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01.06.2017

09:03 Uhr

Borussia Dortmund und Tuchel

Warum Watzke den BVB erneut gerettet hat

VonThomas Schmitt

Thomas Tuchel erhält nach seiner Entlassung viel Zuspruch im Netz. Trauer mischt sich mit Häme über die BVB-Führung. Hans-Joachim Watzke steht als Buhmann da. Das ist eine kurzsichtige Einstellung. Ein Kommentar.

DüsseldorfFußball-Fans wollen den sportlichen Erfolg ihres Vereins. Offenbar stellen viele von ihnen dieses Ziel über alles andere. Wie es erreicht wird, ist manchen egal. Wenn Titel dann endlich da sind, dann werden Sieger heiliggesprochen, so wie dies gerade mit dem entlassenen BVB-Trainer Thomas Tuchel geschieht. Das ist jedoch eine sehr kurzsichtige und einseitige Haltung, die Fans da einnehmen.

Das Problem von Borussia Dortmund: Niemand aus der Führung kann und darf öffentlich schlüssig erklären, warum der leitende Angestellte Tuchel gehen musste. Denn dies würde in einer Schlammschlacht enden, die niemandem nützen würde und die den Verein selbst und alle Beteiligten erst recht in den Schmutz ziehen würden. Und möglicherweise alle lähmen könnte.

Rauswurf von Thomas Tuchel: Reaktionen auf Twitter

Also begnügen sich die BVB-Bosse mit kryptischen Andeutungen über die Gründe der Entlassung von Tuchel. Das geschieht durch Gesten, Symbole, versteckte Hinweise, Interviews und offene Briefe. Entscheidend ist: Nachfragen zu schmutzigen Details, die natürlich jeder wissen will, sind unerwünscht.

Dass Tuchel sich freudestrahlend und als Superheld mit einem Titel vom BVB verabschieden kann, nimmt die Vereinsführung zähneknirschend in Kauf. Entscheidend für die BVB-Akteure war, dass sie den Sprengstoff rund um Tuchel aus dem Klub entfernt haben. Das beruhigt große Teile des Teams, aber noch mehr den Verein selbst.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc über die Trennung von Tuchel

Interview im Kicker

Drei Wochen lang hat BVB-Sportdirektor Michael Zorc kein Interview gegeben und öffentliche Erklärungen vermieden. Einen Tag nach der Entlassung von Trainer Thomas Tuchel spricht er im Kicker.
(Quelle: Kicker, Donnerstagsausgabe, 1. Juni 2017)

Intrigenspiel oder Schmierenkomödie?

Zorc: „Diese Beschreibungen und Vorwürfe sind nicht richtig. Ich weise sie für uns komplett zurück. Wir haben uns in dieser Sache regelkonform verhalten.“

Die Mär vom Konflikt

Dass die Trennung von Tuchel auf einen persönlichen Konflikt zwischen Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und dem Trainer heruntergebrochen, möchte der 54-Jährige so nicht stehen lassen. „Mit dieser Mär möchte ich aufräumen. Die Trennung war das Resultat eines längeren Prozesses“, betont Zorc.

Kein Alleingang von Watzke

„Und wenn ich das auch mal sagen darf, um von dieser Personifizierung wegzukommen: Beim BVB gibt es im sportlichen Bereich keine Entscheidung, die nicht von mir getroffen und/oder inhaltlich komplett mitgetragen worden wäre. Deshalb ist es völlig falsch, von einem Alleingang von Aki Watzke zu sprechen.“

Bewusste Zurückhaltung

Während Watzke in der Öffentlichkeit stets präsent war, hatte sich Zorc zurückgehalten. „Noch mehr Unruhe als ohnehin schon machte in der Endphase der Meisterschaft keinen Sinn“, erklärt Zorc.

Sportliche Ziele

Zorc ordnete sein Tun zuletzt dem sportlichen Erfolg unter: „Die Aufgabe bestand vor allem darin, in der täglichen Arbeit die Saison mit Thomas Tuchel so gut wie möglich zuende zu bringen – und unsere Ziele zu erreichen. Das ist uns trotz der Unruhe auch gut gelungen.“

Kein Vertrauen zu Tuchel

Auf die Frage, ob die Trennung alternativlos war, sagt Zorc: „Uns fehlte in dieser personellen Konstellation das Vertrauen, perspektivisch erfolgreich zusammenzuarbeiten und mit einem ‚Weiter so‘ in die neue Saison gehen zu können.“

Hat er sich aufgerieben?

Kein Kommentar zu den Hintergründen. Nur dies: „Was wir nicht brauchen, sind gegenseitige Verurteilungen und Bewertungen, wer welche Fehler gemacht hat.“

Das erklärte Ziel?

„Ruhe im Karton“ – „Das ist unabdingbar.“ „Der Eindruck, den wir in den vergangenen Monaten gemacht haben, war untypisch für uns.“

Der Erfolg einer Profi-Mannschaft im Fußball hängt von vielen Faktoren ab. Der Trainer ist nur einer davon. Borussia Dortmund hat sich als zweite Kraft im deutschen Fußball etabliert, weil das mittelfristige Konzept mit ehrgeizigen Spielern funktioniert, wirtschaftlich ständig Werte geschaffen werden, die Verantwortlichen klug agieren und alle Akteure an einem Strang ziehen.

Fußball: BVB sucht Trainer - Reus bestreitet Zerwürfnis mit Watzke

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Die Trainersuche bei Borussia Dortmund gestaltet sich offensichtlich schwieriger als erwartet.

Bis vor einem Jahr galt dies jedenfalls. Und dann kam es wohl zum ersten Bruch zwischen Trainer und Vereinsführung. Die Ursache dafür dürfte der Abgang von gleich drei wichtigen Spielern gewesen sein: Weltmeister Mats Hummels, Nationalspieler Ilkay Gündogan und Mittelfeldmotor Henrikh Mkhitaryan.

Kommentare (2)

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Herr Paul Kersey

01.06.2017, 10:13 Uhr

Natürlich steht der Verein über dem Trainer, das muss auch immer so bleiben.
Es bleibt aber festzuhalten: Watzke konnte sein Versprechen bzgl. der Top-Spieler nicht halten, also sollte er nicht so eine große Klappe haben. Der Chefscout konnte Tuchel dessen Wunschspieler nicht beschaffen, das ist eben manchmal so. Der Anschlag wurde von der Vereinsführung einwandfrei verniedlicht, das ist belegt und auch hier muss Watzke besser überlegen, bevor er kommuniziert. Dass sich Verein und Trainer deshalb so überwerfen ist von beiden Seiten eine sehr schwache und damit unprofessionelle Leistung. Tuchel ist kein Bauerenopfer. Hier hat man die Dame weggeschenkt.Ich wehre mich deshalb gegen die Darstellung, dass die BVB Bosse hier einen astreinen Job gemacht haben und Tuchel eine sozial inkompetente und damit nicht integrationsfähige Figur ist. Dem widerspricht einwandfei das Saisonergebnis in all seinen vielen Facetten während der Saison. Ich bin gespannt auf den neuen Trainer und wünsche TT viel Glück und Erfolg.

Herr KIM Wink

01.06.2017, 12:14 Uhr

Herr Paul Kersey - endlich mal eine qualifizierte Aussage. DANKE

für mich scheint viel Neid in der Konfrontation. weil der CLUB einfach nicht in den TOP 10 der Erlauchten wahrgenommen wird.
so bleibt der GF kann nur durch positive Zahlen glänzen. Um das zu erreichen müssen hier immer wieder die TOP Spieler abgeben werden - nur so gibt es Applaus!
Sodann scheint der Spagat zwischen dem eigentlichen Ziel, sportlich erfolgreich zu sein, geopfert (was natürlich das fundamentale Interesse des Trainers ist).
Hat man dann auch noch einen Sportlehrer vor der Nase, der sportl. Qualitäten und Verstärkungen einfordert, dem man auch betriebswirtschaftlich nicht das Wasser reichen kann, wird die Luft dünn.
Gab es nicht die lzt Jahre auch seitens der Vereinsführung schon mal das geäußerte Interesse einen Spieler mit Charakter zu holen? Warum scheitert man an der Beschäftigung von Charakterköpfen seit Jahren? kein Spieler wird in schwarz-gelb alt!
Talente kaufen - verkaufen bringt sicherlich CASH aber nicht die Krone Europa´s .
Hat es einer gewagt danach zu fragen?
Die wirklichen Stars der lzt. Jahrzehnte liebten u. lebten ihre Vereine (sh. KEAN, Gerrard, Lampert, Buffon, TOTTI...) und bleiben 10 Jahre+.
Ancelotti, Guardiola haben die Trophy´s gewonnen. nicht Scheich Abi Hadschi Alef....

Die TOP-Spieler der Ligen brauchen die (groß-) väterliche Schulter a` la AW nicht.

Der Fußballverein AG Vorsitzender geniest nicht das Blitzlichtgewitter eines Topmanagers, was bliebe übrig für die Gentlemen wenn dann auch noch der Trainer Erfolg hat???

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