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18.05.2014

18:06 Uhr

BVB gegen Bayern

Streit über die Schlüsselszene im Pokalfinale

Das nicht gegebene Tor im Pokalfinale erregt die Gemüter. Die Rufe nach besserer Technik an der Torlinie werden wieder lauter. Das hat die Mehrheit der Bundesligavereine jedoch erst im März abgelehnt.

Die strittige Szene im Pokalfinale, die große Diskussionen auslöst: Bayern-Spieler Dante steht auf der Linie und drischt den Ball mit links weg. War der Ball hinter der Linie? Reuters

Die strittige Szene im Pokalfinale, die große Diskussionen auslöst: Bayern-Spieler Dante steht auf der Linie und drischt den Ball mit links weg. War der Ball hinter der Linie?

BerlinDas Pokalfinale zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern hat die Debatte um die Torlinientechnik neu entflammt. Präsident Wolfgang Niersbach sieht den Deutschen Fußball-Bund vorerst aber nicht in der Verantwortung. „Die Bundesligisten haben abgestimmt und sich mehrheitlich dagegen entschieden. Solange das so ist, werden wir vom DFB keine Entscheidung dagegen treffen“, sagte der DFB-Chef in Berlin.

Im Cup-Endspiel hatte Schiedsrichter Florian Meyer einem vermeintlichen Treffer des Dortmunders Mats Hummels die Anerkennung versagt. „Es war klar, dass die Diskussion jetzt wieder beginnt“, sagte Niersbach. Erst am 24. März hatten die 36 Proficlubs die Einführung der Torlinientechnik mehrheitlich abgelehnt.

Sowohl Pokalsieger Bayern München als auch der BVB waren damals für die neue Technik, konnten sich aber nicht durchsetzen. „Aber selbst wenn die Entscheidung pro Technik ausgefallen wäre, hätten wir sie heute noch nicht gehabt“, sagte Niersbach.

Tor oder nicht Tor? Streit um die richtige Technik

Pokalfinal 2014

Das vermeintliche Tor von Mats Hummels im DFB-Pokalfinale 2014 hat die Diskussionen um die Einführung der Torlinientechnik wieder ausgelöst. Aber selbst wenn die Entscheidung der Clubs im März des Jahres anders ausgefallen wäre, hätte es dem BVB am Samstag nichts genutzt.

Warum gibt es keine technischen Hilfsmittel?

Am 24. März 2014 hatten die 36 Proficlubs bei einer Versammlung in Frankfurt/Main die Einführung der Torlinientechnik mehrheitlich abgelehnt. Nur neun Erstligisten und drei Zweitligisten waren für die Einführung von technischen Hilfsmitteln, womit die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit klar verfehlt worden war.

Was denken die Borussen und die Bayern?

Beide Clubs waren für die Einführung der Technik. „Wir bedauern diese Entscheidung. Als Demokraten haben wir das zu akzeptieren. Wir werden in Zukunft weiter mit Fehlentscheidungen leben müssen“, hatte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge damals erklärt.

Warum war das Votum so eindeutig?

Die hohen Kosten hatten vor allem die finanzschwächeren Clubs abgeschreckt. Zwischen 250 000 und 500 000 Euro wären für einen Zeitraum von drei Jahren je nach System fällig gewesen.

Was wäre, wenn die Clubs für die neue Technik gestimmt hätten?

Die Einführung der Technik war für den Sommer 2015 geplant gewesen. Dem BVB hätte es am Samstag nichts gebracht. Fraglich ist auch, wie der DFB mit dem Thema für den Pokalwettbewerb umgegangen wäre. Gerade für die Amateurclubs wären die Kosten für die Installation zu hoch gewesen. Der DFB hatte bereits ausgeschlossen, dass die Technik in der ersten Runde des DFB-Pokals zum Einsatz kommen würde.

Wie reagierten die Dortmunder auf die Szene?

Beim BVB saß die Wut noch lange nach dem Spiel tief, Trainer Jürgen Klopp war fassungslos. „Andere Gremien sind gefordert, dass so etwas nicht mehr vorkommt“, rief Nationaltorwart Roman Weidenfeller die Spitzenfunktionäre des deutschen Fußballs zum Handeln auf. Hummels selbst schlug vor: „Zwei Videobeweise pro Halbzeit oder pro Mannschaft, das würde alles ein bisschen einfacher machen.“

Ist die Torlinientechnik endgültig vom Tisch?

Für die „nahe Zukunft“ werde das Thema nicht auf die Tagesordnung kommen, hatte Ligapräsident Reinhard Rauball im März gesagt. Aber ausgeschlossen sei nicht, dass günstigere Angebote oder Fehlentscheidungen für ein Umdenken sorgen werden. Das passierte dann auch.

Wo gibt es die neue Technik?

Bei der WM in Brasilien kommt erstmals die Torlinientechnik zum Einsatz, nachdem das System GoalControl seinen Testlauf beim Confederations Cup 2013 erfolgreich bestanden hatte. 14 Kameras sind auf beide Tore gerichtet. Überquert der Ball die Torlinie, geht ein Signal an den Schiedsrichter.

Wer setzt auf Torrichter?

Die UEFA setzt bei der EM und im Europapokal auf Torrichter.

Was passiert in anderen Ländern?

In der englischen Premier League kommt das System Hawk-Eye seit dieser Saison zum Einsatz - und funktioniert reibungslos. Sieben auf jedes Tor gerichtete Kameras registrieren die Position des Balles zentimetergenau. Einen Torerfolg meldet das System in nur einer Sekunde an den Schiedsrichter. Die Uhr am Handgelenk des Referees vibriert und blinkt. Spanien will dem Beispiel Englands folgen, befindet sich aber noch in der Testphase. Italien und Frankreich setzen wie die UEFA auf zwei Unparteiische an den Torauslinien. Die DFL hatte Torrichter kategorisch abgelehnt.

Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge regte ein erneutes Nachdenken über die Einführung der Technik an. „Vielleicht sollte die DFL noch mal eine Initiative starten, weil wir solche Diskussionen in Zukunft nicht brauchen“, sagte Rummenigge am Sonntag in München.

Er rief die Technik-Gegner unter den Mitgliedern der Deutschen Fußball Liga (DFL) auf, ihre Haltung noch einmal zu überdenken. Möglich sei, die Technologie zunächst nur in der Bundesliga einzuführen. „Es sollte nicht an finanziellen Dingen scheitern. Es geht hier um viel Geld, viel Ehre und Ruhm“, sagte Rummenigge.

Aus seiner Sicht war das nicht anerkannte Tor von Mats Hummels aus Abseitsposition erzielt worden. „Der Ball war hinter der Linie“, betonte dagegen Nationalspieler Mats Hummels über seinen nicht anerkannten Kopfballtreffer in der 64. Minute.

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