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05.12.2016

18:35 Uhr

CAS bestätigt Blatter-Sperre

Der alte Mann und das reine Gewissen

VonDiana Fröhlich

Ex-Fifa-Präsident Sepp Blatter bleibt auf sechs Jahre vom Fußball ausgesperrt. Es ist das endgültige Ende einer Funktionärskarriere, die Blatter selbst am ehesten als glanzvoll erachtet. Ein Kommentar.

Er darf nicht zurück an seine Wirkungsstätte. dpa

Josef S. Blatter

Er darf nicht zurück an seine Wirkungsstätte.

DüsseldorfEs kam, wie es kommen musste. Und wie es im Grunde auch jeder erwartet hatte: Der 80-jährige Joseph Blatter hat verloren. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat den Einspruch des ehemaligen Fifa-Präsidenten gegen seine sechsjährige Ethiksperre abgelehnt. Auf 24 kurzen Zeilen verkündeten die Sportrichter in Lausanne nun auch das formale Ende der schillernden Karriere des einstigen Fußball-Spitzenfunktionärs.

Was war passiert? Blatter war vor ziemlich genau einem Jahr, am 17. Dezember 2015, wegen einer weiterhin dubiosen Millionenzahlung an den ehemaligen Uefa-Chef Michel Platini aus dem Jahr 2011 zunächst für acht Jahre von der einst von ihm gegründeten Fifa-Ethikkommission von allen Fußball-Aktivitäten ausgeschlossen worden. Die Berufungskommission des Weltverbandes hatte die Sperre später auf sechs Jahre reduziert, mit Verweis auf die aus ihrer Sicht großen Verdienste des langjährigen Vorsitzenden. Und bei diesen sechs Jahren bleibt es.

Doch die Sperre des CAS aus Lausanne ist nicht der entscheidende Kampf, den der gebürtige Schweizer nun verloren hat. Ein anderer, weitaus wichtiger, steht ihm noch bevor. Zunächst muss er noch 50 000 Schweizer Franken zahlen – und dann wird es ernst: Die Schweizer Bundesanwaltschaft in Bern ermittelt in der gleichen Causa gegen Blatter wegen des Verdachts der Untreue, eine Gefängnisstrafe ist nicht ausgeschlossen. Doch eine Anklage gibt es bislang nicht. „Vom Strafrecht her habe ich absolut keine Bedenken und ein reines Gewissen", sagt Blatter, um den es zuletzt ruhiger geworden war. Denn beim Fußball-Weltverband Fifa hält längst ein neuer Präsident Hof: Gianni Infantino, 46 Jahre alt, hat Blatters Job übernommen. Und eine neue Zeitrechnung eingeläutet.

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Doch was Blatter so richtig ärgert, ist, dass es noch nicht einmal eine offizielle Verabschiedung beim Weltverband für ihn gegeben hat. „Ich hoffe, dass jemand in der Fifa in Zukunft, vielleicht beim Kongress 2017, mal sagt: 'So schlecht war der auch nicht'", lässt sich Blatter zitieren. „Und vielleicht sagt dann sogar jemand: 'Der war gut.' Aber spezifisch verlangen werde ich das nicht. Das Mindeste wäre aber, dass man mich mal verabschiedet."

Typisch Blatter. Er, der Macher, der Machthaber. Dass der Funktionär überhaupt derart machtvoll werden konnte, liegt wohl auch an den Verdiensten, die er sich in der Disziplin des Wirtschaftens erworben hat.
Seit der frühere Marketingexperte der Uhrenfirma Longines den Verband führt, kennen die Umsätze des Weltverbands nur eine Richtung: nach oben. Als Blatter nach Zürich wechselte, da hatte der Verband kaum die Größe eines mittelständischen Betriebs.

Heute gehört die Fifa zu den wachstumsstärksten Sportverbänden der Welt und setzt Milliarden um. Blatters Verdienste für den Verband sind demnach unumstritten, nicht aber seine Methoden. Unter Blatters Führung implodierte der korrupt geführte Weltverband im vergangenen Jahr spektakulär. Dass der einstige Präsident nicht mehr dahin zurückkehren darf, ist nur mehr als folgerichtig.

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