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20.11.2016

12:48 Uhr

BVB schlägt FC Bayern

Dortmunder feiern „echten Männerfußball“

Mal „Atlético-Madrid-Style“, mal „Männerfußball“: Borussia Dortmund kommt nach dem 1:0-Erfolg über den FC Bayern München nicht aus dem Schwärmen heraus. Der FCB hadert mit sich selbst und der verlorenen Souveränität.

Dortmunds Trainer ist nach dem Sieg gegen Bayern ziemlich fly. AP

Thomas Tuchel

Dortmunds Trainer ist nach dem Sieg gegen Bayern ziemlich fly.

DortmundEndlich geschafft! Die Miene von Hans-Joachim Watzke verriet mehr als tausend Worte. Mit sichtlicher Genugtuung kommentierte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund den lang ersehnten Sieg über den Erzrivalen aus München: „Es hat vier Jahre gedauert, bis wir daheim mal wieder gegen die Bayern gewonnen haben. Wir genießen das jetzt.“ Auch Sportdirektor Michael Zorc wirkte nach dem 1:0 (1:0) wie von schwerer Last befreit: „Das war mehr Atlético-Madrid-Style. Aber unsere Taktik ist aufgegangen.“

Die eigentlich für ihre Offensivqualität bekannte Borussia überzeugte im Branchengipfel weniger mit Feinkostfußball als vielmehr mit kompromissloser Abwehrarbeit. Ähnlich wie das Team aus der spanischen Hauptstadt, das die Bayern Ende September in der Champions League ebenfalls mit 1:0 geschlagen hatte. Aus seiner Freude über den Coup machte Thomas Tuchel keinen Hehl: „Das war ein Meilenstein, ein echtes Statement.“ Schmunzelnd fügte der BVB-Coach an: „Wenn man mit den Bayern in den Ring steigt, dann kann man nicht erwarten, dass man ohne blaue Augen rauskommt. Man muss nur stehenbleiben.“

Immer wieder brisant: Spielerwechsel zwischen BVB und Bayern

2016/2017

Zur Saison 2016/2017 wechselt Mats Hummels vom BVB nach München. Weniger als zwei Wochen nach der Veröffentlichung des Wechselwunsches in einer Ad-hoc-Mitteilung des börsennotierten Bundesligisten aus Dortmund ist der Transfer perfekt. Im Gegenzug wechseln Sebastian Rode und Mario Götze den Club gen Nordwesten.

2014/2015

Robert Lewandowski verstärkt die Bayern - und schwächt den BVB. Für genug Wirbel sorgt der mit langer Hand eingeleitete Wechsel allemal. Eine Rückkehr à la Götze schließt BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke natürlich auch heute noch aus: „Robert Lewandowski, der bei Bayern alles erschießt, kommt ja nicht zur Borussia zurück.“

2013/2014

Der Wechsel von Mario Götze schockt damals Dortmund. Mitten im Kampf um das Champions-League-Finale sorgt der Transfer für jede Menge Unruhe. „Damals bestand Explosionsgefahr“, sagt Karl-Heinz Rummenigge heute.

2004/2005

Sechs Zugänge werden begrüßt, auch Torsten Frings vom Tabellensechsten Dortmund kommt zum FC Bayern.

1998/1999

Christian Nerlinger wechselt vom FC Bayern zu den Dortmundern. Zehn Jahre später kehrt er zu den Münchnern zurück: als Sportdirektor.

1992/1993

Thomas Helmer war mit geschätzten 7 bis 8 Millionen Mark für damalige Zeiten besonders teuer, einige Quellen sehen ihn als bis dahin teuersten Transfer innerhalb der Bundesliga. 1992 wechselt er von Dortmund nach Bayern.

1989/1990

Jürgen Wegmann meisterte in der Vergangenheit nicht nur den brisanten Wechsel von Dortmund zum FC Schalke, sondern wagt 1989 den Schritt aus München zurück zum BVB.

1988/1989

Einen Vereinswechsler findet Karl-Heinz Rummenigge in der eigenen Familie. Sein Bruder Michael ging 1988 vom FC Bayern zum BVB.

BVB-Chef Watzke nutzte die Gunst der Stunde zu einer Würdigung von Tuchel. Schließlich war dem Fußball-Lehrer der erste Sieg über die Münchner seit seinem Amtsantritt in Dortmund gelungen: „Er hat das taktisch großartig gemacht heute. Es ist für ihn ein weiterer Stern am Revers.“ Nach Einschätzung von Weltmeister André Schürrle war diese Taktik nicht zuletzt der anhaltenden Personalmisere geschuldet: „Im Moment tun wir uns mit dem Ball nicht so leicht. Deshalb müssen wir über den Kampf kommen. Das war echter Männerfußball.“

Neben Tuchel schlüpfte Pierre-Emerick Aubameyang in die Rolle des Hauptdarstellers. Beim Jubel über seinen 12. Saisontreffer (11. Minute) verzichtete der Angreifer auf seinen obligatorischen Salto. Stattdessen verblüffte er Zuschauer und Mitspieler mit drei Liegestützen. Nach dem Schlusspfiff löste er das Rätsel: „Ein guter Freund von mir, ein Rapper aus Frankreich, war heute im Stadion. Gradur hat einen Song über Liegestütze gemacht, das war der Grund für den Torjubel.“ Nach zwischenzeitlicher Durststrecke wähnt Aubameyang den BVB, der zum 27. Mal ohne Heimniederlage blieb, wieder auf Kurs: „Wir sind jetzt endlich zurück in der Spur, müssen genau so weitermachen.“

BVB gegen Bayern: Wattebällchen statt böser Fouls

BVB gegen Bayern

Wattebällchen statt böser Fouls

Gewinnt der BVB gegen die Bayern, würde die Bundesliga richtig spannend. Auf dem Platz jedenfalls, denn daneben herrscht zwischen den Top-Klubs ungewohnte Harmonie. Der zahme Klassiker und wie andere den Meister jagen.

Weniger redselig als der Torschütze war Mario Götze. Seine bisher beste Leistung seit seiner Rückkehr zum BVB ließ der Weltmeister unkommentiert und mied Interviews. Dabei war ihm der erste Assist in dieser Saison gelungen. „Für ihn war das eine kleine Befreiung“, befand Mitstreiter Schürrle. Coach Tuchel war voll des Lobes: „Mario hat unglaublich gearbeitet. Es war jetzt auch höchste Zeit, dass mal eine Torbeteiligung dazukommt und etwas Fleisch an die Knochen kommt. Er braucht das für die letzten paar Prozent.“

Zur Freude des Trainers befindet sich sein Team bei nur drei Punkten Rückstand wieder auf Schlagdistanz zum FC Bayern. Allerdings beträgt der Abstand zum neuen Tabellenführer aus Leipzig bereits sechs Zähler. Die erstaunliche Konstanz des Aufsteigers nötigt dem Coach großen Respekt ab: „Das ist keine Eintagsfliege. Man muss es absolut ernstnehmen.“

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