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23.10.2011

22:19 Uhr

Bundesliga

Bayern stolpern in Hannover

Nach acht Spielen ohne Gegentreffer setzt Hannover 96 der FC-Bayern-Superserie ein Ende. Die Münchener suchten die Schuld für die Niederlage beim Schiedsrichter.

Hannovers Mohammed Abdellaoue (l) und Münchens Luiz Gustavo kämpfen um den Ball. dpa

Hannovers Mohammed Abdellaoue (l) und Münchens Luiz Gustavo kämpfen um den Ball.

HannoverErste Auswärtsniederlage, Rot für Jerome Boateng und das Ende von Manuel Neuers Serie: Die Super-Bayern sind zurück auf dem Boden der Tatsachen. Trainer Jupp Heynckes und Klubboss Karl-Heinz Rummenigge machten dafür aber nicht ihre Mannschaft, sondern Rene Kunsleben aus Hamm verantwortlich. „Der Schiedsrichter hat sich beim Platzverweis vom vierten Offiziellen beeinflussen lassen“, sagte Heynckes nach der 1: 2 (0:1)-Niederlage von Bayern München bei Hannover 96.

Rummenigge ging mit Blick auf die Schlüsselszene, in der Boateng nach einem Schubser gegen Christian Schulz die Rote Karte sah, sogar noch einen Schritt weiter. „Diese Entscheidung hat der vierte Unparteiische gefällt, das ist unverständlich. Hier wurden Täter und Opfer verwechselt“, schmipfte der Vorstandschef der
Münchner, die mit ihrem Patzer bei den Verfolgern für kollektives Aufatmen sorgten. Die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes ist zwar weiter Spitzenreiter, der Vorsprung auf Titelverteidiger Borussia Dortmund ist aber auf drei Punkte geschrumpft. Hannover kletterte auf Tabellenplatz vier.

Vor 49.000 Zuschauern in der seit Wochen ausverkauften WM-Arena gelang 96-Torjäger Mohammed Abdellaoue für die Platzherren in der 23. Minute per Foulelfmeter der Führungstreffer. Nach dem 2:0 durch einen abgefälschten Schuss von Christian Pander (50.) brachte der eingewechselte David Alaba (83.) die Münchner in der Schlussphase noch einmal heran, Bastian Schweinsteiger traf in der 88. Minute nur den Pfosten.

Knackpunkt der Partie war aber die 28. Minute. Nach einem Foul von Toni Kroos an Sergio Pinto kam es zu einer Rangelei an der Seitenlinie. Auch „Sünder“ Boateng konnte den Platzverweis durch Schiedsrichter Manuel Gräfe aus Berlin nicht nachvollziehen. „Schulz schubst mich zuerst, ich schubse zurück. Ich weiß nicht, warum ich Rot kriege und er nur Gelb“, sagte Boateng. „Ich wollte nur unsere Spieler schützen, dann kam der Stoß von Boateng. Ich denke, dass man da Rot
geben kann“, sagte dagegen Schulz.

Sein Trainer Mirko Slomka, dessen Team ab der 63. Minute nach Gelb-Rot für Steven Cherundolo auch nur noch zu zehnt war, hatte sich bei Gräfe vergeblich dafür eingesetzt, keine Karten zu zeigen. Erfolgreicher war er bei der taktischen Einstellung seines Teams. „Wir haben gut dagegengehalten, über 90 Minuten sehr gut verteidigt und alles reingeworfen, was wir haben. Es war wichtig, dass wir früh attackieren und die Bayern gar nicht erst in ihr gutes Spiel kommen lassen“, sagte
Slomka.

Vor dem Strafstoß zum 1:0 hatte Gräfe einen Zweikampf zwischen Nationalspieler Philipp Lahm und Hannovers Kapitän Cherundolo als Foulspiel des Münchner Spielführers gewertet. Der Norweger Abdellaoue verwandelte an seinem 26. Geburtstag sicher und fügte Neuer das erste Bundesliga-Gegentor nach 770
Spielminuten zu. Es war der siebte Saisontreffer für Abdellaoue. Nach einer von beiden Seiten vorsichtig geführten Anfangsphase erarbeiteten sich die Niedersachsen in der zwölften Minute die erste Einschussmöglichkeit. Ex-Nationalspieler Pander spielte Abdellaoue klug frei, doch der Stürmer verzog in aussichtsreicher Position. Nur 120 Sekunden später standen die Gäste dicht vor dem Führungstreffer, doch ein Kopfball von Torjäger Mario Gomez war nicht platziert genug, 96-Torhüter Ron-Robert Zieler wehrte zur Ecke ab.

Auch in der Folgezeit scheuten beide Mannschaften zunächst das letzte Risiko, die starken Abwehrreihen dominierten die Begegnung. Pech hatte der Tabellenführer in der 20. Minute: Nach einem sehenswerten Alleingang traf Kroos aus 18 Metern Entfernung nur das linke Lattenkreuz. Sekunden vor dem Halbzeitpfiff traf Abdellaoue bei einem Konter den Außenpfosten.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit drängten die Münchner trotz Unterzahl auf den Ausgleich, doch in der 47. und 49. Minute hielt Zieler mit zwei reaktionsschnellen Paraden gegen Gomez die Führung der Hannoveraner fest. Fast im Gegenzug traf Pander zum 2:0. Die Torschützen Abdellaoue und Pander sowie Keeper Zieler waren die stärksten Akteure im Team von Coach Mirko Slomka, das sich drei Tage nach dem 2:2-Unentschieden in der Europa League gegen den FC
Kopenhagen deutlich verbessert zeigte. Auf Seiten des Rekordmeisters verdienten sich Kroos und Schweinsteiger die Bestnoten. An Superstar Franck Ribery hingegen lief die Partie mehr als eine Stunde lang weitgehend vorbei.

Von

sid

Kommentare (2)

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P-G

24.10.2011, 03:13 Uhr

Richtigstellung: Es war nicht Kroos, sondern Rafinha, der das angebliche Foul an Pinto verursachte. Dass die Bayern über den Schiedsrichter Manuel Gräfe wettern, ist nicht verwunderlich. Herr Gräfe pfeift im Zweifelsfall immer gegen die Bayern. Das beste Beispiel war das Spiel Bremen-Bayern in der Saison, als Berlin nach der Winterpause Tabellenführer wurde. In diesem Spiel ging es Herrn Gräfe (Berliner) darum, den vermeidlich stärksten Verfolger auf Abstand zu halten, was mit den Entschdeidungen dann auch gelang. Der soll einfach nicht mehr die Bayern pfeifen, wenn er das nicht unparteiisch tun kann. In der im Bereicht genannten Situation war der Verursacher des Streites der Herr Schulz, der nur mit Gelb bestraft wurde. Ein anschliessendes Halten, was zwingend ebenfalls mit Gelb zu ahnden ist, hat Herr Gräfe zum Nachteil der Bayern natürlich nicht geahndet. Dass aber der Schiedsrichter an der Niederlage Schuld ist, können die Bayern nicht sagen. Herr Lahm hat stümperhaft einen Elfmeter verursacht. Herr Gomez hat wie so oft in letzter Zeit Großchancen vergeben, wenn es beim Rest der Mannschaft nicht läuft. Trotz seinen 10 Toren braucht er zu viele Chancen, also ist er nicht effektiv genug. Das 0:2 war ein Fehler von Lois Gustavo, der ohne Not einen Ball vom 16er Eck anstatt zum Torwart zu einem Gegenspieler köpfte und dann für Neuer unhaltbar abfälschte. Herr Schweinsteiger spielte unter seiner Form, womit das Umschaltspiel der Bayern zu langsam war. Hannover hat zudem glänzend die Schwächen der Bayern ausgenutzt, was die Niederlage erklärt.

sirrobin

24.10.2011, 09:48 Uhr

m.E. waren in diesem Spiel alle Entscheidungen von Herrn Gräfe vertretbar. Krasse Fehlentscheidungen gab es nicht. Sowohl der Strafstoß als auch die Rote Karte waren gerechtfertigt. Schulz hätte man zwar durchaus auch vom Platz stellen können, musste man aber nicht. Ein Trikothalten außerhalb des Strafraums führt im Übrigen nicht zwingend zu Gelb, somit war auch diese Entscheidung vertretbar.

Letzlich war die Niederlage der Bayern zwar aufgrund der Großchancen etwas unglücklich, diese aber allein am Schiedsrichter festmachen zu wollen zeugt von zu wenig Selbstkritik. Zudem hat 96 sehr gut dagegen gehalten, sich nicht versteckt und sich ebenfalls ordentliche Chancen erarbeitet. Daher gehen mein Respekt und meine Glückwünsche nach Hannover, dieser Sieg war alles andere als unverdient.

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