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03.02.2015

14:35 Uhr

Bundesliga

Den Bayern flattern die Lederhosen

Wieder Spannung im Bundesliga-Titelkampf? Im Topspiel gegen Schalke müssen die Bayern die Antwort geben. War das 1:4 in Wolfsburg wirklich nur ein einmaliger Betriebsunfall? Die Wölfe wollen in Frankfurt wieder beißen.

Autsch: Bayern Münchens Coach Pep Guardiola wollte bei der 1:4-Niederlage in Wolfsburg gar nicht mehr zuschauen. Reuters

Guardiola kann nicht hinsehen

Autsch: Bayern Münchens Coach Pep Guardiola wollte bei der 1:4-Niederlage in Wolfsburg gar nicht mehr zuschauen.

Düsseldorf/MünchenDie Bayern sind gereizt - und jetzt kommt auch noch Roberto Di Matteo mit Schalke 04 in die Münchner Fußball-Arena. Ausgerechnet der Defensivkünstler Di Matteo, der Manuel Neuer, Bastian Schweinsteiger und Co. die schmerzlichste Niederlage in der ruhmreichen Geschichte des FC Bayern bescherte - mit dem FC Chelsea im „Finale dahoam“ um den Champions-League-Titel 2012. Vor dem unvergessenen Elfmeter-Drama hatten die Bayern übrigens im Spiel zuvor auch eine heftige Niederlage eingesteckt - beim 2:5 im DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund.

Dem krachenden 1:4 in Wolfsburg wollen die bis dato scheinbar unantastbaren Bayern am Dienstag beim Wiedersehen mit Di Matteo jedoch etwas ganz anderes folgen lassen. Erstmals sitzen 75.000 Zuschauer in der Allianz Arena. Und Trainer Pep Guardiola setzt darauf, dass der Rückrundenfehlstart die Sinne seiner Stars geschärft hat.

Denn Guardiola war am Montag bemüht, die erste Saisonpleite in positive Energie umzumünzen. „Die Einschätzung über unsere Mannschaft war falsch. Vor Wolfsburg hatten wir für alle die Bundesliga schon gewonnen“, sagte er. Irrtum! Jedes einzelne Spiel sei „schwierig“, betonte der Spanier und schloss: „Wenn wir das schnell verstehen, werden wir unseren Meistertitel verteidigen.“

Zahlen und Fakten zum 19. Bundesliga-Spieltag

Bayern München - FC Schalke 04 1:1 (0:0)

In der ersten Hälfte geht es schon früh zur Sache. In der 17. Minute zieht Boateng gegen Sam die Notbremse. Choupo-Moting tritt zum Elfmeter an und schießt Neuer direkt in die Arme. Daraufhin nutzt Schalke die Überzahl aber nicht aus. Die Bayern sind das bessere Team und kommen zu besseren Chancen. In der zweiten Hälfte wacht Schalke ein wenig auf, doch der FCB geht in der 67. Minute durch einen Kopfball von Robben in Führung. Nur kurze Zeit später macht Schalke aber durch Höwedes (72.) den Ausgleich.

Borussia Mönchengladbach - SC Freiburg 1:0 (1:0)

Die Fohlen schlagen die Freiburger nach einer intensiven Partie mit 1:0. Herrmann bringt die Gladbacher in der 23. Minute in Führung. Viele Chancen haben die Gastgeber nach diesem Tor nicht mehr. Freiburg ist spielerisch stärker als die Gladbacher. Die Breisgauer müssen trotz einiger brandgefährlicher Chancen mit einer Niederlage nach Hause fahren.

Eintracht Frankfurt - VfL Wolfsburg 1:1 (0:0)

In der ersten Halbzeit sehen die Zuschauer in der Commerzbank-Arena eine ausgeglichene Partie. Die Frankfurter beginnen aggressiv und stören früh. Die Wolfsburger kommen mit andauernder Spieldauer jedoch besser in die Partie und haben mehr Ballbesitz. Mit einem 0:0 geht es in die Pause. In der zweiten Halbzeit nimmt das Spiel an Fahrt auf. Stefan Aigner trifft in der 58. zur Führung für die Eintracht. Lange Zeit sieht es so aus als würde die Eintracht den Heimsieg nach Hause bringe, ehe der schwache de Bruyne in der 88. Minute zum glücklichen Ausgleich trifft.

Hannover 96 - FSV Mainz 05 1:1 (1:0)

Hannover ist in der ersten Halbzeit die deutlich bessere Mannschaft und kann in der 26. Minute durch Briand in Führung gehen. In der zweiten Halbzeit wendet sich das Blatt. Mainz dominiert und kann durch den eingewechselten Soto den Ausgleich erzielen (77.). Mit der Einwechselung von Sobiech und der Umstellung auf zwei Spitzen kann Hannover in den letzten Minuten der Partie nochmal Druck erzeugen. Der Sieg bleibt ihnen jedoch verwehrt und wäre auch unverdient.

Borussia Dortmund - FC Augsburg 0:1 (0:0)

n einem durchschnittlichen Bundesliga-Spiel gewinnt der FC Augsburg durch ein Tor von Raul Bobadilla (50.) mit 1:0. Dortmund zeigt sich nur Mitte der ersten Halbzeit druckvoll. Insgesamt präsentieren sich die Schwarz-Gelben ideen- und mutlos. Selbst nach der Roten Karte für Christoph Janker (64.) erspielt sich der BVB kaum Torchancen. Der Dreier ist somit für clever verteidigende Augsburger nicht unverdient.

TSV Hoffenheim - Werder Bremen 1:2 (1:1)

Werder Bremen setzt sich bei 1899 Hoffenheim mit 2:1 (1:1) durch und macht damit einen großen Schritt aus dem Tabellenkeller. Vor 22.000 Zuschauern legen die Bremer in beiden Halbzeiten einen Blitzstart ein: Franco di Santo (9.) und Philipp Bargfrede (52.) lassen die Werder-Fans jeweils frühzeitig jubeln. Den zwischenzeitlichen Ausgleich besorgt Ermin Bicakcic (34.). Hoffenheim hat über weite Strecken der Partie die größeren Spielanteile, Bremen kontert aber immer wieder gefährlich, so dass der Auswärtsdreier für die Norddeutschen letztlich nicht unverdient ist.

Hertha BSC - Bayer Leverkusen 0:1 (0:0)

Die erste Halbzeit beginnt verheißungsvoll, wird aber mit zunehmender Spielzeit unattraktiver. Leverkusen erwischt eine optimalen Start in die zweite Hälfte und geht durch Kießling in der 49. Minute in Führung. Die Hertha wirkt in der Folge geschockt und findet erst zu spät wieder zurück in die Partie. Die Elf von Roger Schmidt verteidigt stark und lässt nichts zu. In der 90. Minute folgt dann aus Sicht der Hertha das negative Highlight der Partie. Sebastian Langkamp sieht wegen wiederholten Foulspiels Gelb-Rot.

1.FC Köln - VfB Stuttgart 0:0 (0:0)

In der ersten Hälfte plätschert das Spiel so vor sich hin. Es kommt nur zu einer nennenswerten Chance. Harnik zieht in der 17. Minute ab, Horn ist aber zur Stelle. In Halbzeit zwei kommt der VfB durch Leitner zu seiner besten Chance (58.). Der Leihspieler von Dortmund knallt einen Ball ans rechte Kreuzeck. Der FC wacht viel zu spät auf, erarbeitet sich aber durch den eingewechselten Finne noch zu zwei guten Gelegenheiten (78./83.). Alles in allem ist es ein gerechtes Unentschieden, bei dem sich beide über einen Punkt freuen können.

SC Paderborn - Hamburger SV 0:3 (0:1)

In einem umkämpften Spiel rennen die Hausherren nach dem frühen Elfmetertreffer von van der Vaart (2.) lange einem Rückstand hinterher. In der zweiten Hälfte schnuppert Paderborn zeitweise am Ausgleich, muss in der 72. Minute aber trotzdem das unglückliche 0:2 durch Jansen hinnehmen. In der Folge ist beim Aufsteiger etwas die Luft raus, und so macht Hamburg in der Nachspielzeit durch Stieber mit dem 3:0 alles klar (90.+1).

Als mahnendes Beispiel verwies Guardiola sogar auf die verzwickte Situation von Borussia Dortmund: „Ich schätze Jürgen Klopp, ich schätze den BVB. Sie haben super Spieler, eine Spitzenmannschaft. Aber heute sind sie Tabellenletzter. Das kann uns auch passieren.“

Im Topspiel gegen den Tabellenvierten Schalke muss der immer noch unangefochtene Spitzenreiter vor allem eine Frage beantworten: War Wolfsburg ein Wirkungstreffer oder nur ein Wachrüttler? „Wir müssen sofort eine Reaktion zeigen“, lautet die Forderung von Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge: „Denn die erste Phase der Rückrunde ist für uns absolut wegweisend.“

Die Ansagen der Bayern-Profis fallen entschlossen aus. „Wir haben bis Dienstag Zeit, das Ganze zu analysieren. Dann werden wir wieder da anknüpfen, wo wir in der Hinrunde aufgehört haben“, sagte Mario Götze, der neu in die Startelf rücken könnte.

Wir müssen nur zu unserem Spiel finden, dann wird alles gut“, erklärte Bastian Schweinsteiger unaufgeregt. Und Thomas Müller, der dritte Weltmeister, kündigte einen wild entschlossenen FC Bayern an. „Die Motivation, das wieder geradezurücken, ist natürlich sehr hoch.“

Schalke war zuletzt ein gern gesehener Gast in München. 5:1 und 4:0 lauteten die letzten Resultate, zudem haben die Bayern die letzten elf Liga-Heimspiele saisonübergreifend alle gewonnen. Und Schalke-Manager Horst Heldt bemerkte skeptisch: „Die Bayern bekommen selten Niederlagen, und schon gar nicht zweimal hintereinander.“

Aber Heldt sagte auch: „Wir versuchen, es genauso gut zu machen wie Wolfsburg.“ Hinten stabil, aggressiv in den Zweikämpfen und forsch kontern, das soll die Marschroute sein. Di Matteo dürfte wie einst mit Chelsea viel Beton anrühren, zumal Torjäger Klaas-Jan Huntelaar nach seiner Roten Karte beim Sieg gegen Hannover gesperrt fehlt.

„Schalke hat eine sehr gute defensive Organisation“, lobte Guardiola: „Wir müssen geduldig und clever spielen.“ Und vor allem weniger Konter als in Wolfsburg zulassen. „Wenn wir den Gegner laufen lassen, sind wir kaputt“, mahnte der Bayern-Coach, der aber keineswegs in Panik verfällt: „17 Spiele haben wir es sehr gut gemacht - und jetzt einmal nicht.“

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