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25.11.2014

16:17 Uhr

Champions League

Xabi Alonso - ein Glücksgriff für den FC Bayern

Liverpool 2005, Real Madrid 2014 und FC Bayern 2015? Ein dritter Champions-League-Triumph ist das ehrgeizige Ziel von Xabi Alonso. In München hat der Spanier mit 33 Jahren eine letzte sportliche Herausforderung gefunden.

Mit Bayern München hat Xabi Alonso die Möglichkeit zum dritten Mal Champions-League-Sieger zu werden. AFP

Mit Bayern München hat Xabi Alonso die Möglichkeit zum dritten Mal Champions-League-Sieger zu werden.

ManchesterXabi Alonso schaute den Fragesteller ungläubig an. Ein einheimischer Reporter wollte doch tatsächlich von ihm vor dem Champions-League-Spiel des FC Bayern gegen Manchester City wissen, ob er denn als Spieler noch einmal in die englische Premier League zurückkehren wolle. „Ich bin schon alt, ich weiß nicht, ob ich diese Zeit noch habe“, antwortete der verblüffte Xabi Alonso. Am Dienstag feierte der spanische Señor in Manchester seinen 33. Geburtstag - ein bereits sehr reifes Alter für einen Fußball-Profi.

Der Ehrentag war für den Europameister von 2008 und 2012 sowie Weltmeister von 2010 ein ganz normaler Arbeitstag. Er verlief wie so viele andere in seinem Profi-Leben, fern der Familie mit Stunden des Wartens im Teamhotel bis zum Aufbruch ins Etihad Stadium, in dem er einmal mehr seinen Job so gut wie möglich erledigen wollte. Unabhängig vom Ausgang des für die Bayern eher bedeutungslosen Gruppenspiels waren zumindest ihm als Geburtstagskind Glückwünsche gewiss.

Champions League: 5. Spieltag (1)

ZSKA Moskau - AS Rom 1:1

90 Minuten lang sieht es so aus, als könnte der AS Rom in einer niveauarmen Partie alle drei Punkte entführen. Dafür scheint lange ein Geniestreich von Francesco Totti zu reichen, der einen Freistoß aus 17 Metern im Torwarteck verwandelt (43.). Doch in der Nachspielzeit gleicht ZSKA aus dem Nichts aus, als eine Flanke von Berezutskiy ins lange Eck trudelt (90.+3).

Bate Borisov - FC Porto 0:3

Nach 90 Minuten bezwingt der FC Porto BATE Borisov mit 3:0. Nach einer recht ereignislosen ersten Spielhälfte, erhöht der Favorit aus Portugal den Druck und geht folgerichtig durch Herrera (56.) und Martinez (65.) in Führung. Anders als im Hinspiel, als Porto Borisov mit 6:0 aus dem Stadion schoss, ist heute lange Zeit sehr viel Geduld gefragt. Doch am Ende erhöht Tello (89.) sogar noch auf 3:0.

Manchester City - Bayern München 3:2

Der FC Bayern verliert bei Man City mit 2:3, schlägt sich dabei aber in erster Linie selbst. Drei Fehler kosten den Münchenern drei mögliche Punkte. Medhi Benatia holt sich wegen einer Notbremse an Agüero eine frühe Rote Karte ab, den folgenden Strafstoß verwandelt der Argentinier selbst (21.). Zwar drehen die Bayern in Unterzahl die Partie (1:1 Alonso, 40./ 2:1 Lewandowski, 45.), leisten sich kurz vor dem Ende jedoch zwei weitere dicke Patzer. Zunächst beschenkt Geburtstagskind Alonso Agüero mit einem Fehlpass, den dieser zum Ausgleich nutzt (85.), dann macht es ihm Boateng gleich. Der Angreifer sagt Danke (90.+1) und wird zum Helden eines interessanten Spiels.

Paris SG - Ajax Amsterdam 3:1

Beinahe das komplette Spiel ist Ajax die spielbestimmende Mannschaft und muss sich doch deutlich geschlagen geben. Trotz der frühen Verletzung von Boilesen und dem 1:0-Rückstand durch das Tor von Edinson Cavani (33.) lässt sich der niederländische Meister nicht aus der Fassung bringen. Nach dem Seitenwechsel erzwingen die Gäste den hochverdienten Ausgleich durch Devy Klaassen (67.). Danach scheint Ajax dem Sieg sogar deutlich näher als Paris, nur um dann bei der erneuten Führung durch Zlatan Ibrahimovic (79.) Spalier zu stehen. Den 3:1-Endstand durch Cavani (83.) bereitet der für Boilesen eingewechselte Nick Viergever dann höchstpersönlich vor, indem er den Stürmer bei einem Rückpass auf Cillessen schlichtweg übersieht. So steht am Ende ein für PSG durchaus glücklicher und sicherlich im Resultat zu hoher Sieg zu Buche.

Nikosia - FC Barcelona

Die Katalanen sind das komplette Spiel haushoch überlegen. In der ersten Hälfte gehen sie durch Suarez (27.) in Führung. Dann beginnt die große Messi-Show. In der 38. Minute macht er das 2:0, in der 58. das 3:0 und in der 87. dann das 4:0. Durch diesen Hattrick führt er nun die Torschützenliste der Champions League mit 74 Treffern an. Von Nikosia ist im ganzen Spiel nichts zu sehen.

Chelsea - Schalke 0:5

Ein ganz bitterer Abend für die Königsblauen und ihre Fans. Das Londoner Schützenfest beginnt in der zweiten Minute mit einem Kopfballtor durch Terry. Vor der Halbzeit noch können die Blues durch ein Tor von Willian (29.) und ein Eigentor von Kirchhoff (44.) die Führung ausbauen. In Durchgang zwei können schwache Schalker froh sein, dass die Elf von Jose Mourinho ein paar Gänge runterschaltet. Dennoch können Drogba (76.) und Ramires (78.) das Resultat noch in die Höhe schrauben. Mit 5:0 schießt der FC Chelsea den FC Schalke 04 verdient aus dem eigenen Stadion.

Sporting Lissabon - Maribor 3:1

In der ersten Halbzeit wird der Favorit seiner Rolle gerecht werden. Maribor lässt von Beginn an zu viele Freiräume, die die Gastgebern nutzen. In der zehnten Spielminute erzielt Carlos Mane das 1:0. Nani erhöht auf 2:0 (35.). Lediglich das Eigentor durch Jefferson in der 42. Minute gibt den Löwen einen kleinen Knick, was sie jedoch nicht davon abhält, in der zweiten Hälfte erneut zuzuschlagen. Das 3:1 erzielt letztendlich Stürmer Slimani in der 65. Minute, indem er den Ball treffsicher im Tor versenkt.

Donezk - Bilbao 0:1

Nach einem temporeichen Spiel mit hoher Laufbereitschaft und viel Leidenschaft sind die Basken letztendlich die cleverere Mannschaft und entführen drei Punkte aus Lemberg durch das Tor von Mikel San Jose in der 68. Spielminute. Donezk hat über weite Strecken mehr für das Spiel gemacht und hätte nicht nur aufgrund des nicht gegeben Handspiels in der 90. Minute, das einen Elfmeter nach sich hätte ziehen können, einen Punkt verdient gehabt.

Die Verantwortlichen des deutschen Meisters dürften sich am Dienstag einmal mehr dazu beglückwünscht haben, dass sie Xabi Alonso im August in einer Überraschungsaktion für günstige acht Millionen Euro vom Champions-League-Sieger Real Madrid nach München gelotst haben. Ein Glücksgriff, wie Trainer Pep Guardiola auch in Manchester betonte: „Xabi Alonso hat eine fantastische Karriere hinter sich. Er hat in Liverpool gespielt, er hat bei Real Madrid gespielt. Und er wollte noch in einer anderen großen Liga spielen. Der FC Bayern war die perfekte Lösung für ihn“ - und umgekehrt müsste man hinzufügen.

Mit Xabi Alonso konnte und kann der FC Bayern sein enormes Verletzungspech von Thiago und Javi Martínez bis hin zu David Alaba, Philipp Lahm und dem gerade erst zurückgekehrten Bastian Schweinsteiger im Mittelfeld erstaunlich gut überspielen. Wer weiß, wie oft ohne den Blitztransfer des Routiniers in München noch der Name Toni Kroos fallen würde, der im Sommer ein Jahr vor Vertragsablauf als Weltmeister für rund 30 Millionen Euro nach Madrid gewechselt war. „Wir haben sieben Stürmer, aber große Probleme im Mittelfeld“, stöhnte Guardiola auch in Manchester wieder.

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Xabi Alonso ist zwar längst auf der Zielgeraden seiner Karriere angelangt, aber die spanische Passmaschine ist aus dem Spiel des FC Bayern aktuell nicht wegzudenken. „Es ist unglaublich, wie gut er sich bei uns eingefügt hat, obwohl er noch nicht so gut Deutsch spricht. Er überzeugt durch Leistung und ist ein Leader geworden“, sagte Weltmeister Jérome Boateng: „Er ist enorm wichtig für uns.“

Es war, vom ersten Tag an, eine Win-win-Situation für beide Seiten. Xabi Alonso hat nach fünf Jahren Real in München eine neue Motivation und Herausforderung gefunden. Er hilft dem FC Bayern mit seiner Erfahrung, seiner Spielintelligenz, seinen Qualitäten als Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff. „Mit dem Alter läuft man weniger und denkt mehr. Man geht gelassener an die Sache heran und versucht das Spiel noch besser zu lesen“, beschrieb er seinen Werdegang.

„Wenn Xabi auf dem Flügel spielen müsste, könnte er das zehn Minuten“, scherzte Guardiola vor dem Spiel in Manchester: „Aber auf seiner Position muss er nicht so viel laufen. Da kann er noch Jahre spielen. Er muss mehr mit dem Kopf als mit den Beinen spielen.“

Und im Kopf hat der Fußballer Xabi Alonso auch mit 33 noch Träume und Ziele. Mit dem FC Liverpool (2005) und Real Madrid (2014) hat er die Champions League gewonnen. „Es wäre großartig, das auch mit den Bayern zu schaffen“, sagte er vor seinem 99. Königsklassen-Einsatz.

Von

dpa

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