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03.04.2017

10:30 Uhr

Champions League

TV-Poker um Fußballrechte spitzt sich zu

Quelle:dpa

Die Uefa will noch mehr Geld kassieren – und die Zeichen stehen günstig für Europas Fußball-Dachverband. In der Champions League gibt es von 2018 an zusätzliche Anstoßzeiten und mehr Fix-Starter aus den großen Ligen.

Spiele der Champions League im frei empfangbaren deutschen Fernsehen könnten bald Vergangenheit sein. Foto: Tobias Hase dpa

Free-TV

Spiele der Champions League im frei empfangbaren deutschen Fernsehen könnten bald Vergangenheit sein. Foto: Tobias Hase

HannoverTV-Sender und andere Medien-Unternehmen sollen dafür noch mehr Millionen als bisher zahlen. Für die zukünftig vier festen Starter der Fußball-Bundesliga bringt das höhere Einnahmen. Doch den deutschen Fans drohen Einschränkungen.

Am 3. April lief die erste und vielleicht schon letzte Runde im TV-Poker für den deutschen Markt ab. Derzeit teilen sich das ZDF und Sky die Rechtepakete, die zumindest mittwochs Spiele im frei empfangbaren Fernsehen garantieren. Das könnte sich ändern, wenn es hierzulande einen Deal wie in Großbritannien gibt.

Im Pay-Bereich ist schon jetzt für die Uefa das meiste Geld zu verdienen. Sky hat aber neue Konkurrenten bekommen, was den Preis zur Freude des Kontinentalverbandes in die Höhe treiben dürfte. Ob das ZDF – oder ein anderer Free-TV-Sender – bei dem Wettbieten um die Rechte des wichtigsten Clubwettbewerbs von 2018 bis 2021 mithalten kann, erscheint angesichts des veränderten Marktes fraglich.

Die UEFA Champions League

Start

Die Königsklasse startet am 28. Juni 2016 und endet am 3. Juni 2017 mit dem Finale im Nationalstadion von Wales in Cardiff.

Quelle: Uefa.com

Wer ist dabei?

22 Mannschaften sind automatisch qualifiziert: Der Titelverteidiger der UEFA Champions League. Die Top drei aus Spanien, England und Deutschland. Die Top zwei aus Italien, Portugal und Frankreich. Die Meister aus Russland, der Ukraine, den Niederlanden, Belgien, der Schweiz und der Türkei

Spieltage in der Gruppenphase

1. Spieltag 13.–14.09.16
2. Spieltag 27.–28.09.16
3. Spieltag 18.–19.10.16
4. Spieltag 01.–02.11.16
5. Spieltag 22.–23.11.16
6. Spieltag 06.–07.12.16

Provisorische Daten der Auslosungen

25.08.2016: Gruppenphase
12.12.2016: Achtelfinals
17.03.2017: Viertelfinals
21.04.2017: Halbfinals

Finalspielort: Cardiff

Der Austragungsort des Finals der UEFA Champions League 2017, das am 3. Juni 2017 stattfindet, ist das Nationalstadion von Wales in Cardiff - es bietet 74 500 Zuschauern Platz. Das Stadion wurde am 30. Juni 2015 vom UEFA-Exekutivkomitee ausgewählt.

Finanzen

Der voraussichtlich für die Ausschüttung an die Klubs der UEFA Champions League pro Saison verfügbare Gesamttopf beläuft sich auf 1,257 Milliarden Euro. Davon feste Ausschüttungen: 724,4 Millionen Euro

Was ist in der Gruppenphase sicher drin?

Startprämie Gruppenphase: zwölf Millionen Euro

Leistungsprämie Gruppenphase: 1,5 Millionen Euro pro Sieg und 500.000 Euro pro Unentschieden

Was gibt es in den nächsten Runden sicher?

Achtelfinale: 5,5 Millionen Euro

Viertelfinale: sechs Millionen Euro

Halbfinale: sieben Millionen Euro

Was gibt es fürs Endspiel sicher?

Endspiel: 15 Millionen für den Sieger, 10,5 Millionen Euro für den unterlegenen Finalisten

Zusatz

Zusätzlich kann der Sieger des UEFA-Superpokals Einnahmen von vier Millionen Euro erwarten, der unterlegene Finalist drei Millionen Euro.

Dass dem Verband die Einnahmen wichtiger sind als freie Übertragungen, zeigt das Beispiel Großbritannien. Dort schloss die Uefa über den Vermarkter TEAM einen Rekord-Vertrag ab. 1,38 Milliarden Euro zahlt BT Sports für drei Spielzeiten.

Um höhere Einnahmen zu erzielen, hatte der Verband die Anstoßzeiten geändert. Um 19 und um 21 Uhr beginnen zukünftig die Gruppenspiele, wodurch mehr TV-Übertragungszeiten entstehen. Zudem bekommen Ligen aus den Ländern, wo die Medien-Verträge am meisten abwerfen, vier feste Startplätze. Auch das gefällt vor allem Pay-Anbietern.

Fakten zur neuen Champions-League-Saison

Die Favoriten

Real Madrid will als erstes Team in der Historie der Champions League seinen Titel verteidigen. Der FC Bayern hat sich die Dienste eines Königsklassen-Experten gesichert. Trainer Carlo Ancelotti hat dreimal die Champions League gewonnen, Nummer vier soll folgen. Vorgänger Pep Guardiola trimmt indes nun Manchester City zum Mitfavoriten, schon in der Vorrunde trifft er auf seinen Ex-Club FC Barcelona, einen weiteren Titelanwärter.

Das sagen die Bayern

Carlo Ancelotti gewann schon mit dem AC Mailand (2003 und 2007) und Real Madrid (2014) die Champions League. Vor seiner ersten Saison mit dem FC Bayern sagt der Italiener: „Wir wollen das Maximale erreichen.“

Die Chancen von Dortmund und Leverkusen

Borussia Dortmund bekommt es bei seiner Rückkehr in der Gruppenphase mit Real Madrid zu tun. Der BVB sollte die Vorrunde, in der zudem Sporting Lissabon und Legia Warschau warten, überstehen. Auch in der K.o.-Phase ist Thomas Tuchels neuformiertes Team nicht chancenlos. Bayer Leverkusen hat auch eine machbare Gruppe erwischt. „Wir wollen uns durchsetzen”, sagt Sportdirektor Rudi Völler.

Der Traum von Max Eberl

Ein Einzug von Borussia Mönchengladbach ins Achtelfinale wäre bei den Gruppengegnern FC Barcelona und Pep Guardiolas Manchester City schon eine Überraschung. „Mein großer Traum ist, in Europa zu überwintern”, sagt Sportdirektor Max Eberl.

Auf welche Klubs man noch achten sollte

Zlatan Ibrahimovic hat Paris Saint-Germain verlassen, mit den Millionen aus Katar hat der französische Meister aber weiter einen starken Kader. Italiens Champion Juventus Turin war vor zwei Jahren zuletzt im Königsklassen-Finale und plant mit Weltmeister Sami Khedira den nächsten Angriff auf Europas Thron.

Diese Teams sind neu dabei

Für Würze könnten auch die krassen Außenseiter sorgen. Russlands Vizemeister FK Rostow, erster Gegner des FC Bayern, debütiert ebenso in der Champions League wie Leicester City, das in der Vorsaison mit dem Titel in England nichts weniger als ein Fußball-Wunder vollbrachte.

So ist der Modus

Im Vergleich zu den Vorjahren ändert sich nichts. 32 Mannschaften starten in acht Gruppen zu je vier Teams. Die beiden Gruppenersten ziehen ins Achtelfinale ein, die Dritten spielen in der K.o.-Phase der Europa League weiter. Vom Achtelfinale an entscheiden Hin- und Rückspiel über das Weiterkommen, das Finale steigt am 3. Juni 2017 in Cardiff. Die nächste Reform der Champions League steht erst in zwei Jahren an. Dann gibt es vor allem noch mehr Geld für die Topclubs.

So viel Geld gibt es zu verdienen

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) zahlt einen Gesamtbetrag von über 1,3 Milliarden Euro aus – wieder ein Rekord. Das Startgeld wurde noch einmal erhöht, allein 12,7 Millionen Euro bekommt jetzt jeder Teilnehmer. Die Höchstsumme, die ein Verein ohne Berücksichtigung des Marktpools erspielen kann, beträgt laut Verbandsangaben 57,2 Millionen Euro.

Hier gibt's die Spiele im TV

Im frei empfangbaren TV hat weiter das ZDF die Senderechte. Jeweils mittwochs zeigt das Zweite in der Gruppenphase ein Spiel mit deutscher Beteiligung. Ist in der K.o.-Phase nur noch ein deutscher Club dabei, darf das ZDF auch dessen Spiele am Dienstag zeigen. Alle Spiele live gibt es beim Bezahlsender Sky.

Links

Das ZDF hat zumindest angekündigt, ein Angebot abzugeben. „Die UEFA weiß, was sie an uns hat, und wir wissen, was wir an der Champions League haben”, sagte der neue Sportchef Thomas Fuhrmann. Der Privatsender RTL, der bis 2003 elf Jahren lang die Champions League zeigte und zuletzt mehrfach Länderspiel-Rechte erwarb, äußerte sich etwas vorsichtiger: „Wir schauen uns das an.”

Die ARD hat dem Vernehmen nach kein Interesse. Thomas Ebeling, Chef des Fernsehkonzerns ProSiebenSat.1, hatte große Fußballrechte im Vorjahr als „unwirtschaftlich” bezeichnet: „Wir werden sicherlich bei den ganz großen Fußball-Paketen nicht mitbieten.” Sport1 dürfte Interesse haben, weiter die Europa League zeigen zu dürfen.

Der heißere Wettbewerb findet sicher im Bezahl-Bereich statt. Vor allem weil die von Fachleuten „All pay” genannte Variante möglich ist. Dieses Exklusivmodell ist für Sky ebenso interessant wie für den neuen Hauptkonkurrenten DAZN. Der Streamingdienst hat Sky bereits die englischen Premier-League-Rechte abgeknöpft und kündigte über den Vorstandsvorsitzenden James Rushton an, „sehr aggressiv” mitzubieten.

Während Sky in Großbritannien zum zweiten Mal in Folge leer ausging, ist Sky Deutschland beim Poker um die die Champions League jahrelang als Sieger hervorgegangen. Neben DAZN haben zuletzt aber auch andere Bezahl-Plattformen angegriffen. Fachleute nennen die Deutsche Telekom und Amazon als mögliche Interessenten. Eurosport befindet sich seit ein paar Jahren im Wandel, kaufte nach den Olympia-Rechten im Vorjahr erstmals Live-Spiele der Fußball-Bundesliga - und könnte, wenn noch genug Geld in der Kasse ist, auch um die Champions League mitbieten.

DAZN

ZDF

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