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24.02.2015

18:32 Uhr

Champions League

Juve und die Angst vor dem BVB

VonAntje Luz

Juventus Turin und Borussia Dortmund spielen heute im Achtelfinale der Champions League. Der Tabellenführer der Serie A könnte bald Spieler verlieren. Denn Italiens Fußball fehlt es an Qualität – technisch wie finanziell.

Heiß begehrt: Wie lange Arturo Vidal noch in der Serie A spielt, ist fraglich. dpa

Arturo Vidal

Heiß begehrt: Wie lange Arturo Vidal noch in der Serie A spielt, ist fraglich.

TurinArturo Vidal ist ein alter Bekannter. Der Profi von Juventus Turin spielte früher einmal bei Bayer Leverkusen. Und muss heute in der Champions League gegen Borussia Dortmund (20.45 Uhr) ran. „Die Stärken sind unter Jürgen Klopp nicht die Einzelspieler, sondern die Einheit im Team, das Pressing, überdurchschnittliche Technik und der wahnsinnige Rhythmus“, glaubt der chilenische Fußball-Nationalspieler. „Bei dem BVB-Tempo müssen wir höllisch aufpassen“, sagte er dem „Kicker“.

Vidal sieht die Probleme des deutschen Vize-Meisters in der Bundesliga nicht als Vorteil. „Ganz im Gegenteil. Das macht Dortmund noch gefährlicher, denn gerade in der Champions League wollen sie zeigen, dass der Ligaplatz bei ihrer enormen Qualität bloß eine unerklärliche Momentaufnahme ist“, sagte der 27-Jährige. Sein eigenes Team betrachtet er im übrigen als Mitfavorit auf den Finalsieg in der Königsklasse. „Wichtig ist, sich immer die höchsten Ziele zu setzen.“

Solche Aussagen überraschen. Fünf Champions-League-Endspiele fanden zuletzt ohne eine italienische Mannschaft statt, in der Europa League ist eine italienische Finalteilnahme sogar 15 Jahre her. Zuletzt standen sich 2010 Inter Mailand und Bayern München in Madrid gegenüber, seither ist die italienische Liga eingebrochen, ihr Spielsystem und Stolz gebrochen.

Zahlen und Fakten zu Juventus Turin

Tradition

Die Geschichte des Vereins beginnt im Jahre 1897. Juve“ wurde damals von 13 Studenten des Turiner Massimo-d’Azeglio-Gymnasiums als Augusta Tourinorum gegründet.

Schwarz und Weiß

Aufgrund eines Zufalls werden seit 1903 tritt „Juve“ im weiß-schwarzen Dresse an. Ein englischer Emigrant wollte der Mannschaft eine neue Ausrüstung schenken und gab diese in Nottingham in Auftrag. Dort kam es zu einer Verwechslung: Bestellt waren rosa-schwarz gestreifte Trikots, der Textilhersteller dachte jedoch, die Trikots seien für den regional ansässigen Fußballklub Notts County bestimmt produzierte in weiß-schwarz. In Turin war man zwar alles andere als begeistert, mangels Alternativen sah man sich jedoch schon bald dazu gezwungen, die neuen Trikots zu verwenden.

Rekordmeister

Der Klub gilt als einer der traditionsreichsten und erfolgreichsten Fußballvereine der Welt und ist Rekordmeister Italiens.

Titelsammler

Im Laufe seiner Vereinsgeschichte gelang es dem Verein, alle drei Europapokale – UEFA-Pokal, Europapokal der Pokalsieger sowie den Europapokal der Landesmeister – für sich zu entscheiden. Dies gelang wenigen anderen Klubs.

Stadion

Seine Heimspiele trägt Juventus seit der Saison 2011/12 in dem neu erbauten Juventus Stadium aus. Mit dem Einstieg des Sponsors Allianz heißt die Arena ab der Saison 2017/18 „Allianz Stadium“. Der Sponsoring-Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2023.

Trainer und Präsident

Juventus wird seit Juli 2014 von Massimiliano Allegri trainiert. Präsident des Vereins ist Andrea Agnelli.

Der Agnelli-Clan

Der Agnelli-Clan ist Mehrheitseigentümer und unterhält seit 1923 enge Verbindungen zum Verein. Sowohl Giovanni Agnelli als auch Umberto Agnelli waren zeit ihres Lebens eng mit dem Fußballklub verbunden und standen dem Verein bis zum Tod als Ehrenpräsidenten vor.

Umsatzexplosion

Kern-Umsatz 2010/11: 153,8 Millionen Euro (Spieltag, TV-Rechte, Sponsoren). Seither hat sich der Umsatz mehr als verdoppelt.

Umsatz 2015/16

Kern-Umsatz 2015/16: 341,5 Millionen Euro (Spieltag, TV, Sponsoren)

Vorjahre: 324,7 Millionen (2014/15), 279,3 Millionen (2013/14), 272,4 Millionen (2012/13), 195,4 Millionen Euro (2011/12)

Unternehmenswert

Der Beratungskonzern KPMG schätzt den Wert des Klubs - gemessen an den Zahlen für 2016 - auf 1,2 Milliarden Euro. Damit liegt Juventus in Europa auf Platz 9.

Noch wenige Jahre zuvor konnte AC Milan 2003 und 2007 sogar in einem italienisch-italienischen Finale mit Juventus die heißgeliebte Trophäe nach Mailand holen. 2005 hatten sie denkwürdig darum gekämpft. Aber mit welchen Mannschaften war der AC Milan angetreten: in der Verteidigung Maldini, Nesta, Costacurta, im Mittelfeld Pirlo, Kakà, Gattuso, im Sturm Inzaghi… 

Soviel Klasse hat der italienische Fußball längst nicht. Aus diesem Grund gewinnen italienische Teams auch nicht mehr. Sowohl in der Champions als auch in der Europa League fehlt es an Qualität. Technisch wie finanziell. Die Klubs brauchen großartige Spieler, die man einkauft, aber dafür fehlt immer häufiger das Geld.

Sie könnten auch Spieler selbst ausbilden. Das erweist sich in Italien jedoch als enorm schwierig. Es gibt zwar eine Regel, der zufolge von 25 Spielern acht Italiener und vier davon wiederum aus den eigenen Reihen sein müssen. Doch der Druck aufs Resultat ist groß. Vielen erscheint es zu gefährlich, Nachwuchsspieler mit wenig Erfahrung einzusetzen.

„Ich brauche kein schönes Spiel, ich brauche Tore. In Italien musst du Killerinstinkt entwickeln“, soll Trainer Capello treffend zu Zlatan Ibrahimovic gesagt haben, als dieser 2004 zu Juventus wechselte. Anderswo schreiben die Medien kurz vorher und kurz nachher über eine Begegnung. In Italien läuft das dagegen die ganze Woche, und dabei setzen die Medien die Spieler konstanter Kritik aus.

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