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23.02.2016

22:47 Uhr

Champions League

FC Bayern verpatzt die Vorentscheidung

Überlegenes Spiel, klare Führung, ein ängstlicher Gegner: Es sah so aus, als würde der FC Bayern München die Spieler von Juventus Turin in die Tasche stecken. Doch die Italiener hatten eine Überraschung parat.

Stefano Sturaro (Juve/l.) schießt das zweite Tor im Champions-League-Spiel gegen die Bayern. AP

Juventus Turin - FC Bayern München

Stefano Sturaro (Juve/l.) schießt das zweite Tor im Champions-League-Spiel gegen die Bayern.

TurinEin lange Zeit übermächtiger FC Bayern München hat eine Vorentscheidung im Gigantentreffen mit Juventus Turin verschenkt. Trotz einer 2:0-Führung und einer deutlichen Überlegenheit reichte es für die Münchner am Dienstag im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League nur zu einem enttäuschenden 2:2 (1:0) beim über weite Strecken ängstlich agierenden italienischen Rekordmeister. Damit bleibt es vor dem Rückspiel am 16. März in München noch unnötig spannend.

Thomas Müller (43.) und Arjen Robben (54.) hatten die Bayern bereits klar in Führung gebracht, doch Paulo Dybala (63.) und Stefano Sturaro (76.) brachten die Italiener zurück ins Spiel.

Zunächst hatten sich die Fragezeichen um die Münchner Zwergenabwehr ohne gelernten Innenverteidiger vor 41.332 Zuschauern im ausverkauften Juventus Stadium als unbegründet erwiesen. Juve hatte der geballten Angriffswucht der Münchner kaum etwas entgegenzusetzen, die Kontertaktik ging nicht auf. Die Münchner Defensive mit Joshua Kimmich und David Alaba im Zentrum geriet kaum in Gefahr.

„Wir brauchen die beste Leistung des Trainers, des Stabes, der Spieler“, hatte Bayern-Trainer Pep Guardiola angekündigt. Und entsprechend angriffslustig gingen die Bayern auch zu Werke. Mit extrem hohem Pressing und einer Ballbesitzquote von mehr als 70 Prozent in der ersten Hälfte zogen die Münchner das Spiel tief in der Hälfte der Italiener auf. Juve agierte geradezu eingeschüchtert, verbarrikadierte sich rund um den eigenen Strafraum und lauerte ausschließlich auf Fehler der Bayern.

Juve gegen Bayern: Gigantentreffen in der Champions League

Ausgangslage Juve

Juve stand 2015 im Finale, hat nach einem schwachen Saisonstart einen super Lauf in der Meisterschaft hingelegt. Torwart-Legende Gianluigi Buffon ist seit 836 Minuten ohne Gegentor

Ausgangslage Bayern

Bayern hat das Handicap, ohne die verletzten Innenverteidiger Jérôme Boateng, Javi Martínez und Holger Badstuber auskommen zu müssen.

Kader Juve

Die Spieler von Juventus Turin sind laut Transfermarkt.de 380 Millionen Euro wert. Auf die höchsten Marktwerte kommen der Franzose Paul Pogba (55 Millionen Euro) und der junge Stürmer Paulo Dybala (36 Millionen Euro),

Kader Bayern

Die Spieler der Bayern kommen auf einen Marktwert von 578 Millionen Euro. Wertvollste Spieler sind Stürmer Thomas Müller (75 Millionen Euro) und Robert Lewandowski (70 Millionen Euro).

Abwehr

Erwartet wird, dass Joshua Kimmich und David Alaba die schwierige Aufgabe gegen Juves Topstürmer Paulo Dybala, Mario Mandzukic oder Alvaro Morata anvertraut wird. Wichtig werde sein, wegen der Unterlegenheit bei Kopfballduellen Freistöße und Eckbälle zu vermeiden.

Wiedersehen

Einer bei Juve ist besonders heiß: Mario Mandzukic. Der kroatische Angreifer, der 2013 mit den Bayern die Champions League gewann, möchte es seinem Ex-Trainer Pep Guardiola zeigen. Mandzukic ist rechtzeitig von einer Wadenverletzung genesen. Auch Weltmeister Sami Khedira steht Juve wieder fit zur Verfügung.

Bisherige Bilanz

Die letzten zwei Gastspiele in Turin endeten für die Bayern mit Siegen. 2009 gab es in der Gruppenphase ein 4:1. Vor drei Jahren siegten die Münchner im neuen Juventus-Stadion mit 2:0 und zogen ins Halbfinale ein.

Jubiläum

Weltmeister Philipp Lahm bestreitet in Turin sein 100. Spiel in der Königsklasse. Nur ein deutscher Spieler hat mehr: Oliver Kahn (103).

Lahm fehlt ein Tor

Lahm hat sich noch mal Bilder angeschaut von seinem Debüt als 19-Jähriger im November 2002 beim 3:3 gegen den RC Lens. „Da habe ich ausgeschaut wie ein kleiner Junge”, scherzte der heute 32-Jährige. Was Lahm noch fehlt, ist ein Tor. Hundert Spiele, null Tore - das wäre ein Rekord unter allen Feldspielern in der Geschichte der Champions League.

Durch die äußerst defensive Ausrichtung war der Weg für den Spitzenreiter der Serie A bis zum Tor von Manuel Neuer allerdings auch sehr weit. Das hatte für die Mini-Abwehrreihe des Bundesliga-Spitzenreiters den angenehmen Nebeneffekt, dass sie kaum Standardsituationen abzuwehren hatte. Dies hatte Guardiola im Vorfeld noch große Sorgen bereitet, denn der in seinem 100. Königsklassen-Spiel überragende Kapitän Philipp Lahm, Kimmich, Alaba und Juan Bernat kommen zusammen im Schnitt nicht einmal auf eine Größe von 1,75 Metern.

Guardiola scheute aber nicht das Risiko und überraschte mit der Hereinnahme von Arturo Vidal für den spanischen Welt- und Europameister Xabi Alonso. „Vidal ist geboren für dieses Spiel“, sagte Sportvorstand Matthias Sammer mit Blick auf die Turiner Vergangenheit des Mittelfeldspielers. Vidal war auch gleich an einigen kniffligen Szenen des Spiels beteiligt.

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