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04.02.2015

14:07 Uhr

Bundesliga

Klopp versus Krise

Der zweite Teil der ersten Englischen Woche ist vom Abstiegskampf geprägt. Besonders stark stehen dabei Borussia Dortmund und der VfB Stuttgart im Fokus. Aber auch für Paderborn und den HSV ist die Lage prekär.

Unermüdlicher Antreiber: Dortmund-Coach Jürgen Klopp im Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen. ap

Jürgen Klopp

Unermüdlicher Antreiber: Dortmund-Coach Jürgen Klopp im Spiel gegen Bayer 04 Leverkusen.

DüsseldorfJürgen Klopp und Huub Stevens haben es längst erkannt. Der Kampf gegen die drohende Zweitklassigkeit bedeutet fighten, den Gegner niederringen, Abkehr vom Champagner-Fußball. „Da muss die B-Note außen vor bleiben“, umschrieb BVB-Chefcoach Klopp die missliche Lage des Tabellenletzten aus Dortmund.

Die Rollenverteilung ist mehr als ungewohnt. Als Tabellen-Letzter empfängt der gebeutelte BVB den zum Europa-League-Kandidaten aufgestiegenen FC Augsburg. Klopp setzt zunächst auf Kampf und Ergebnisfußball - und verlangt eine Wagenburgmentalität.

Die Abkehr vom Champagner-Fußballer ist für Jürgen Klopp kein dauerhafter Paradigmenwechsel. Aber in der gegenwärtigen Situation favorisiert der Trainer von Borussia Dortmund Tugenden wie Kampf und Einsatzbereitschaft, eine stabile Grundordnung und Defensive.

Zahlen und Fakten zum 19. Bundesliga-Spieltag

Bayern München - FC Schalke 04 1:1 (0:0)

In der ersten Hälfte geht es schon früh zur Sache. In der 17. Minute zieht Boateng gegen Sam die Notbremse. Choupo-Moting tritt zum Elfmeter an und schießt Neuer direkt in die Arme. Daraufhin nutzt Schalke die Überzahl aber nicht aus. Die Bayern sind das bessere Team und kommen zu besseren Chancen. In der zweiten Hälfte wacht Schalke ein wenig auf, doch der FCB geht in der 67. Minute durch einen Kopfball von Robben in Führung. Nur kurze Zeit später macht Schalke aber durch Höwedes (72.) den Ausgleich.

Borussia Mönchengladbach - SC Freiburg 1:0 (1:0)

Die Fohlen schlagen die Freiburger nach einer intensiven Partie mit 1:0. Herrmann bringt die Gladbacher in der 23. Minute in Führung. Viele Chancen haben die Gastgeber nach diesem Tor nicht mehr. Freiburg ist spielerisch stärker als die Gladbacher. Die Breisgauer müssen trotz einiger brandgefährlicher Chancen mit einer Niederlage nach Hause fahren.

Eintracht Frankfurt - VfL Wolfsburg 1:1 (0:0)

In der ersten Halbzeit sehen die Zuschauer in der Commerzbank-Arena eine ausgeglichene Partie. Die Frankfurter beginnen aggressiv und stören früh. Die Wolfsburger kommen mit andauernder Spieldauer jedoch besser in die Partie und haben mehr Ballbesitz. Mit einem 0:0 geht es in die Pause. In der zweiten Halbzeit nimmt das Spiel an Fahrt auf. Stefan Aigner trifft in der 58. zur Führung für die Eintracht. Lange Zeit sieht es so aus als würde die Eintracht den Heimsieg nach Hause bringe, ehe der schwache de Bruyne in der 88. Minute zum glücklichen Ausgleich trifft.

Hannover 96 - FSV Mainz 05 1:1 (1:0)

Hannover ist in der ersten Halbzeit die deutlich bessere Mannschaft und kann in der 26. Minute durch Briand in Führung gehen. In der zweiten Halbzeit wendet sich das Blatt. Mainz dominiert und kann durch den eingewechselten Soto den Ausgleich erzielen (77.). Mit der Einwechselung von Sobiech und der Umstellung auf zwei Spitzen kann Hannover in den letzten Minuten der Partie nochmal Druck erzeugen. Der Sieg bleibt ihnen jedoch verwehrt und wäre auch unverdient.

Borussia Dortmund - FC Augsburg 0:1 (0:0)

n einem durchschnittlichen Bundesliga-Spiel gewinnt der FC Augsburg durch ein Tor von Raul Bobadilla (50.) mit 1:0. Dortmund zeigt sich nur Mitte der ersten Halbzeit druckvoll. Insgesamt präsentieren sich die Schwarz-Gelben ideen- und mutlos. Selbst nach der Roten Karte für Christoph Janker (64.) erspielt sich der BVB kaum Torchancen. Der Dreier ist somit für clever verteidigende Augsburger nicht unverdient.

TSV Hoffenheim - Werder Bremen 1:2 (1:1)

Werder Bremen setzt sich bei 1899 Hoffenheim mit 2:1 (1:1) durch und macht damit einen großen Schritt aus dem Tabellenkeller. Vor 22.000 Zuschauern legen die Bremer in beiden Halbzeiten einen Blitzstart ein: Franco di Santo (9.) und Philipp Bargfrede (52.) lassen die Werder-Fans jeweils frühzeitig jubeln. Den zwischenzeitlichen Ausgleich besorgt Ermin Bicakcic (34.). Hoffenheim hat über weite Strecken der Partie die größeren Spielanteile, Bremen kontert aber immer wieder gefährlich, so dass der Auswärtsdreier für die Norddeutschen letztlich nicht unverdient ist.

Hertha BSC - Bayer Leverkusen 0:1 (0:0)

Die erste Halbzeit beginnt verheißungsvoll, wird aber mit zunehmender Spielzeit unattraktiver. Leverkusen erwischt eine optimalen Start in die zweite Hälfte und geht durch Kießling in der 49. Minute in Führung. Die Hertha wirkt in der Folge geschockt und findet erst zu spät wieder zurück in die Partie. Die Elf von Roger Schmidt verteidigt stark und lässt nichts zu. In der 90. Minute folgt dann aus Sicht der Hertha das negative Highlight der Partie. Sebastian Langkamp sieht wegen wiederholten Foulspiels Gelb-Rot.

1.FC Köln - VfB Stuttgart 0:0 (0:0)

In der ersten Hälfte plätschert das Spiel so vor sich hin. Es kommt nur zu einer nennenswerten Chance. Harnik zieht in der 17. Minute ab, Horn ist aber zur Stelle. In Halbzeit zwei kommt der VfB durch Leitner zu seiner besten Chance (58.). Der Leihspieler von Dortmund knallt einen Ball ans rechte Kreuzeck. Der FC wacht viel zu spät auf, erarbeitet sich aber durch den eingewechselten Finne noch zu zwei guten Gelegenheiten (78./83.). Alles in allem ist es ein gerechtes Unentschieden, bei dem sich beide über einen Punkt freuen können.

SC Paderborn - Hamburger SV 0:3 (0:1)

In einem umkämpften Spiel rennen die Hausherren nach dem frühen Elfmetertreffer von van der Vaart (2.) lange einem Rückstand hinterher. In der zweiten Hälfte schnuppert Paderborn zeitweise am Ausgleich, muss in der 72. Minute aber trotzdem das unglückliche 0:2 durch Jansen hinnehmen. In der Folge ist beim Aufsteiger etwas die Luft raus, und so macht Hamburg in der Nachspielzeit durch Stieber mit dem 3:0 alles klar (90.+1).

Auch im ersten Heimspiel des Jahres an diesem Mittwoch (20.00 Uhr) gegen den FC Augsburg will sich der Fußball-Lehrer nicht von der seiner Ansicht nach unangemessen hohen Erwartungshaltung treiben lassen. „Wichtig ist, dass wir eine Wagenburg um uns herum bauen. Wir müssen diese Liga halten, das werden wir tun. Nichts anderes zählt“, sagte Klopp vor dem Duell mit dem Tabellen-Fünften.

Die öffentliche Kritik an der wenig ansehnlichen Vorstellung, mit der sein Team beim 0:0 in Leverkusen einen Punkt ergatterte, schmeckt Klopp nicht. „Wenn man zu großen Schritten noch nicht in der Lage ist, muss man kleine machen“, verteidigte der Coach vehement die momentane Spielweise.

So dürfte Klopp die Meinung des Kollegen Markus Weinzierl vor dem Gastspiel im Signal Iduna Park gar nicht gefallen. Denn der Augsburger Trainer hält an der eigenen Außenseiterrolle fest. „Das ist eine kuriose Situation“, sagte Weinzierl am Dienstag: „Es spielt der Tabellenfünfte beim 18., und der 18. ist in diesem Spiel sicherlich der Favorit.“ Der Coach sieht „viel Brisanz“ in der Partie und findet: „Dortmund muss gewinnen.“

Klopps Plan ist klar und verständlich. Der Tabellenletzte will sich zunächst Stück für Stück Luft verschaffen im Abstiegskampf, um über kleine Erfolgserlebnisse irgendwann die Sicherheit und Leichtigkeit früherer Jahre zurückzugewinnen. „Es ist bei uns eine Frage der Geduld. Denn Selbstvertrauen kann man sich nicht in der Vorbereitung holen“, erläuterte der Trainer.

Aus der Partie bei Bayer nimmt Klopp das Positive mit. „Das zu Null in Leverkusen war ein großer Schritt nach vorne. Insgesamt war das eine sehr stabile Formation. Unser Spiel war sicherlich nicht perfekt, aber es war eine große Bereitschaft für unsere Situation da.“

Es gehe „einzig und allein darum, zu punkten und so schnell wie möglich die Abstiegsränge zu verlassen“, sagt auch Roman Weidenfeller. Zwar sei es eine schwierige Phase, gab der Torhüter zu. Aber in der Saison 2006/2007 sei es noch kritischer gewesen. „Damals standen wir am 27. Spieltag auf dem 17. Tabellenplatz“, erinnerte Weidenfeller. „Damals haben wir es gemeinsam gemeistert und jetzt werden wir es auch schaffen.“

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