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19.11.2016

13:42 Uhr

BVB gegen Bayern

Wattebällchen statt böser Fouls

VonThomas Schmitt

Gewinnt der BVB gegen die Bayern, würde die Bundesliga richtig spannend. Auf dem Platz jedenfalls, denn daneben herrscht zwischen den Top-Klubs ungewohnte Harmonie. Der zahme Klassiker und wie andere den Meister jagen.

DüsseldorfDie Welt schaut auf dieses Fußballspiel: Borussia Dortmund gegen Bayern München. In den vergangenen Jahren haben beide Vereine die Liga dominiert. Wirtschaftlich kommt ohnehin keiner an die beiden Marktführer heran. Die sportlichen Maßstäbe setzen in dieser Saison jedoch zwei Fast-Absteiger und ein Aufsteiger.

„Auffällig ist, dass Borussia Dortmund und Bayern München in keiner unserer Kennzahlen in dieser Saison die Maßstäbe setzen“, stellt Stefan Reinartz fest. Der Ex-Profi von Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt leitet die Fußballanalyse-Firma Impect, die eine neue Methode zur Bewertung von Spielern, Teams und Fußballspielen entwickelt hat, das sogenannte Packing.

Dabei geht es im Kern um die Zahl der Gegner, die ein Spieler oder ein Team zeitweise matt setzt, also aus dem Spiel nimmt. Letzte Saison seien die Bayern fast in jeder Hinsicht der Maßstab gewesen, sagt Reinartz. In dieser Saison überspiele beispielsweise die TSG Hoffenheim die meisten gegnerischen Verteidiger.

Immer wieder brisant: Spielerwechsel zwischen BVB und Bayern

2016/2017

Zur Saison 2016/2017 wechselt Mats Hummels vom BVB nach München. Weniger als zwei Wochen nach der Veröffentlichung des Wechselwunsches in einer Ad-hoc-Mitteilung des börsennotierten Bundesligisten aus Dortmund ist der Transfer perfekt. Im Gegenzug wechseln Sebastian Rode und Mario Götze den Club gen Nordwesten.

2014/2015

Robert Lewandowski verstärkt die Bayern - und schwächt den BVB. Für genug Wirbel sorgt der mit langer Hand eingeleitete Wechsel allemal. Eine Rückkehr à la Götze schließt BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke natürlich auch heute noch aus: „Robert Lewandowski, der bei Bayern alles erschießt, kommt ja nicht zur Borussia zurück.“

2013/2014

Der Wechsel von Mario Götze schockt damals Dortmund. Mitten im Kampf um das Champions-League-Finale sorgt der Transfer für jede Menge Unruhe. „Damals bestand Explosionsgefahr“, sagt Karl-Heinz Rummenigge heute.

2004/2005

Sechs Zugänge werden begrüßt, auch Torsten Frings vom Tabellensechsten Dortmund kommt zum FC Bayern.

1998/1999

Christian Nerlinger wechselt vom FC Bayern zu den Dortmundern. Zehn Jahre später kehrt er zu den Münchnern zurück: als Sportdirektor.

1992/1993

Thomas Helmer war mit geschätzten 7 bis 8 Millionen Mark für damalige Zeiten besonders teuer, einige Quellen sehen ihn als bis dahin teuersten Transfer innerhalb der Bundesliga. 1992 wechselt er von Dortmund nach Bayern.

1989/1990

Jürgen Wegmann meisterte in der Vergangenheit nicht nur den brisanten Wechsel von Dortmund zum FC Schalke, sondern wagt 1989 den Schritt aus München zurück zum BVB.

1988/1989

Einen Vereinswechsler findet Karl-Heinz Rummenigge in der eigenen Familie. Sein Bruder Michael ging 1988 vom FC Bayern zum BVB.

Bei Aufsteiger RB Leipzig hat der Datenspezialist Reinartz zudem die interessantesten Balleroberungen festgestellt. Dadurch nimmt das Team ungewöhnlich viele Gegner aus dem Spiel und verschafft sich gute Möglichkeiten, ein Tor zu erzielen. Auffällig sei zudem die Abwehrstärke von Fast-Absteiger Eintracht Frankfurt. Deren Verteidiger würden am seltensten überspielt.

BVB gegen Bayern: Historische Duelle im deutschen Klassiker

Packende Duelle

Beim Supercup bekam Carlo Ancelotti schon einmal einen Vorgeschmack auf die attraktivste Paarung der jüngsten Bundesliga-Vergangenheit. Es sind die Meister der vergangenen sieben Jahre - und packende Duelle gab es zuletzt reichlich.

Rivalität

Die Rivalität der Vereine hat eine lange Geschichte. Eine Auswahl von besonderen Spielen zwischen den beiden Teams in der Bundesliga, dem DFB-Pokal und der Champions League.

16. Oktober 1965

Bayern - Dortmund 0:2
Gleich beim ersten Bundesligaduell unterliegen die Bayern durch zwei Tore von Reinhold Wosab. Franz Beckenbauer verschießt einen Foulelfmeter.

27. November 1971

Bundesliga: Bayern - Dortmund 11:1

Ausgerechnet gegen den heutigen Erzrivalen feiern die Bayern anno 1971 ihren bislang höchsten Bundesliga-Sieg: Mit 11:1 fegen sie Dortmund vom Platz.

3. April 1999

Bundesliga: Dortmund - Bayern 2:2
Oliver Kahn liefert die Bilder des Spiels: Der Bayern-Keeper schnappt nach Heiko Herrlich, fliegt mit ausgestrecktem Bein Richtung Stephane Chapuisat, drückt Andreas Möllers Kopf beiseite.

DFB-Pokal: 19. April 2008

DFB-Pokalfinale, Berlin: Dortmund - Bayern 1:2 n.V.
Dank Luca Toni feiert Bayern nach dem ersten DFB-Pokalfinale gegen Dortmund - eine Woche zuvor hatten die Bayern die Borussia in der Bundesliga mit 5:0 gedemütigt.

12. September 2009

Bundesliga: Dortmund - Bayern 1:5
Bei der höchsten Heimniederlage für Dortmund seit 16 Jahren versöhnt sich der zuvor geschasste Franck Ribéry mit Bayern-Trainer Louis van Gaal - mit einem Sprung in die Arme nach einem Zaubertor.

11. April 2012

Bundesliga: Dortmund - Bayern 1:0
Titel-Vorentscheidung: der BVB siegt dank Robert Lewandowski. Tragische Bayern-Figur: Arjen Robben. BVB-Keeper Roman Weidenfeller holt ihn von den Beinen, den fälligen Elfmeter verschießt Robben.

12. Mai 2012

DFB-Pokalfinale, Berlin: Dortmund - Bayern 5:2
Das erste Double: Als vorzeitige Bundesliga-Meister schießen berauschte Dortmunder die Bayern nach Hause. Trainer Jürgen Klopp: „Der außergewöhnlichste Moment in unserer Geschichte.“

Champions League: 25. Mai 2013

Champions-League-Finale, London: Dortmund - Bayern 1:2
Zum ersten Mal treffen zwei deutsche Vereine im Finale der europäischen Königsklasse aufeinander. Matchwinner ist Robben mit seinem entscheidenden Tor in der 89. Minute.

Im Spitzenspiel sieht Reinartz Borussia Dortmund als Underdog. Er tippt heute ganz klassisch auf einen Sieg der Bayern und erwartet dabei mehr Tore als zuletzt. „Bisher haben beide Mannschaften dem Gegner verhältnismäßig viele Räume zum Kontern gegeben. Daher ist es möglich, dass ein paar Tore mehr fallen als im Pokalfinale und Dortmund mindestens einmal trifft.“

Die Wissenschaftler der Internet-Plattform kickform.de sind da ganz anderer Ansicht. Mit ihrer Fußballformel haben sie das Duell analysiert. Der Computer spuckte dabei für den BVB eine Siegwahrscheinlichkeit von 48 Prozent aus – wider der Prognosen der Wettanbieter. Für einen Auswärtssieg der Bayern ergab die Formel dagegen nur eine Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent.

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