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04.11.2013

14:44 Uhr

Bundesliga

Fußballprofis droht Welle von Steuerprüfungen

Bei jedem dritten, kickendem Großverdiener gibt es laut einem Bericht Verdachtsmomente für nicht deklarierte Einkünfte. Die Vereinigung der Vertragsfußballer empfiehlt ihren Mitgliedern im Zweifel eine Selbstanzeige.

Raymond Kalla 2008 auf der Anklagebank. Der frühere Abwehrspieler des VfL Bochum wurde 2008 wegen Steuerhinterziehung zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. dpa - picture-alliance

Raymond Kalla 2008 auf der Anklagebank. Der frühere Abwehrspieler des VfL Bochum wurde 2008 wegen Steuerhinterziehung zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Fast jede dritte Steuerklärung von Bundesligaspielern ist nicht vollständig. Die Folge sind nach Informationen des WDR verstärkt Betriebsprüfungen bei den Großverdienern unter den Kickern. Eine Stichprobe des Landesrechnungshofes Niedersachsen bei 60 kickenden Großverdienern ergab in fast jedem dritten Fall Verdachtsmomente für nicht deklarierte Einkünfte vor allem aus Werbung und Handgeldern.

Die Vereinigung der Vertragsfußballer hat ihre Mitglieder bereits vor den Betriebsprüfungen gewarnt und empfiehlt im Zweifel eine Selbstanzeige.

Die Steuergewerkschaft in Nordrhein-Westfalen geht von zahlreichen bisher unentdeckten Steuervergehen aus. „In Zusammenhang mit der Schweizer Steuer-CD sind Vorgänge bekannt geworden, die über Schweizer Konten sich abwickelten, die in Zusammenhang mit Panini liefen.

Selbstbefreiende Selbstanzeige

Ist die strafbefreiende Selbstanzeige so kompliziert?

Vom Grundsatz her eigentlich nicht. Wer Steuern hinterzogen hat und sich ehrlich machen will, soll geräuschlos aus der Falle herauskommen können. Ohne dieses Instrument hätte er keine Chance, sich selbst zu überführen. Es gibt ähnliche Wege im Strafrecht - eben nur nicht so „komfortabel“ wie bei Steuerbetrug. Kompliziert wird das Ganze durch die vielen Vorgaben von Justiz und Politik, die in den vergangenen Jahren verschärfend dazugekommen sind.

Welche Auflagen gibt es denn?

Generell muss eine Selbstanzeige rechtzeitig eingangen sein, und sie darf keinerlei Lücken aufweisen, um strafbefreiend zu sein. Für jedes Steuerjahr und jede einzelne Steuerart - von der Einkommen- bis zur Umsatzsteuer - muss für zehn Jahre lückenlos alles auf den Tisch. Die Zeiten der Salamitaktik und „Fußmattentheorie“ für Straffreiheit per Selbstanzeige - also scheibchenweise Aufklärung und Steuerfahnder stehen fast vor der Tür - sind vorbei. Die Meinungen gehen aber darüber auseinander, wann ein Steuerbetrüger etwas geahnt oder gewusst haben müsste und wann er sich zu spät angezeigt hat. „Der Bundesgerichtshof neigt hier zu strenger Auslegung“, sagt der Steuerberater und Rechtsanwalt Markus Deutsch.

Sind folgende Ermittlungen und gar ein Haftbefehl normal?

Ermittlungen der Finanzbehörden werden nach Eingang der Selbstanzeige eigentlich automatisch eingeleitet. „Denn einen Anfangsverdacht gibt es ja im Zuge dieser Offenbarung“, sagt Deutsch. Der Fiskus müsse prüfen, ob diese plausibel sowie vor allem vollständig ist und damit wirksam werden kann.

Und Haftbefehl samt Hausdurchsuchung?

Hausdurchsuchung und Haftbefehl sind nach einer Selbstanzeige schon ungewöhnlich. Denn eigentlich sollte eine Selbstanzeige ohne Risiken eingereicht sein. Für eine Anklage ist ein „hinreichender Tatverdacht“ nötig, für einen Haftbefehl „dringender Tatverdacht“. Die Ermittler gehen dann unter anderem von Fluchtgefahr aus. Das erklärt auch eine Kaution, um wieder auf freien Fuß zu kommen.

Lassen Haftbefehl und Kaution Rückschlüsse auf die Straftat zu?

Ein Haftbefehl lässt natürlich aufhorchen. Rückschlüsse auf den Umfang des Steuerbetrugs sind aber nicht möglich. Es könnte allenfalls ein Hinweis darauf sein, dass eine schwerwiegendere Tat im Raum steht, aber nicht darauf, wie der Fall am Ende ausgeht. Womöglich zeigt sich die bayerische Justiz auch unnachgiebig und will keinen Verdacht auf einen Prominentbonus aufkommen lassen. Deutsch: „Von einem „blau-weißen Steuerparadies kann keine Rede sein.“ Die Unschuldsvermutung gelte aber weiter.

Wann geht ein Steuerbetrüger nach Selbstanzeige straffrei aus?

Wenn alle Vorgaben erfüllt sind. Wer pro Jahr und Steuerart mehr als 50.000 Euro hinterzogen hat, muss auch fünf Prozent Zuschlag zahlen - neben Hinterziehungssumme und Zinsen. Strafrechtlich verfolgt werden können Steuerbetrüger für fünf Jahre. In schwereren Fällen - die Summe der verschwiegener Steuern eines Jahres liegt bei 100.000 Euro und mehr - verjährt Steuerhinterziehung erst nach zehn Jahren. Mit einer Geldstrafe kommt man ab dieser Summe kaum davon, Haftstrafe wird aber oft zur Bewährung ausgesetzt.

Und wann wird es ernst?

Dem BGH war laut Deutsch immer ein Dorn im Auge, dass selbst bei höheren Beträgen Verfahren eingestellt wurden. Daher haben die Richter Zusatz-Schwellen eingezogen, ab wann ein Steuerbetrüger nicht mehr mit Bewährungsstrafe davon kommt. So wird Gefängnis in der Regel fällig, wenn mehr als eine Million Euro hinterzogen wurde und eine strafbefreiende Selbstanzeige abgelehnt wurde - es sei denn, andere Gründe sprechen dagegen, ein Geständnis etwa. Eine misslungene Selbstanzeige kann eine Strafe zumindest lindern. Ist sie aber wirksam, geht ein Steuerbetrüger straffrei aus - auch wenn er riesige Summen verschwiegen hat, selbst in Milliardenhöhe.

Da wurden beispielsweise die deutschen Panini-Bilder in der Schweiz lizensiert und in Italien gedruckt; und da wurden dann Kontenbewegungen bekannt. Bekannt wurde dann auch, dass deutsche Spieler Geld bekommen haben für die Hingabe ihrer Persönlichkeitsrechte und die sind in deutschen Steuererklärungen auch nie aufgetaucht“, sagte Manfred Lehmann, Vorsitzender der Steuergewerkschaft gegenüber dem WDR-Magazin „sport inside“.

Wegen der häufigen Vereinswechsel von Fußballprofis ist Überprüfung der Steuerakten für die Finanzämter allerdings ein Alptraum: In vielen Fällen werden die Erklärungen erst nach Jahren abgegeben, wenn die Spieler bereits im Ausland leben.

Dennoch begrüßt Lehmann die Initiative der Finanzbehörden: „Die Branche hat erkannt dass wir hier ein Problem haben, gleichzeitig ist aber auch die Finanzverwaltung noch mal darauf aufmerksam gemacht worden, dass es sich lohnt noch ein Auge extra auf den Profisport zu werfen. Ich gehe davon aus, dass im Profifußball, in den nächsten Jahren, deutlich mehr Ermittlungen stattfinden werden."

Der Fall erinnert an den des ehemaligen Bochumer Profis Raymond Kalla, der 2008 vom Bochumer Landgericht unter anderem zu 20 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde, weil er ein Handgeld von 930.000 Euro nicht versteuert hatte.

Von

deli

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