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03.11.2014

19:33 Uhr

Champions League

Die zwei Gesichter der Borussia

Mit einem Sieg über Istanbul wäre der BVB so früh wie nie zuvor für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert. Doch die Freude ist nicht von Dauer. Der Blick auf die Bundesliga bringt große Sorge.

Ein seltenes Bild: Dortmunds Marco Reus (M.) jubelt mit seinen Teamkollegen Pierre-Emerick Aubameyang (l.) und Lukasz Piszczek über ein Tor. dpa

Ein seltenes Bild: Dortmunds Marco Reus (M.) jubelt mit seinen Teamkollegen Pierre-Emerick Aubameyang (l.) und Lukasz Piszczek über ein Tor.

DortmundFür Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ist es „ein Alptraum“, Verteidiger Lukasz Piszczek glaubt an „eine Seuche“. Nach dem Absturz auf einen Abstiegsplatz herrscht bei Borussia Dortmund Alarmstimmung. Von Vorfreude auf das Duell am Dienstag mit Galatasaray Istanbul kann keine Rede sein. Angesichts der prekären Lage gerät die Champions League zur Nebensache.

Routinier Sebastian Kehl hofft, dass sich die Türken als Aufbaugegner für die Bundesliga erweisen: „Wir haben die Möglichkeit, mal wieder mit einem positiven Gefühl ins Bett zu gehen. Das war in der Bundesliga zuletzt sehr hart.“

Die Chancen auf eine Mut machende Therapie stehen gut. Anders als auf nationaler Bühne lief für den BVB in Europa bisher alles nach Plan. Nach drei Siegen über den FC Arsenal (2:0), den RSC Anderlecht (3:0) und über Galatasaray (4:0) führt der Bundesliga-Vorletzte die Tabelle der Gruppe D mit makelloser Bilanz an.

Mit einem weiteren Erfolg über den türkischen Meister wäre der Achtelfinal-Einzug bereits nach vier Vorrundenspielen perfekt - so früh wie nie zuvor. Doch damit allein will sich Sportdirektor Michael Zorc nicht begnügen: „Wir wollen den Gruppensieg.“ Schließlich würde der erste Platz die Chance auf einen leichteren Gegner in der ersten K.o.-Runde erhöhen.

Champions-League-Prämien

Hohe Ausschüttung

Die Champions League bleibt für die Uefa und die teilnehmenden Fußball-Klubs ein florierendes Geschäft. Mehr als 900 Millionen Euro werden in dieser Spielzeit ausgeschüttet.

Sichere Startprämie

Als fixe Startprämie verbuchen alle 32 Vereine 8,6 Millionen Euro. In der Summe sind für den Champions-League-Sieger im besten Fall mehr als 60 Millionen Euro möglich.

Siegprämien

Pro Sieg in der Gruppenphase gibt es eine Million Euro, für jedes Unentschieden halb so viel. Erfolg zahlt sich auch in der K.o.-Runde richtig aus. 3,5 Millionen Euro überweist die UEFA für den Achtelfinal-Einzug, weitere 3,9 Millionen für das Erreichen des Viertelfinales. Die Halbfinalisten erhalten 4,9 Millionen Euro, der unterlegene Finalist 6,5 Millionen. Der Sieger des Endspiels Ende Mai in Lissabon bekommt 10,5 Millionen Euro überwiesen. Dazu kommen Ticketeinnahmen in Millionenhöhe.

Bayern verdienen am meisten

Der FC Bayern kommt nach dem Achtelfinale bereits auf 28,76 Millionen Euro Startgeld und Prämien. Dortmund nahm 24,85, Leverkusen 21,43 und Schalke 18,51 Millionen Euro ein. Ziehen die Bayern ins Viertelfinale ein, würden die Gesamteinnahmen bereits annähernd 50 Millionen Euro betragen.

Der Titel war viel Geld wert

Beim Titelgewinn 2013 kassierten die Münchner insgesamt 55,046 Millionen Euro an Uefa-Prämien, davon 19,146 Millionen aus dem Markt-Pool. Hinzu kamen rund 15 Millionen Euro an Zuschauer-Einnahmen aus sechs Heimspielen.

Vergleich Europa League

Die Gelder in der Europa League sind im Vergleich zur Königsklasse nur Trostpflaster. Im kleinen Europacup fließen nur mehr als 200 Millionen Euro an die 48 Vereine. Der Cupsieger bekommt fünf Millionen Euro, der unterlegene Finalist muss sich mit 2,5 Millionen Euro begnügen. Mit speziellen Bonifikationen kann der Europa-League-Sieger fast zehn Millionen Euro einstreichen.

Die Zeit internationaler Festtage dürfte schon bald vorerst vorbei sein. Spätestens nach dem 1:2 am Samstag beim FC Bayern erscheint es bei einem Abstand von bereits zehn Punkten auf den Tabellenvierten Hoffenheim illusorisch, weiter an einen erneuten Einzug in die europäische Königsklasse zu glauben. Zum Leidwesen von Vereinschef Watzke wird der BVB mittlerweile sogar als Abstiegskandidat gehandelt. „Das ist auch für mich ein Alptraum“, gestand der Vereinschef in einem ARD-Interview.

Von in solchen Krisensituationen üblichen Mechanismen hält Watzke jedoch wenig. Zum wiederholten Mal stärkte er Trainer Jürgen Klopp demonstrativ den Rücken: „Er hat keinen einzigen Fehler gemacht.“ Hektische Maßnahmen wären nach Einschätzung des Geschäftsführers ohnehin kontraproduktiv: „Es hilft, dass der Verein in dieser Situation ruhig und besonnen ist - nicht gelassen.“

Diese Rückendeckung hält Klopp für sehr hilfreich. „Es ist eine schwierige Phase. Da hilft Ruhe. Die spüre ich und versuche, sie zu nutzen.“ Der Coach hofft, dass die Partie gegen den türkischen Meister Mut macht für die Krisenbewältigung in der Bundesliga: „Wir versuchen am Dienstag an unseren Abläufen zu arbeiten und positive Dinge für Sonntag abzuleiten.“ Kehl pflichtete bei: „Unsere Situation ist nicht aussichtslos.“

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