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10.12.2015

14:05 Uhr

Champions League

Das Leverkusen-Syndrom

VonOliver Fritsch
Quelle:Zeit Online

Die gute Nachricht: Die deutschen Vereine blamieren sich nicht mehr in der Champions League. Die weniger gute: Sie machen noch einiges falsch.

Javier Hernandez und die Leverkusener sind nach der Vorrunde aus der Champions League ausgeschieden. ap

Zu wenig fürs Weiterkommen

Javier Hernandez und die Leverkusener sind nach der Vorrunde aus der Champions League ausgeschieden.

Bevor jemand über das Ausscheiden Leverkusens und der Gladbacher schimpft – ein paar Zahlen, falls jemand vergessen hat, wie trist es um deutsche Vereine in der Champions League vor nicht allzu langer Zeit bestellt war:

  • Der HSV verlor 2006 die ersten fünf Spiele.
  • Der VfB Stuttgart verlor ein Jahr später als Meister die ersten vier.
  • Bremen ging 2005 gegen Lyon in zwei Spielen addiert 2:10 unter.
  • Schalke verlor vor zwei Jahren zu Hause gegen Real Madrid 1:6.
  • Leverkusen kassierte in Barcelona mal sieben, in Piräus mal sechs Tore.
  • 2002 holte Bayer in der Zwischenrunde, die es damals noch gab, gar keinen Punkt.
  • Sogar Bayern München schied mal sieglos in der Vorrunde aus, 2002 war das.
  • Von 2002/03 bis 2008/09 kam kein Bundesliga-Verein ins Halbfinale, in drei dieser sieben Spielzeiten fand sogar das Viertelfinale ohne deutsche Beteiligung statt.
  • Vielleicht sagt sogar die größte Erfolgsmeldung dieser Epoche etwas aus über die damalige Rückständigkeit: Ottmar Hitzfelds Bayern eroberten Europa mit der Taktik Unterhachings, schrieb die Süddeutsche Zeitung.

Heute ist die Bundesliga in der Champions League konkurrenzfähig. Seit drei Jahren zählt sie neben Spanien und England zu den drei Ligen, die vier Teilnehmer stellen. In den beiden Vorjahren überstanden alle Teams die Vorrunde, 2013 gab es sogar ein deutsches Finale. In dieser Saison haben es zwar nur zwei in die nächste Runde geschafft, Bayern und Wolfsburg, die aber immerhin als Gruppensieger. Und Leverkusen und Gladbach hat nicht viel gefehlt.

Die Bayern, ohnehin in einer Hochphase, prägen mit einem offensivem Stil den Weltfußball und sind wie immer in den vergangenen Jahren ein Titelfavorit. Doch auch die anderen Deutschen sind schwerer zu besiegen als noch vor zehn oder fünf Jahren. Sie sind taktisch reifer geworden, vor allem in der Balleroberung. Das können sie wie kaum eine andere Nation auf dem ganzen Spielfeld, darin sind sie vor allem den Engländern voraus. Auch die deutsche Nachwuchsschule wirkt. Spieler wie Julian Draxler, Karim Bellarabi oder Fabian Johnson, die hier aufwuchsen, fallen auch international dank ihrer Balltechnik auf.

Deutschland blamiert sich nicht mehr, sondern spielt mit. Das ist die gute Nachricht. Wenn man unbedingt was zum Meckern finden will, kann man auch eine nicht ganz so gute erzählen: Es wäre kein Wunder, wenn für alle Clubs, die nicht Bayern heißen, wie im Vorjahr ab dem Viertelfinale Schluss wäre. Die deutschen Vereine haben zwar aufgeholt, aber die Topvereine noch nicht ein- oder gar überholt.

Alle haben was geleistet und gezeigt bis zum Ende dieser Vorrunde. Leverkusen hat in der Qualifikation wohl den härtesten Gegner ausgeschaltet, Lazio Rom. Beide Spiele gegen Barcelona hätte Bayer fast gewonnen, dem AS Rom war die Elf fast ebenbürtig. Das Ausscheiden war wieder sehr knapp, schon im Vorjahr scheiterte Bayer im Achtelfinale erst im Elfmeterschießen. Leverkusen kann auch Spektakel, schoss mehr als zwei Tore im Schnitt und im letzten Gruppenspiel gegen Barcelona 25 Mal Richtung Tor.

Borussia Mönchengladbach legte nach dem schwachen 0:3 in Sevilla und dem folgenden Rücktritt Lucien Favres einen „tollen Auftritt“ beim Debüt in der Champions League hin, wie der Manager Max Eberl sagte. Die Borussia hatte Pech bei der Auslosung sowie bei den knappen Niederlagen gegen die Neureichen von Manchester City. Gegen den Finalisten der Vorsaison, Juventus Turin, blieb sie zwei Mal unbesiegt. Den Europa-League-Gewinner Sevilla schlug sie sogar.

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