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24.04.2013

16:45 Uhr

BVB versus Real

Das zwielichtige Geschäft mit den Tickets

VonThomas Mersch, Stefan Merx

Mehr als 3400 Euro für ein Ticket Dortmund gegen Madrid. Auf der Straße und im Internet haben die Spekulationen mit Karten für das Halbfinale ein besorgniserregendes Ausmaß angenommen. Die Klubs wollen sich wehren.

Mehr als 3000 Euro kostet das teuerste Ticket für heute Abend auf der Plattform Viagogo.

Mehr als 3000 Euro kostet das teuerste Ticket für heute Abend auf der Plattform Viagogo.

KölnEin Anruf auf dem Handy, die Mobilbox springt an – statt eines Namens hört man nur Atmen. Dann kann man sein Anliegen aufsprechen. Es geht um Tickets für das Champions-League-Halbfinale. Die heute wohl begehrtesten Stückchen Papier in der Stadt Dortmund. Kleine Wertpapiere in den Händen von echten Fans und echten Geschäftemachern.

Der Rückruf kommt prompt, am Apparat der Dealer persönlich. „Welchen Block wollen Sie denn?“, fragt er. Es gibt Auswahl. „Gerade sind noch zwei Karten für die 86 reingekommen. Gute Plätze, Reihe 8, direkt neben der Südtribüne.“ 350 Euro für das Kartenpaar verlangt der Mann. Sein Nettogewinn: 250 Euro. Zum Zeitpunkt des Telefonat sind es noch zehn Stunden bis zum Anpfiff, Übergabe in Dortmund. Es seien garantiert echte Karten, der Mann nennt seinen Namen, er wirbt um Vertrauen, man könne sich gerne auch sein Kennzeichen notieren.

Champions-League-Prämien

Hohe Ausschüttung

Die Champions League bleibt für die Uefa und die teilnehmenden Fußball-Klubs ein florierendes Geschäft. Mehr als 900 Millionen Euro werden in dieser Spielzeit ausgeschüttet.

Sichere Startprämie

Als fixe Startprämie verbuchen alle 32 Vereine 8,6 Millionen Euro. In der Summe sind für den Champions-League-Sieger im besten Fall mehr als 60 Millionen Euro möglich.

Siegprämien

Pro Sieg in der Gruppenphase gibt es eine Million Euro, für jedes Unentschieden halb so viel. Erfolg zahlt sich auch in der K.o.-Runde richtig aus. 3,5 Millionen Euro überweist die UEFA für den Achtelfinal-Einzug, weitere 3,9 Millionen für das Erreichen des Viertelfinales. Die Halbfinalisten erhalten 4,9 Millionen Euro, der unterlegene Finalist 6,5 Millionen. Der Sieger des Endspiels Ende Mai in Lissabon bekommt 10,5 Millionen Euro überwiesen. Dazu kommen Ticketeinnahmen in Millionenhöhe.

Bayern verdienen am meisten

Der FC Bayern kommt nach dem Achtelfinale bereits auf 28,76 Millionen Euro Startgeld und Prämien. Dortmund nahm 24,85, Leverkusen 21,43 und Schalke 18,51 Millionen Euro ein. Ziehen die Bayern ins Viertelfinale ein, würden die Gesamteinnahmen bereits annähernd 50 Millionen Euro betragen.

Der Titel war viel Geld wert

Beim Titelgewinn 2013 kassierten die Münchner insgesamt 55,046 Millionen Euro an Uefa-Prämien, davon 19,146 Millionen aus dem Markt-Pool. Hinzu kamen rund 15 Millionen Euro an Zuschauer-Einnahmen aus sechs Heimspielen.

Vergleich Europa League

Die Gelder in der Europa League sind im Vergleich zur Königsklasse nur Trostpflaster. Im kleinen Europacup fließen nur mehr als 200 Millionen Euro an die 48 Vereine. Der Cupsieger bekommt fünf Millionen Euro, der unterlegene Finalist muss sich mit 2,5 Millionen Euro begnügen. Mit speziellen Bonifikationen kann der Europa-League-Sieger fast zehn Millionen Euro einstreichen.

Ein eher kleiner Fisch auf dem Markt der Ticketschieber. Einer, der wie er bei Ebay sogar seine Handynummer angibt, wirkt wie ein Anfänger. Auch wenn er behauptet, BVB-Tickets öfter zu handeln, auch im Auftrag von Freunden. Bereitwillig, fast naiv, gibt er Auskunft über sein einträgliches Geschäft mit den Tickets. „Klar, es ist ein bisschen verboten“, sagt er. In der Ticketschlange vor der Vereinsgeschäftsstelle, wo eingefleischte Fans sogar zwei Tage vor dem Verkaufsstart ihr Zelt aufgeschlagen haben, habe er nicht gestanden. Auch eine Dauerkarte des Klubs besitze er nicht. „Ich kaufe die Tickets auf von anderen – und verkaufe weiter.“ Ein Teil der Abzockerkette, die dem BVB ein Dorn im Auge ist.

Professionell sieht der Ticketzweitmarkt anders aus. Steve Roest vertritt das Unternehmen Viagogo als „European Business Development Director“ und reist von Klub zu Klub, um Partnerschaften für seinen Ticketmarktplatz abzuschließen. „Wir haben mehrere Tausend Tickets für die Halbfinalspiele der Champions League verkauft“, sagt Roest. Die Preise bei Viagogo übersteigen die des Straßenschwarzmarkts deutlich: So würde ein Kartenpaar in Block 86 sogar 2146,10 Euro kosten. Die teuerste Karte war am Mittwoch für mehr als 3400 Euro zu haben.

„Wenn Leute Tickets bei Viagogo gefunden haben, ist das für sie eine unbezahlbare Erfahrung“, wirbt Roest – und meint das positiv. Noch rund 1000 Karten für das Spiel BVB-Real sind am Vormittag des Spieltages bei Viagogo gelistet. „Man kann bis zum Anpfiff noch kaufen“, sagt Roest. Viagogo sei nur Vermittler, nicht Verkäufer. Über die genauen Übergabemodalitäten will Roest nicht sprechen. Er verweist lediglich darauf, dass die gekauften Tickets „in der Nähe des Stadions“ abgeholt werden könnten. Auch nicht verrät Roest, warum Fans für das Dortmund-Spiel am Mittwoch wenige Stunden vor dem Anpfiff noch Karten kaufen konnten, das Procedere aber für das Bayernspiel am Vortag nicht möglich war.

Das Geschäftsmodell des Schweizer Unternehmens, das zentral aus London operiert, basiert auf dem freien Spiel der Kräfte. Wer eine Karte übrig hat, stellt sie bei Viagogo zu einem beliebigen Preis ein. Nach der Herkunft fragt niemand. Findet sich ein Abnehmer, sorgt Viagogo für die Abwicklung des Geschäfts – und kassiert 15 Prozent Gebühr vom Käufer sowie zehn Prozent vom Verkäufer. Kritiker behaupten: Es gelten die Gesetze des Schwarzmarkts, nur die Abwicklung erfolgt schick anonym und digital.

Kommentare (1)

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scharfschuetze

24.04.2013, 17:55 Uhr

Na und?
Solange es Idioten gibt, die solche Preise bezahlen?

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