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18.11.2015

15:57 Uhr

Bundesliga spielt am Wochenende

Das Stadion als Hochsicherheitstrakt

Der Bundesliga-Spieltag am kommenden Wochenende soll stattfinden. Doch die Klubs debattieren nach dem Schock von Paris über neue Sicherheitsmaßnahmen. Am Freitag steht das Spiel in Hamburg im Brennpunkt.

Das Spiel der beiden Bundesliga-Teams am Freitag steht unter besonderer Beobachtung. dpa

Hamburger gegen Dortmund

Das Spiel der beiden Bundesliga-Teams am Freitag steht unter besonderer Beobachtung.

Frankfurt/HamburgPolizeisirenen statt Fan-Gesänge - der Schock von Hannover zwingt den deutschen Fußball zum Umdenken. Die Angst vor Terroranschlägen hat auch die Bundesliga erreicht. Zwar wurden Gedanken an eine Absage des kommenden Spieltages schnell verworfen. Aber die Verschärfung der Sicherheitsstandards wird intensiv diskutiert.

In tiefer Sorge sprach Martin Kind, Präsident von Hannover 96, vom Beginn einer neuen Zeitrechnung: „Das wird den Fußball verändern und stellt uns vor eine neue Herausforderung.“ Ähnlich bestürzt äußerte sich Ligapräsident Reinhard Rauball: „Der Fußball hat mit dem heutigen Tag in vielen Facetten eine andere Wendung bekommen.“

Sport angesichts der Terror-Angst

Heikles Wochenende

Nach dem kurzfristig abgesagten Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden wegen einer Terror-Drohung sollen andere große Sportveranstaltungen wie geplant stattfinden. Die Veranstalter reagieren teils mit angepassten Sicherheitskonzepten.

Reiten

Beim internationalen Reitturnier in Stuttgart werden bis zum Sonntag mehr als 50.000 Besucher erwartet. „Wir hatten gestern Besprechungen mit den Behörden“, sagte Turnierchef Gotthilf Riexinger vor der Veranstaltung, die am Mittwoch begann. Zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen seien bei Deutschlands größtem Hallen-Reitturnier mit Weltcup-Prüfungen für Spring- und Dressurreiter nicht geplant.

Boxen

Boxweltmeister Arthur Abraham und sein britischer Herausforderer Martin Murray wollen am Samstag in Hannover unbeirrt in den Ring steigen. „Wir lassen uns von den Geschehnissen nicht verunsichern. Wir gehen davon aus, dass alles friedlich über die Bühne geht“, sagte Abraham. Für den Kampfabend sind bislang rund 5000 Karten verkauft worden. „Wir stehen mit der Polizei in ständigem Kontakt. Wir passen das Sicherheitskonzept den Erfordernissen an“, erklärte Promoter Kalle Sauerland.

Schwimmen

Auch die Kurzbahn-Meisterschaft der deutschen Schwimmer soll wie geplant ausgerichtet werden. Volkmar Schwarz, Geschäftsführer des Wuppertaler Stadtsportbundes: „Wir gehen sicher davon aus, dass die Polizei in Wuppertal so sensibilisiert ist, dass sie weiß, was im Vorfeld oder auch bei der Veranstaltung selbst zu tun ist.“ Zur Kurzbahn-DM werden knapp 1000 Sportler, Trainer und Fans erwartet.

Eishockey

Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) hat laut Geschäftsführer Gernot Tripcke keine Hinweise für eine erhöhte Gefahrenlage bei den Spielen an diesem Wochenende. „Wir versuchen, soweit wie möglich Normalität einkehren zu lassen“, sagte Tripcke. Die DEL hat den Kontakt zu den Sicherheitsbehörden gesucht. DEL-Rekordmeister Eisbären Berlin passt seine Sicherheitsmaßnahmen für die Spiele gegen die Nürnberg Ice Tigers am Freitag und die Hamburg Freezers am Sonntag an. Zuschauer müssten mit Wartezeiten rechnen, teilte der Club mit. Im Schnitt kommen zu den Heimspielen des früheren Serienchampions mehr als 12.000 Besucher.

Quelle: dpa

Wie schwer die Rückkehr in den Alltag nach den Terrorakten von Paris zu werden scheint, offenbarten die Vorkommnisse beim Länderspiel in Hannover. Abermals wurde die Freude am Sport von der Angst vor Terror überlagert. Unter diesem Eindruck forderte 96-Chef Kind ein einheitliches Konzept für alle Bundesligavereine unter Federführung der Deutschen Fußball Liga (DFL). In eine ähnliche Richtung ging die Argumentation von DFB-Interimschef Rainer Koch: „Für den Fußball in Deutschland gilt das Gleiche wie für alle anderen Großveranstaltungen in Deutschland auch. Wir müssen uns unter diesem Aspekt entsprechend aufstellen, wir müssen uns bewusst sein, dass Gefährdungslagen bestehen.“

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Nach der Länderspiel-Absage richtet sich der Fokus auf die Sicherheit in den Stadien der Fußball-Bundesliga. Doch wer ist dafür verantwortlich? Und wie schätzen Experten die Lage ein? Wichtige Fragen und Antworten.

Trotz der aktuellen Gefahrenlage sprachen sich die Vereinsvertreter unisono für eine Durchführung des Spieltages aus. Die deutlichsten Worte fand BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: „Es gibt keine Alternative. Wir müssen als Zivilgesellschaft Courage zeigen und dürfen nicht kapitulieren. Sonst jubeln doch genau die Leute, die jetzt nicht jubeln sollen.“ Die Reise zum Spiel der Borussia am Freitag in Hamburg tritt er nach eigenen Angaben ohne Angst an. „Wir sollten jetzt nicht in Hysterie verfallen, sondern gemeinsam überlegen, wie wir die ohnehin schon hohen Sicherheitsstandards noch erhöhen können“, sagte Watzke.

Erste Maßnahmen für das Wochenende sind bereits in Planung. Vielerorts werden mehr Ordnungskräfte eingesetzt und intensivere Einlasskontrolle stattfinden. Nicht zuletzt deshalb empfahlen die Clubs aus Köln und Mönchengladbach ihren Fans eine frühzeitige Anreise. Zu weiteren Details wollten sich die Vereine jedoch nicht äußern. „Wichtige Voraussetzung für die Sicherheit unserer Besucherinnen und Besucher ist die Tatsache, dass wir keine Details der Vorkehrungen an die Öffentlichkeit tragen, sagte Franz Spitzauer, Geschäftsführer Finanzen und Marketing beim FC Ingolstadt.

Die Namen hinter dem Horror von Paris

Identifizierung der Attentäter

Seit den Anschlägen von Paris arbeiten die französischen und belgischen Sicherheitsbehörden an der Identifizierung der getöteten Attentäter und möglicher Unterstützer. Ein Überblick über die bisher Identifizierten. (Quelle: Reuters)

Getötet: Abdelhamid Abaaoud

Mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris. Der Belgier aus dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek wurde eigentlich in Syrien vermutet. Am Donnerstag teilte die Staatsanwaltschaft mit, er sei bei der Razzia und anschließenden Schießerei am Mittwoch im Pariser Stadtteil Saint-Denis ums Leben gekommen. Offenbar wurde er erschossen.

Getötet: Ismail Omar Mostefai

Der Franzose mit algerischen Wurzeln war am Angriff auf die Konzerthalle Bataclan mit 89 Toten beteiligt. Mostefai lebte zeitweise in der Region von Chartres, südwestlich von Paris. Geboren wurde er in Courcouronnes im Süden der französischen Hauptstadt. Sein Name wurde von den Sicherheitsbehörden bereits 2010 auf eine Liste möglicher radikaler Islamisten gesetzt. Die türkische Regierung hat nach eigenen Angaben Frankreich im Dezember 2014 und im Juni 2015 wegen Mostefai kontaktiert, aber erst nach den Anschlägen eine offizielle Anfrage aus Frankreich erhalten.

Getötet: Samy Amimour

Der Franzose war ebenfalls am Angriff auf das Bataclan beteiligt. Er lebte in Drancy in der Nähe des nördlichen Pariser Stadtteils Saint-Denis, wo es am Mittwoch zu einer Schießerei mit einer mutmaßlichen zweiten Islamisten-Zelle kam. Amimour wurde seit Ende 2013 international gesucht. Seit Oktober 2012 wurde er von den Behörden beobachtet, weil der Verdacht bestand, er könnte sich in den Jemen absetzen.

Getötet: Fouad Mohamed Aggad

Er ist einer der drei Männer, die das Blutbad in der Konzerthalle Bataclan anrichteten. Der 23-Jährige kam aus dem französischen Straßburg und hatte vor den Anschlägen in Syrien gekämpft. Gemeinsam mit Amimour und Mostefaï hatte Aggad 89 Menschen in der Konzerthalle getötet. Als die Polizei das Gebäude stürmte, sprengte er sich in die Luft.

Getötet: Brahim Abdeslam

Der Franzose lebte in Belgien. Er sprengte sich vor dem Café Comptoir Voltaire in die Luft. Bruder des noch immer gesuchten Verdächtigen Salah Abdeslam.

Getötet: Bilal Hafdi

Einer der drei Angreifer auf das Pariser Fußballstadion Stade de France. 20 Jahre jung.

Unklar: Ahmad Al Mohammad

Bei einem weiteren Selbstmordattentäter beim Stade de France wurde ein Pass auf den Namen Ahmad Al Mohammad, 25 Jahre alt, aus dem syrischen Idlib gefunden. Die Fingerabdrücke des Mannes passen zusammen mit denen eines Flüchtlings, der unter dem Namen im Pass im Oktober 2015 in Griechenland registriert worden war. Über den dritten Selbstmordattentäter am Stade de France ist bisher nichts bekannt.

Gesucht: Salah Abdeslam

Der in Brüssel geborene Franzose wird verdächtigt, einen schwarzen VW Polo gemietet zu haben, der bei den Attacken in Paris eingesetzt wurde. Der Anwalt Xavier Carette sagte dem belgischen Sender RTBF, er sei am Sonntagmorgen von Paris nach Brüssel zurückgekehrt, nachdem er von der französischen Polizei auf dem Weg drei Mal gestoppt worden sei. Abdeslam wird auch Wochen nach dem Anschlag in Mitteleuropa vermutet.

Bedenken, dass viele Fußballanhänger aus Sorge um ihre Sicherheit die Arenen meiden, hegen die Bundesligisten nicht. Aussagen aus Fankreisen untermauern diese Einschätzung. „Ich kenne keinen, der wegen dieser Ereignisse sagt: Jetzt gehe ich nicht ins Stadion“, sagte Jan-Henrik Gruszecki. Der einstige Sprecher der „12:12“-Kampagne, mit der vor drei Jahren vehement gegen verschärfte Maßnahmen in den Bundesligastadien protestiert wurde, gab sich kämpferisch: „Angst habe ich nicht. Angst will ich vor allem nicht haben. Diesen Triumph möchten wir diesen Geisteskranken nicht überlassen.“

Kommentare (16)

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Herr Vinci Queri

18.11.2015, 16:12 Uhr

>>Zwar wurden Gedanken an eine Absage des kommenden Spieltages schnell verworfen.>>

Wenn paar Scherzkekse paar Knall-Frösche ins Publikum werfen, entsteht sehr schnell Panik und die Fans werden sich zu Hunderten TOTTRAMPELN !

Dann wollen wir sehen, wie diese Spiele weiterhin stattfinden.

Und auch echte Terroranschläge sind denkbar, nachdem die Politganoven Kriegsgelüster getrommelt haben.

Übrigens ist der Verdacht, dass das Spiel in Hannover wegen der bei sehr vielen Fans gefundenen Banner " Merkel muß weg " , abgesagt wurde, noch nicht entkräftet worden !

Man wollte mit der Absage der Beliebtesten wohl die Schmach ersparen !

Frau Michael Engel

18.11.2015, 16:31 Uhr

Was für eine Gehirnwäsche hat denn der bekommen, sich als Schießbudenfigur so hinzustellen? Da gehören 5000 Panzerwagen angeschafft und die Kosten den Gehältern der Bosse und Parteibonzen abgezogen, die uns diese Suppe seit 50 Jahren eingebrockt haben! Pension für Schröder, Kohl und Co.? Gestrichen!!

Herr Marc Otto

18.11.2015, 16:32 Uhr

Auch wenn ich Fussball nicht mag, so wünsche ich den Vereinen und den Fans ungestörte und schöne Spiele.

Auch wenn hier in Hannover noch viele extrem ängstlich sind, so vergeht auch diese Angst langsam wenn man sieht, wie unsere Polizei und dioe anderen Sicherheitsorgane eine wirklich hervorragende Arbeit gemacht haben. Vieles davon blieb "in der Kirche", aber es war trotzdem wohltuend, dass man sich im Ernstfall auf unsere Polizei verlassen kann.

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