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12.05.2015

08:53 Uhr

Champions League

Bayern hat einen Wunderplan für Barcelona

Quelle:dpa

Können die Bayern-Profis noch einmal über sich hinauswachsen? Mit 71.000 Anhängern im Rücken wollen Kapitän Lahm und seine Kollegen heute in der ausverkauften Münchener Arena das eigentlich Unmögliche zumindest versuchen.

München0:3 steht es aus Bayern-Sicht beim Anpfiff des Halbfinal-Rückspiels. Nur ein sensationeller Spielverlauf könnte den Deutschen Meister ins Endspiel am 6. Juni nach Berlin bringen. „Wenn wir weiterkommen, wäre es auf jeden Fall ein Ausrufezeichen, das die Fußballwelt nicht erwartet“, sagte Weltmeister Thomas Müller.

AUSGANGSLAGE: Geht da noch was? Im Normalfall nicht. In mehr als 20 Jahren Champions League gelang es erst einem Verein, einen Drei-Tore-Rückstand im Rückspiel aufzuholen. Deportivo La Coruña wendete am 7. April 2004 im Viertelfinale nach einem 1:4 beim AC Mailand mit einem 4:0-Heimsieg das Blatt.

Fragen und Antworten zu Barca gegen Bayern

Was bedeutet die herbe Niederlage für Pep Guardiola?

Für den Bayern-Trainer war das 0:3 im Stadion seiner größten Erfolge ein schwerer Schlag. Viel vorzuwerfen war ihm nicht, auch wenn Franz Beckenbauer die Auswechslung von Thomas Müller (wie schon im DFB-Pokalhalbfinale gegen Dortmund) zurecht als „nicht zu verstehen“ kritisierte.

Zu behaupten, Guardiola sei in München gescheitert, wäre eine maßlose Übertreibung. Dennoch weist das 0:3 über das Tagesgeschäft hinaus. In München werden die Stimmen lauter, die fest an seinen Abschied 2016 glauben. Spätestens dann stünde die gründliche Renovierung der aktuellen Bayern-Mannschaft an. Ob Guardiola sie leiten wird, scheint fraglicher denn je.

Wo lagen die Schwachpunkte der Bayern?

Guardiola sagte, das Mittelfeld habe "die ganze Last" getragen - was er nicht sagte: Bastian Schweinsteiger und Co. sind darunter zerbrochen. Kein Jahr nach seinen Heldentaten von Rio scheint der Weltmeister über den Zenit. Zuletzt machten Abwanderungsgerüchte ins Ausland die Runde - auch für Schweinsteiger dürfte spätestens 2016 Schluss sein.

Auch Xabi Alonso hat in Barcelona erneut gezeigt, dass er die Zukunft hinter sich hat. Dazu kamen in Philipp Lahm und Thiago zwei Spieler, die nach Verletzungen noch die alte Form suchen. Robben hin, Ribéry her - der FC Bayern muss sich auch in der Mittelfeldzentrale verstärken. Er sollte an den Dortmunder Ilkay Gündogan denken.

Ist Lionel Messi der beste Spieler der Fußball-Geschichte?

Die Frage verbietet sich, eigentlich. Pelé, Puskás, di Stéfano, Beckenbauer, Cruyff oder Maradona - sie alle spielten in einer Zeit, in der der Fußball noch nicht dieses atemberaubende Tempo hatte. Vergleiche müssen hinken - aber dieser Messi, das ist keine Übertreibung der spanischen Medien, ist tatsächlich (Fußball-)Gott. Der "Floh" straft alle Lügen, die ihn nach einem schwachen Jahr auf der Resterampe sahen. Messi ist der Beste. Basta!

Was wird aus Mario Götze?

Der WM-Held erlebte wieder ein wichtiges Spiel als Joker. Schlappe elf Minuten gönnte ihm Guardiola vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw. Dass dieser den Jungstar beim WM-Finale mit den Worten aufs Feld schickte, er solle der Welt zeigen, dass er besser ist als Messi, wirkt heute wie ein schlechter Witz. Götze agiere "wie ein Jugendspieler", schimpfte Beckenbauer über das teilnahmslose Gekicke des Hochbegabten, "das passt natürlich nicht zum FC Bayern". Zukunft offen.

Was macht dennoch Hoffnung auf ein „Wunder von München“?

(Fast) nichts. Franck Ribéry und Arjen Robben werden auch in der Allianz Arena fehlen. Und Javi Martínez ist nach monatelanger Pause noch nicht in der Lage, dem Mittelfeld die dringend benötigte Stabilität zu geben. Guardiola hat keine Alternativen - und keine Hoffnung, dafür fiel die Niederlage um mindestens ein Tor zu hoch aus. Nur ein einziges Mal machte ein Team einen Drei-Tore-Rückstand noch wett. Die Bayern werden nicht das zweite sein.

Bayerns brasilianischer Verteidiger Rafinha hofft auf ein ähnliches Wunder: „Wir wissen, wie gut wir zu Hause mit unseren Fans sind.“ Im Achtelfinale gegen Schachtjor Donezk gab es ein 7:0, im Viertelfinale wurde der FC Porto mit 6:1 aus der Arena gefegt. „Es muss ein Spiel sein, wo es dir reinläuft, wie es so schön heißt im Bayerischen“, bemerkte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge.

MATCHPLAN: Kontrollierte Offensive lautet die Marschroute von Pep Guardiola. „Wir müssen gut verteidigen, das ist das Erste“, sagte der Bayern-Coach. Nicht aufs Ergebnis fokussieren, sondern auf ein gutes Spiel. Und ja nicht gegen Lionel Messi oder Neymar in einen Barça-Konter laufen. „Die Angreifer von Barcelona sind sehr stark. Wenn du einen Fehler machst, bestrafen sie dich“, warnte Guardiola.

In Barcelona hielt Bayern bis zur 77. Minute ein 0:0, dann schlugen Messi (2) und Neymar zu. „Wir werden uns einen Plan zurechtlegen und den voll durchziehen“, kündigte Nationalspieler Müller an.

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