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15.04.2015

17:39 Uhr

Champions League

Die Anti-Bayern aus Porto

VonStefan Kreitewolf

Junge Talente, schnelle Stürmer und ein kaum beachtetes Wirtschaftswunder: Der FC Porto ist der kleinste unter den ganz großen Vereinen in Europa. Trotzdem kommt er regelmäßig ganz weit in Europa. Warum?

Portos Danilo feiert seinen Treffer mit Hector Herrera im Spiel gegen den Rio Ave FC am vergangenen Wochenende. AFP

Der vierarmige Jubel

Portos Danilo feiert seinen Treffer mit Hector Herrera im Spiel gegen den Rio Ave FC am vergangenen Wochenende.

DüsseldorfTraum-Los wider Willen: Nach der Auslosung für das Viertelfinale der UEFA Champions League sprachen Kommentatoren von einem Traum-Los für den FC Bayern. Der FC Porto galt als vermeintlich einfachster Gegner für die Münchener. Das stimmt allerdings nur bedingt: Denn der FC Porto ist Stammgast in der Königsklasse und hat erfrischend wenig zu verlieren. Warum auch, bei einer blutjungen Mannschaft mit einem Altersdurchschnitt von 24 Jahren?!

Denn den Spielern des FC Porto ist die große Bühne gerade recht. Die Königsklasse ist für sie das Schaufenster der Fußballwelt, in dem sie die Puppen sind. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass beim FC Porto ein Kronjuwel heranreift. Denn trotz zahlreicher Titel auf nationaler und internationaler Ebene ist der FC Porto ein Ausbildungsverein.

Die Verantwortlichen des Traditionsvereins haben ein besonderes Händchen für Talente. Für geringe Summen kaufen sie vor allem Nachwuchsspieler aus dem eigenen Land und aus Südamerika.

Das ist der FC Porto

Die Anfänge

Der FC Porto wurde am 28. September 1893 von dem Weinhändler António Nicolau d’Almeida gegründet. Sein erster Titel war der Gewinn der ersten portugiesischen Meisterschaft 1934.

Der Verein

Neben Fußball beheimatet der FC Porto die Sportarten Leichtathletik, Basketball, Billard, Boxen, Camping, Schach, Angeln, Handball, Karate, Motorsport, Rollhockey, Behindertensport, Schwimmen und Gewichtheben.

Das Stadion

Das Estádio do Dragão ist das Heimstadion des FC Porto und wurde 2003 als Austragungsort für die Fußball-Europameisterschaft 2004 eingeweiht. Es fasst insgesamt 52.000 Zuschauer (bei internationalen Spielen etwas weniger: 50.948).

Mitglieder

Im Juni 2013 zählte der Verein aus dem Norden Portugals 113.300 Mitglieder. Er rangiert damit auf dem neunten Platz der mitgliederstärksten Sportvereine der Welt.

Der Präsident

Jorge Nuno Pinto da Costa ist seit 1983 Präsident des FC Porto und extrem erfolgreich: In seiner Amtszeit feierte der Verein zahlreiche internationale und nationale Erfolge im Fußball und war extrem erfolgreich in den Abteilungen Handball, Basketball und Rollhockey.

Die Erfolge

Der FC Porto konnte in seiner jüngsten Geschichte die größten Erfolge erzielen: Neben dem zweifachen Gewinn der UEFA Champions League 1987 und 2004, sicherte sich der FC Porto das Penta, die fünfmal aufeinander folgende Meisterschaft von 1995 bis 1999.

Der Kader

Portos Kader ist insgesamt 212,9 Millionen Euro wert und mit international erfahrenen Spielern, wie Bruno Martins (Niederlande), Maicon (Brasilien) und Hector Herrera (Mexiko), gespickt.

Die Stars

Eigentlich ist der FC Porto stolz, keine Stars zu verpflichten. Dennoch gibt es einzelne Spieler im Kader, die durchaus hervorstechen. Zum Beispiel Jackson Martinez. Der Kolumbianer könnte der bayerischen Defensive ebenso gefährlich werden, wie der algerische Nationalspieler Yacine Brahimi. Außerdem gibt es da noch die spanische Nachwuchshoffnung Cristian Tello.

Der Trainer

Julen Lopetegui ist ein spanischer Ex-Torhüter, der die Erfolge spanischer Nachwuchsteams ab 2010 mitverantwortete. Erst seit dieser Spielzeit ist der 48-Jährige für Porto tätig.

Transferpolitik

Transferausgaben in Höhe von 198 Millionen Euro in den Jahren 2007 bis 2012 stehen Transfereinnahmen in Höhe von 379 Millionen Euro gegenüber. Seit 2003 gab der Verein 284 Millionen Euro für Spieler aus und erlöste  im gleichen Zeitraum durch Transfers 555 Millionen Euro.

Kaderschmiede

Beim FC Porto schafften Spieler wie Pepe, Bruno Alves (beide Portugal), James Rodriguez, Radamel Falcao (beide Kolumbien), Diego, Hulk und Emerson (alle Brasilien) den Durchbruch. Ganz zu schweigen von Trainerstar José Mourinho, der beim FC Porto bekannt wurde.

Bilanz gegen Bayern

Die Europapokalbilanz des FC Bayern gegen Porto ist mit zwei Siegen, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen ausgeglichen.

Das hat Tradition: Als viele portugiesische Profis in den 1970er-Jahren dem Ruf des Geldes folgten und in andere Länder Europas wechselten, begann Porto, die Lücken mit Spielern aus Lateinamerika zu füllen – insbesondere aus Brasilien. Wegen der gemeinsamen Sprache fällt die Integration nicht schwer.

Diese Vorgehensweise haben sie beim FC Porto professionalisiert. Mehrere hunderte Scouts sollen für den Verein durch die Welt reisen. Konkrete Zahlen gibt es nicht. Was Transfers angeht, ist der FC Porto eine Festung. Bei ungemütlichen Fragen wird die Zugbrücke hochgezogen und das geht in der nordportugiesischen Hafenstadt ganz einfach: Das Trainingsgelände des Vereins liegt auf der anderen Seite des Flusses Douro. Nicht einmal die Fans haben Zutritt.

Der FC Porto will mit dieser restriktiven Politik genau eines erreichen: Die jungen Talente sollen behutsam an die erste Mannschaft herangeführt werden und sich im vergleichsweise unaufgeregten Ligabetrieb Portugals zu kompletten Spielern entwickeln. Das Trainingsgelände wird so zum Forschungszentrum.

Dann kommt das Geschäftliche: kaufen, veredeln, kostspielig weiterverkaufen. Die Nachwuchsspieler beim FC Porto werden wie reife Äpfel geerntet und für große Summen an zahlungskräftige Spitzenklubs transferiert.

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