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13.09.2013

22:47 Uhr

Bundesliga-Spielbericht

Ulreich hält die drei Punkte fest

19 Heimspiele ohne Niederlage – nun ist die Serie der Hertha gerissen. Stuttgart gewinnt in Berlin dank Gentners Kopfball mit 1:0, muss sich aber auch bei Keeper Ulreich bedanken. Der parierte mehrmals glänzend.

VfB-Keeper Sven Ulreich rettete seinem Team mit einigen Paraden den Sieg. AFP

VfB-Keeper Sven Ulreich rettete seinem Team mit einigen Paraden den Sieg.

Alle Berliner Spieler versammelten sich im Mittelkreis, schüttelten die Köpfe und konnten es nicht fassen. Mit einem überragenden Sven Ulreich im Tor hat der VfB Stuttgart einer überlegenen Hertha die erste Heimniederlage seit 491 Tagen zugefügt und seinen Aufwärtstrend fortgesetzt. Der Gäste-Keeper sicherte im Freitagspiel des 5. Spieltags der Fußball-Bundesliga mit einem halben Dutzend starker Paraden den glücklichen 1:0 (0:0)-Sieg der Schwaben in der Hauptstadt. Den entscheidenden Treffer markierte VfB-Kapitän Christian Gentner nach einer Standardsituation per Kopfball in der 49. Minute.

Aufsteiger Hertha war über weite Strecken das dominierende Team, konnte gegen die Stuttgarter Defensive aber keine der zahlreichen Chancen nutzen. Noch in letzter Sekunde vergab Peter Pekarik die riesige Möglichkeit zum Ausgleich. Für die Berliner ist es die erste Heimpleite unter Trainer Jos Luhukay überhaupt. Zuletzt hatte Hertha im Olympiastadion am 10. Mai 2012 in der Bundesliga-Relegation gegen Fortuna Düsseldorf verloren (1:2).

„Es ist ärgerlich und schade für die Mannschaft. Die Jungs haben ein gutes Spiel gemacht“, sagte Hertha-Manager Michael Preetz dem TV-Sender Sky. Trainer Jos Luhukay schaute auch betreten drein: „Das Problem war, dass wir unsere klaren Chancen nicht genutzt haben. Wir hätten drei Punkte hierbehalten sollen.“ Sein Stuttgarter Pendant Thomas Schneider stellte erleichtert fest: „Jetzt haben wir den Anschluss geschafft und können in Ruhe arbeiten.“. VfB-Manager Fredi Bobic gestand: „Da war Glück dabei, aber das muss man sich auch erarbeiten.“

Für den VfB war es im zweiten Spiel unter Schneider der zweite Ligasieg und der zweite Sieg in Berlin in den vergangenen 22 Jahren. Die Berliner (7 Punkte) verpassten den möglichen Sprung auf den zweiten Tabellenplatz. Stuttgart kletterte mit nun sechs Zählern hinter Hertha auf Platz sieben.

Deutsche Torwart-Titanen

Sepp Maier - der lustige Revoluzer des Torwartspiels

Der Weltmeister von 1974 revolutionierte das Torwartspiel im Strafraum. Kein anderer wagte sich so weit aus seinem Gehäuse heraus, um so sicher so viele Flanken und Eckbälle abzufangen. Maier stand 95 Mal für Deutschland im Tor und spielte 473 Bundesligapartien für den FC Bayern. Wurde es ihm zwischen den Pfosten zu langweilig, kehrte er auch im Spiel den bayerischen Gaudibub heraus. Einmal setzte er im Münchener Olympiastadion zum Pläsier der Kameraleute einen Hechtsprung nach einer verirrten Ente an. Das Tier entkam.

Oliver Kahn - der tragische Held

„Das kahn doch nicht wahr sein“, kalauerten Boulevard-Medien nach Kahns Patzer im WM-Finale 2002. Sein erster Fehlgriff nach gefühlten Jahrzehnten besiegelte die deutsche Niederlage gegen Brasilien. Tragisch: Mit spektakulären Paraden hatte der damalige Bayern-Keeper die eher durchschnittliche deutsche Mannschaft überhaupt erst ins Finale geboxt. Der größte Fehler im wichtigsten Spiel, dieses Schicksal teilt der „Titan“ mit seinem Vorbild …

Toni Schumacher - der Besessene

Der langjährige Torwart des 1. FC Köln leistete sich im WM-Finale 1986 einen seltenen kapitalen Fehlgriff: Wie ein Kanarienvogel segelte der Europameister von 1980 im gelben Dress unter einer Flanke hindurch und leitete damit die deutsche 2:3 Niederlage gegen Argentinien ein. Schumacher war Opfer seines unbändigen Ehrgeizes geworden: „Ich hatte während des gesamten Spiels noch keinen Ball gehalten und wollte diese Flanke unbedingt haben.“ Zuviel gewollt.

Toni Turek - der leichtsinnige Fußballgott

Der liebe Gott kommt aus Duisburg! Zumindest wenn es nach Reporterlegende Herbert Zimmermann geht. „Turek, du bist ein Fußballgott“, trällerte er selig ins Mikro, als Toni die ungarischen Spieler mit unzähligen Rettungstaten im WM-Finale von Bern 1954 schier zu Verzweiflung brachte. Turek rief im wichtigsten Spiel seiner Karriere sein gesamtes Potenzial ab. In 19 weiteren Länderspielen blieb er eher blass. Mit seinen spektakulären Ausflügen manchmal bis in des Gegners Hälfte verzückte er die Fans. Dem Bundestrainer Sepp Herberger gefielen diese Volten weniger. Er nannte Turek, der 1984 verstarb, einen „leichtsinniger Bruder“.

Rudi Kargus - die unschlagbare ewige Nummer zwei

Die ganz große Karriere blieb dem langjährigen Torwart des Hamburger SV verwehrt, weil er an Sepp Maier im Nationaldress nie vorbeikam. Gerade einmal drei Länderspiele stehen für Kargus zu Buche. Dennoch ist er unschlagbar: Von 70 Bundesliga-Elfmetern parierte er 23 – Rekord. Zum Vergleich: Sepp Maier entschärfte nur neun von 69.

Uli Stein - der Verschmähte

Einem anderen Torwart des Hamburger SV ging es nicht besser. Was Sepp Maier für Rudi Kargus, war Toni Schumacher für Uli Stein. Beim Versuch, den Kölner aus dem Nationaltor zu verdrängen, biss Stein bei Teamchef Franz Beckenbauer auf Granit. Das schmeckte dem Verschmähten nicht und er hieß Beckenbauer einen „Suppenkasper“. Der Kaiser schickte Stein schnurstracks von der WM in Mexiko nach Hause. Sechs Länderspiele hatte der sonst zuverlässige Stein bis dahin bestritten - und mehr als 500 Mal in der Bundesliga zwischen den Pfosten gestanden.

Bert Trautmann - der missachtete Aussöhner

In England haben Sie ihm ein Denkmal gesetzt. Von 1949 bis 1964 bestritt der Bremer 545 Spiele für Manchester City – und wenn es sein musste, riskierte er dabei sogar sein Leben. Kurz nach seiner Wahl zum Spieler des Jahres in England sprang ihm im Pokalfinale 1956 gegen Birmingham ein Gegner in den Nacken und brach ihm dabei das Genick. Trautmann hielt die verbliebene Viertelstunde durch. Der knochenhart erkämpfte 3:1-Erfolg ist nur ein Verdienst des weltbesten Torhüters. Mit seinen Leistungen und seinem fairen Spiel trieb er die Aussöhnung zwischen Deutschen und Engländern nach dem Krieg voran. Ein Auftritt in der Nationalmannschaft blieb ihm verwehrt. Trainer Sepp Herberger berücksichtigte Auslandsprofis nicht.  

Heiner Stuhlfauth - der dritte Verteidiger

Zwischen 1918 und 1922 verlor der 1. FC Nürnberg von 104 Verbandsspielen keines. Großen Anteil daran hatte Heiner Stuhlfauth, mit dem die Franken in den 20er-Jahren fünf deutsche Meisterschaften errangen. Der 21-malige Nationalspieler gilt als Pionier des spielenden Torwarts. Die Journalisten priesen ihn als dritten Verteidiger.

Jürgen Croy - der Sepp Maier des Ostens

Mit Sachsenring Zwickau machte er kaum Furore. Doch nach eigenem Bekunden hätte er auch bei Bayern München im Tor stehen können. Für den Ostdeutschen Jürgen Croy stand fest: Torhüter in der DDR waren genauso stark wie die Top-Torhüter der 70er-Jahre im Westen. Ein Wechsel in den Westen sei für ihn nie in Betracht gekommen, schon zum Schutz seiner Familie. So bleiben in der Bilanz des erfolgreichsten DDR-Torhüters 94 Einsätze in der Nationalmannschaft, drei Wahlen zum DDR-Fußballer des Jahres und natürlich der 1:0-Sieg der DDR über die Bundesrepublik Deutschland bei der WM 1974. Damals im Tor der Westdeutschen: Sepp Maier.

Jens Lehmann - zwischen Genie und Wahnsinn

Mit 41 Jahren sucht Jens Lehmann wieder einen neuen Verein. Eigentlich war der WM-Torhüter von 2006 schon in Fußball-Rente. Doch auch wenn er jetzt keinen Job mehr bekommen sollte, an Lehmann wird man sich noch lange erinnern. Zum einen wegen einer weitgehend fehlerfreien WM 2006, in deren Vorfeld er Oliver Kahn als Nummer eins verdrängte. Und zum anderen wegen einiger haarsträubender Fehlgriffe, die er nur Sekunden später regelmäßig mit Weltklasseparaden wiedergutmachte.

Schneider setzte auf die Startelf, der gegen Hoffenheim beim 6:2 der Befreiungsschlag geglückt war. Neuzugang Karim Haggui saß nur auf der Bank. Luhukay sorgte dagegen für mehrere personelle Ausrufezeichen und setzte auf Risiko. Die neuen Leihspieler, der 21-jährige Tolga Cigerci und Per Skjelbred, standen gleich in der Anfangsformation. Ronny war nach dem Bundesliga-Aufstieg erstmals von Beginn an dabei: Offensiv sollte es also bei den Berlinern vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw zugehen. Und die Hertha legte entsprechend los.

Besonders über Änis Ben-Hatira wurde der direkte Weg zum Tor gesucht. Der VfB aber stand konsequent hinter der Mittellinie und verhinderte das zuletzt erfolgreiche Umschaltspiel der Hausherren. Beste Gelegenheit war ein Volleyschuss von Ben Hatira (18. Minute), den Ulreich per Faustabwehr parierte. Versuche von Ronny (18.) und Adrian Ramos (25.) gingen über das Tor. Ansonsten schaffte es die Hertha nicht, die gute VfB-Organisation auszuhebeln.

Und Stuttgart? Lange war offensiv nichts zu sehen. Dann gab's doch noch die beste Chance der ersten Halbzeit. Einen Kopfball von Gentner nach einem Freistoß entschärfte Hertha-Schlussmann Thomas Kraft (40.) mit einem sensationellen Reflex. Kurz nach der Halbzeit hatte der Torwart dann keine Chance. Wieder stieg Gentner nach einem Eckball von Alexandru Maxim hoch und köpfte von Fabian Lustenbergers Stellungsfehler begünstigt zur VfB-Führung ein.

Hertha ließ aber nicht locker. Schon kurz darauf hätte Skjelbred (51.) mit seinem Premierentor den Ausgleich schießen können, scheiterte nach Vorarbeit von Ramos aber aus kurzer Distanz an Ulreich. Auch gegen Hosogai (59.) und John Anthony Brooks (66.) parierte dieser sehr geschickt.

Von

dpa

Kommentare (1)

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scharfschuetze

14.09.2013, 00:08 Uhr

Stuttgart ist viel schöner als Berlin--
und auch im Fußball besser. Wie sonst auch.
Ach, wird der Tierse jetzt wieder plärren!

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