Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.11.2013

07:15 Uhr

BVB gegen Bayern

Die italienischen Wurzeln im Spitzenspiel

VonThomas Schmitt

Borussia Dortmund gegen FC Bayern: Das ist nicht nur der neue Klassiker in der Liga. Es ist auch ein Duell zwischen Jürgen Klopp und Pep Guardiola – zwei Trainer, die ihre Spielideen bei einem Italiener abgeschaut haben.

Bayern-Trainer Pep Guardiola (li.) und BVB-Coach Klopp. imago sportfotodienst

Bayern-Trainer Pep Guardiola (li.) und BVB-Coach Klopp.

DüsseldorfDie ganze Welt schaute zu, als zwei der besten Mannschaften Europas aufeinandertrafen. Borussia Dortmund gegen den FC Bayern hat das Zeug, zu einem Klassiker der Fußballwelt zu werden. So wie Real Madrid gegen den FC Barcelona. Das Spiel, das die Bayern am Ende 3:0 gewannen, wurde wie erwartet nicht so spektakulär, wie viele Fans das hofften. 

Das lag nicht nur an der langen Verletztenliste der Dortmunder. Viel wichtiger für das Spiel war die taktische Marschroute, die von den Trainern ausgegeben worden war. Beide Mannschaften wussten um ihre Stärke und versuchten daher, früh und schnell die Räume für den Gegner eng zu machen. Torchancen waren daher Mangelware, weil die Mechanismen griffen, die im Training bis zum Umfallen geübt worden sind. 

Einer beobachtete diesen Kampf der Systeme aus der Ferne besonders interessiert: Arrigo Sacchi (siehe Interview). Der Italiener hat Ende der achtziger Jahre beim AC Mailand eine Mannschaft geformt, die noch immer zu den besten der Fußballgeschichte gehört. Seine Ideen haben die Fußballwelt revolutioniert. Und zu seinen geistigen Enkeln gehören auch die Trainer der beiden besten Teams hierzulande.

 

Einmaleins der Fußballtaktik

Grundordnung

Viele Mannschaften spielen mit vier Verteidigern, zwei Spielern vor der Verteidigern, drei Mittelfeldspielern und einem Stürmer, kurz: 4-2-3-1. Dies ist die sogenannte Grundordnung einer Mannschaft. Durch das Verhalten auf dem Platz wird sie zum System. Das heißt: Was passiert im Spiel gegen den Ball und bei Ballbesitz?

Quelle: Fußballtraining, November 2013

Gegen den Ball spielen

Häufig spielen Teams im 4-2-3-1 in der Verteidigung ein 4-4-2-System gegen den Ball. Im Wechsel schieben Mittelfeldspieler und Stürmer vor und zurück.

In Ballbesitz

Die Grundordnung ändert sich deutlich, wenn die Mannschaft in Ballbesitz ist. Aus dem 4-2-3-1 wird dann oft ein 2-3-2-3. Die Außenverteidiger rücken vor, zwei Mittelfeldspieler ebenfalls. Einer der defensiven Mittelfeldspieler sichert ab, der andere schaltet sich in die Offensive ein.

FC Bayern – gegen den Ball

Unter Pep Guardiola spielt der FC Bayern gegen den Ball ein 4-3-3. Die Mannschaft erobert den Ball auch oft im Gegenpressing aus einer 3-3-4-Formation heraus.

FC Bayern – in Ballbesitz

In Ballbesitz rücken die beiden Außenverteidiger ins Zentrum vor, je nach Situation. Ein Sechser agiert defensiv zentral und öffnet so Räume.

Viererkette

Noch heute spielen viele Mannschaften mit einem Spieler hinter der Abwehr, dem Libero. Im modernen Fußball wird der letzte Mann in eine Kette von vier Spielern integriert, die auf einer Linie agieren und bevorzugt den Raum decken. Diese Viererkette besteht aus je zwei Außen- und Innenverteidigern.

Der Sechser

Dieser zentrale Mittelfeldspieler hat drei Hauptaufgaben. Er sichert seine ballführenden Mitspieler ab, er verlagert das Spiel, und er kann den Innenverteidigern in der Spieleröffnung helfen. Er sollte also ein technisch und läuferisch starker Spieler sein.

Der Neuner

Der zentrale Stürmer lässt sich im modernen Fußball immer wieder ins Mittelfeld fallen. Er entzieht sich also dem ständigen Zugriff der Innenverteidiger. Der Ungar Nándor Hidegkuti galt in den fünfziger Jahren als die erste Neuneinhalb, Johan Cruyff in den siebziger Jahren ebenso. Bei der variablen Neun wird die Position frei gelassen und immer wieder von unterschiedlichen Spielern besetzt.

Jürgen Klopp von Borussia Dortmund und auch Pep Guardiola vom FC Bayern haben Sacchis Stil und dessen Ideen genau studiert. „Beide Teams praktizieren ein offensives Pressing tief in der gegnerischen Hälfte. Die Dortmunder noch etwas aggressiver als die Bayern“, stellt der Fußballexperte Dietrich Schulze-Marmeling fest. Zu den Vätern dieser Spielidee zählt der Italiener. 

„Sowohl Klopp wie Guardiola wurden von Sacchi geprägt“, sagt der Fußballhistoriker Schulze-Marmeling. Und auch Sacchi selbst erkennt heute viele seiner Vorstellungen im Spiel des BVB und des FC Bayern wieder – auch wenn beide Teams am Ende ganz unterschiedlich zum Erfolg kommen. Weltweit spiegelten diese beiden derzeit am ehesten seine Spielphilosophie wider, bestätigte er im Interview mit Handelsblatt Online. 

Beide Teams verfolgten mit ihren Mannschaften einen kollektiven und totalen Fußball, lobte der ehemalige Nationalcoach Italiens die Spielweise der beiden Mannschaften. Dabei sei Guardiola mehr auf Ballbesitz fokussiert. Das sei für Klopp weniger wichtig. Der Vorteil der Bayern sei die individuelle und technische Qualität der Spieler. Was sich schon oft spielentscheidend ausgewirkt hat - und auch das jüngste Duell letztlich entschieden hat.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×