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13.04.2017

00:20 Uhr

BVB

Eine Niederlage als Randnotiz

VonLeonidas Exuzidis

Die Reaktionen nach Abpfiff sprechen Bände: Der BVB hat das verlegte Spiel gegen Monaco zwar verloren, doch immerhin ist dieser schwierige Abend nun vorbei. Die Langzeitwirkung dürfte aber jetzt erst einsetzen.

BVB-Niederlage gegen Monaco

Niederlage, Wut auf Uefa und der Blick nach vorne

BVB-Niederlage gegen Monaco: Niederlage, Wut auf Uefa und der Blick nach vorne

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DortmundWer wissen wollte, wie sich die Hauptdarsteller dieses Abends wirklich fühlen, brauchte nach dem Abpfiff nur in das Gesicht von Nuri Sahin schauen. „In der vergangenen Nacht konnte ich noch nicht realisieren, was passiert ist. Es gibt so viele Dinge auf der Welt, die wichtiger sind als Fußball. Und vergangene Nacht haben wir das gemerkt“, sagte Dortmunds Mittelfeldspieler mit leerem Blick in die Kamera. „Ich werde diese Gesichter nie in meinem Leben vergessen. Da bin ich sicher.“

Es wird beinahe zur Randnotiz, dass Borussia Dortmund das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen den AS Monaco im heimischen Stadion verliert. 2:3, knapp, aber verdient. Die Monegassen waren unterm Strich dieses eine Tor besser. Sei’s drum: Irgendwie scheinen alle Beteiligten froh, dass dieser Abend nun vorüber ist. Fußball ist und bleibt nur die schönste Nebensache der Welt.

Schon häufig hat die Südtribüne ihre Mannschaft zu Höchstleistungen gepusht und kleine Fußballwunder erzwungen. Diesmal nicht. Lange sah es danach aus, als sei zumindest ein Unentschieden drin. Die Gäste ließen sich nach dem Abpfiff auf dem Rasen von ihren mitgereisten Fans feiern, auch die Dortmunder ernteten von ihren Anhängern verdienten Applaus.

Der Anschlag auf den BVB und das rätselhafte Islamisten-Schreiben

Ein ungewöhnlicher Tatort

Nach der Detonation von drei mit Metallstiften gespickten Sprengsätzen nahe dem BVB-Mannschaftsbus findet die Polizei drei gleichlautende Bekennerschreiben mit islamistischem Inhalt, der Generalbundesanwalt vermutet einen terroristischen Hintergrund. Es gibt zwei Verdächtige und eine Festnahme, doch auch eine Reihe von Ungereimtheiten. Wichtige Fragen und Antworten.

Steht schon fest, dass Islamisten oder die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hinter dem Anschlag stehen?

Keineswegs. Die Polizeibehörden gehen zahlreichen Tathypothesen nach. Neben dem islamistisch-salafistischen Hintergrund wollen sie am Mittwoch nicht ausschließen, dass es ganz andere Motive gibt. Die Spannbreite reicht von gewaltbereiten Fußballfans über Rechtsextreme oder auch Erpresser. Aus Sicherheitskreisen wird zur Zurückhaltung gemahnt: Dass die Festgenommenen tatsächlich mit dem BVB-Anschlag zu tun haben, sei noch keineswegs bewiesen.

Bei einem in der Nacht im Internet verbreiteten zweiten Bekennerschreiben bestehen laut der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe „erhebliche Zweifel an der Echtheit“. In dem Schreiben war ein linksextremistischer Hintergrund behauptet worden.

Was ist so ungewöhnlich an den am Tatort hinterlassenen Bekennerschreiben?

Viel. Ermittler merken schon deswegen auf, weil überhaupt solche Schreiben zurückgelassen wurden. Das ist untypisch für Anschläge, die womöglich mit dem Islamischen Staat zusammenhängen. Bei jüngsten Attentaten wie dem Berliner Weihnachtsmarkt-Anschlag von Anis Amri mit zwölf Toten hat es das nicht gegeben. Üblich war bislang, dass das IS-Sprachrohr Amak Tage später ein Video-Bekenntnis ins Internet stellt.

Was könnten die Ermittler aus dem Schreiben noch herauslesen?

In Sicherheitskreisen wird von einem für Islamisten generell untypischen Vorgehen gesprochen. So gebe es auf dem Schreiben keinerlei IS-Symbole wie etwa die typische Fahne, die sonst oft zu finden ist. Der oder die Täter hätten keine der beliebten IS-Insignien hinterlassen.

Das Bekennerschreiben wurde in gleich dreifacher Ausfertigung gefunden. Warum?

Auch darüber rätseln die Ermittler. Ein solches Vorgehen gilt ebenfalls als nicht szene-typisch. Dass der oder die mutmaßlichen Täter ihren Zettel mit dem angeblichen Bekenntnis gleich drei Mal im Umkreis des Anschlagsorts ausgelegt haben, deute darauf hin, dass sie unbedingt wollten, dass er schnell gefunden wird. Warum, ist unklar.

Was sagen die Rechtschreibfehler im Bekennerschreiben aus?

Das Schreiben ist auf deutsch formuliert. Die 15 Zeilen enthalten einige Rechtschreibfehler - die Ermittler sind von Bekennerbriefen aus diesen Kreisen jedoch eigentlich weit mehr Fehler gewohnt. Zudem ungewöhnlich sei es auch, welche Rechtschreibfehler gemacht wurden. So habe der Verfasser schwierige Wörter richtig geschrieben, dafür aber ziemlich simple Fehler etwa bei der Groß- und Kleinschreibung gemacht.

Auch die Wortwahl dürfte manchen Ermittler zu denken geben. So werde die in dem Schreiben verwendete Bezeichnung „Untertan“ in der Islamisten-Szene eigentlich nicht benutzt, heißt es.

Wie gehen die Ermittler vor?

Nach Angaben der Sprecherin des Generalbundesanwalts, Frauke Köhler, sind die Wohnungen von zwei verdächtigen Islamisten durchsucht worden. In der Regel beschlagnahmt die Polizei in solchen Fällen Computer und Mobil-Telefone. Sie werden dann auf Verbindungen zu Kontaktleuten des Islamischen Staats in Syrien oder zu anderen Islamisten in Deutschland und Europa ausgewertet. So sollen auch mögliche Netzwerke aufgedeckt werden. Das dürften die Sicherheitsbehörden auch in diesem Fall so gemacht haben.

Werden jetzt die Überwachungsmaßnahmen gegen Islamisten verstärkt?

Üblicherweise klopfen Anti-Terror-Ermittler nach Terrordrohungen oder Anschlägen zunächst jene Verdächtigen in der Islamisten-Szene ab, die sie sowieso schon auf dem Schirm haben. Etliche sogenannte Gefährder, von denen die Behörden glauben, dass sie jederzeit einen Anschlag begehen können, werden routinemäßig abgehört, deren Internet-Kommunikation wird überwacht. In einem akuten Fall wie in Dortmund schalten sich die Ermittler dann gerne auch „live“ in die Überwachung ein. Sie wollen sehen, ob es Bewegung in der Szene gibt. Das dürfte auch jetzt der Fall sein.

Weite Strecken der zweiten Halbzeit spielte der BVB totales Powerplay, ähnlich wie in der Ära Klopp – dynamisch, leidenschaftlich, entschlossen. Zwei Tore waren der verdiente Lohn. Einzig: Es stand bereits zur Halbzeit 2:0 für die Gäste aus dem Stadtstaat. Mehrfach hatte Dortmund im ersten Durchgang schlecht ausgesehen. Fürs Weiterkommen braucht es im Rückspiel am Mittwoch eine Herkulesleistung.

Der sportliche Aspekt ist an diesem Abend schnell erzählt. Viel – und das ist auch wirklich gut so – passiert im Stadion und im Umfeld nicht. Doch man würde den besonderen Umständen nicht gerecht werden, würde man diesen Tag einfach abhaken. Dafür ist die Gesamtsituation zu extrem.

+++ Liveblog zur Attacke in Dortmund +++: BVB verliert 2:3 gegen Monaco

+++ Liveblog zur Attacke in Dortmund +++

BVB verliert 2:3 gegen Monaco

Nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund sind zwei mutmaßliche Islamisten in den Fokus der Ermittler gerückt. Einer der beiden wurde festgenommen. Der BVB verlor das Hinspiel am Abend.

Stadionsprecher Norbert Dickel etwa wirkt gehemmt und zurückhaltend. Er ist bei weitem nicht so euphorisch, wie man ihn in seinem Job eigentlich kennt. Die Sprengstoffattacken vom Vortag erwähnt er vor dem Spiel nur kurz. Er tut gut daran, denn die mehr als deutlichen Worte kommen letztlich von den Verantwortlichen.

„Die Mannschaft hätte gern mehr Tage gehabt. Wir fühlten uns komplett übergangen, als es hieß: Morgen seid ihr dran. Wir hatten das Gefühl, dass wir behandelt werden, als wäre eine Bierdose an unseren Bus geflogen“, äußert Trainer Thomas Tuchel. „Es geht heute nicht nur darum, ein Fußballspiel zu absolvieren“, sagt Geschäftsführer Aki Watzke. „Heute stehen die Demokratie und unsere freiheitliche Grundordnung auf dem Prüfstand.“

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