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08.11.2016

13:45 Uhr

BVB-Feeling in Liverpool

Klopp: Episode II – Angriff der Klonkrieger

VonThomas Schmitt

Kulttrainer Jürgen Klopp erobert mit den Roten aus Liverpool als erster deutscher Coach die Tabellenführung. Viel schneller als mit Borussia Dortmund. Wie Kloppo den BVB klont und dafür von allen gefeiert wird.

Jürgen Klopp steht mit dem FC Liverpool an der Tabellenspitze. Foto: Peter Powell dpa

Spitzenreiter

Jürgen Klopp steht mit dem FC Liverpool an der Tabellenspitze. Foto: Peter Powell

DüsseldorfLaufen bis zum Umfallen, schnell den Ball erobern und rasant nach vorne spielen – mit diesen Eigenschaften wurde Borussia Dortmund zum größten Rivalen des FC Bayern München in der Bundesliga. Zwei Mal sprang der Meistertitel dabei heraus – und fast sogar der Gewinn der Champions League.

Mit den gleichen Tugenden erobert nun Klopps neuer Verein, der FC Liverpool, die Spitze der Premier League. Sehr zur Freude des Trainers, der sein Spielsystem offenbar perfektioniert hat: Der Champagner-Fußball seiner "Ballermänner" berausche Klopp sichtlich, beobachtete der Sportinformationsdienst (SID). Öffentlich zugeben mag der 49-Jährige dies allerdings nicht.

Ähnlich wie in Dortmund hat Klopp in der Premier League einige Klubs vor sich, die – auf höchstem Niveau - wesentlich finanzstärker sind: der FC Chelsea, Manchester City und Manchester United. Der deutsche Trainer besitzt in Liverpool weder die wertvollsten Spieler der Liga, noch kann er das meiste Geld für den Kader ausgeben. Doch er lässt – wie einst im Revier – den spektakulärsten Fußball spielen. Sechs Tore fielen im letzten Ligaspiel. Kein Einzelfall.

FC Liverpool: Fakten zum Team von Jürgen Klopp

Der Verein

Der FC Liverpool (offiziell: Liverpool Football Club) ist auch bekannt als The Reds. Der Verein wurde  1892 gegründet. Mit 18 Meistertiteln ist er einer der erfolgreichsten Vereine Englands.

Marktwert

Rund 380 Millionen Euro ist der Kader wert. Das bedeutet Platz 5 in der Premier League.

Wer vor Liverpool liegt

Manchester United: 550 Millionen Euro
Manchester City: 525 Millionen Euro
FC Chelsea: 520 Millionen Euro
FC Arsenal: 490 Millionen Euro

Die wertvollsten Spieler

Roberto Firmino (früher Hoffenheim): 35 Millionen Euro
Philippe Coutinho: 35 Millionen Euro
Sadio Mané: 30 Millionen Euro

Gute Verkaufspolitik von 2010 bis 2016

Liverpool hat nach Zahlen der Schweizer Fußballforscher vom Cies 442 Millionen Euro durch Spielerverkäufe in die fünf großen Ligen eingenommen. Dadurch fiel das Minus der Transferbilanz wesentlich niedriger aus als bei den großen Liga-Konkurrenten.

Wichtige Zugänge 2016-17

Linksaußen Sadio Mané vom FC Southampton für 41,2 Millionen Euro
Mittelfeldspieler Georginio Wijnaldum von Newcastle für 27,5 Millionen Euro
Torwart Loris Karius von Mainz für 6,2 Millionen Euro

Integration junger Spieler

Klopp setzt wie in Dortmund auf junge Spieler im eigenen Nachwuchs. Die Reds stattete deshalb die drei Youngster Kevin Stewart (23), Trent Alexander-Arnold (18) und Ben Woodburn (17) mit Profi-Verträgen aus.

Lokalkolorit

Identifikation der Fans mit den Spielern ist Klopp wichtig. So ist der Rechtsverteidiger Alexander-Arnold in Liverpool geboren, also ein waschechter „Scouser“, wie die Einwohner der Stadt genannt werden.

Trainer

Seit Herbst 2015 ist der deutsche Starcoach Jürgen Klopp Trainer des FC Liverpool. Er wurde in seiner ersten Saison Achter.

Nationalspieler Emre Can, Stammspieler unter Klopp in Liverpool, bestätigt die Entwicklung. „Die Vorbereitung auf die Saison war sehr hart”, sagt der deutsche Nationalspieler. „Klopp gab als Ziel aus, das fitteste Team in der Premier League zu sein.” Die Statistiken der aktuellen Saison bestätigten das nun. Liverpool spielt demnach den intensivsten Fußball. So wie Dortmund zu Kloppos Zeiten.

Natürlich komme dem Team entgegen, so Can, dass sie seltener ran müssen als die großen Konkurrenten. Denn Klopp hat sich in seiner ersten Saison – trotz Finalteilnahme in der Europa League – für keinen europäischen Wettbewerb qualifiziert. Liverpool wurde nur Achter, doch dadurch haben seine Spieler nun mehr Zeit, sich von den intensiven Begegnungen zu erholen.

Can glaubt zwar nicht, dass sich dies bereits zu Beginn der Spielzeit auswirkt. „Aber am Ende der Saison kann es ein Vorteil sein”, sagt er und fügt dem Satz ein „Yeah“ hinzu. Sein Trainer stapelt indes – wie üblich – tief: „Wir bleiben cool“, sagt Klopp. Auch dies ein Markenzeichen seiner Dortmunder Zeit - genauso wie sein Humor und sein Lachen, mit dem er regelmäßig die englische Presse einwickelt.

Das Team nehme die Dinge, wie sie sind, so Klopp. „Wir spielen unseren besten Fußball und gewinnen Spiele. Das ist das einzige, was wir tun können.“ Als „The Normal One“ hatte sich Klopp nach seiner Vorstellung im Oktober 2015 selbst bezeichnet. Diesem Rufnamen versucht er, wo es geht, gerecht zu werden.

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