesem Zeitpunkt nur eine A-Lizenz hatte, an der Sporthochschule Köln seine Lizenz als Fußballlehrer nach.

Profikarriere in Mainz

Von 1990 bis 2001 bestritt er 325 Zweitligaspiele für den FSV und ist damit in dieser Liga alleiniger Rekordhalter im Verein.

Trainer in Mainz (1)

Von Februar 2001 an trainierte Klopp die Profimannschaft der Mainzer. Er führte sie von den Abstiegsrängen der 2. Bundesliga zum Klassenerhalt. Anschließend wurde er Cheftrainer und stieg mit der Mannschaft 2004 in die erste Liga auf.

Trainer in Mainz (2)

Vor Beginn der Saison 2005/06 erreichte Klopp mit Mainz den größten Erfolg der Vereinsgeschichte, als seine Mannschaft in den UEFA-Pokal-Wettbewerb einzog, in der sie erst gegen den späteren Sieger FC Sevilla ausschied. 2007 stieg Mainz als Tabellensechzehnter in die 2. Bundesliga ab. Ein Jahr später verabschiedete sich Klopp unter Tränen.

Experte im Fernsehen

Zwischen 2005 und 2008 arbeitete Klopp nebenher als Experte bei Fußballübertragungen im ZDF an der Seite von Johannes B. Kerner, Urs Meier und Franz Beckenbauer. Unter anderem analysierte er die Spiele bei der WM 2006 und der EM 2008. Während der WM 2010 war Klopp an der Seite von Günther Jauch als Experte bei den Fußballübertragungen von RTL im Einsatz.

Trainer in Dortmund (1)

Seit dem 1. Juli 2008 trainiert Klopp den BVB, den er seither zweimal zur Meisterschaft führte. 2012 gewann der Verein den DFB-Pokal und so das erste Double der Vereinsgeschichte.

Trainer in Dortmund (2)

In den darauffolgenden Saisons belegte Dortmund jeweils Platz zwei hinter Bayern München und erreichte das Finale der Champions League. Klopps Vertrag lief ursprünglich bis 2018, doch zum Ende der Saison 2014/15 trat er zurück.

Trainer in Liverpool

Seit dem 8. Oktober 2015 ist Klopp Teammanager des FC Liverpool in England. In seiner ersten Saison 2015/16 wurde das Team in der Liga Achter und erreichte zwei Finals, unter anderem in der Europa League. Öffentlich überzeugt Klopp durch seinen Humor und sein lockeres Auftreten.

Werbung

Seit 2012 ist Jürgen Klopp Werbeträger für verschiedene Marken und daher in zahlreichen Werbespots zu sehen. Zu den Marken gehören die Automarke Opel, Styling und Bartpflegeprodukte von Philips sowie die Volksbanken und Raiffeisenbanken.

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