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14.07.2013

18:08 Uhr

Chance auf Bewährungsstrafe

Großteil von Hoeneß' Steuerschuld schon verjährt

Bayern-Boss Uli Hoeneß kann im Verfahren um Steuerhinterziehung auf Milde hoffen. Die Staatsanwaltschaft will offenbar zwei Jahre Haft auf Bewährung beantragen. Die Linkspartei warnt vor einer „Zwei-Klassen-Justiz“.  

Der Bayern-Präsident: Im September könnte der Prozess gegen Uli Hoeneß beginnen. dpa

Der Bayern-Präsident: Im September könnte der Prozess gegen Uli Hoeneß beginnen.

MünchenDer Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, kann im anstehenden Gerichtsverfahren wegen Steuerhinterziehung auf eine Bewährungsstrafe hoffen. Die Staatsanwaltschaft scheine eine Verurteilung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung beantragen zu wollen, berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ vorab aus seiner neuen Ausgabe. Zudem soll Hoeneß eine Geldstrafe von 720 Tagessätzen zahlen, was einer weiteren Freiheitsstrafe von zwei Jahren entspreche.

Dem Bericht zufolge stehen die Ermittlungen gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden unmittelbar vor dem Abschluss. Noch im August wolle die Staatsanwaltschaft München II Anklage gegen ihn erheben, heißt es. Der Prozess könnte dann im September beginnen. Offenbar wolle die Justiz eine Vorschrift des Strafgesetzbuches bemühen, die es dem Gericht erlaubt, die anvisierte Geldstrafe bei der Bewährung auszuklammern. Denn bei einer Gesamtstrafe von mehr als zwei Jahren sei eine Bewährung ausgeschlossen, schreibt der „Spiegel“.

Dem Magazin zufolge ist die Hinterziehung von 2,3 Millionen der insgesamt rund 3,2 Millionen Euro Schulden womöglich bereits verjährt, weil die entsprechende Steuerschuld länger als fünf Jahre zurückliegt. Strafrechtlich relevant sei damit nur die Hinterziehung von knapp 900.000 Euro. Damit läge Hoeneß unter der brisanten Grenze von einer Million Euro, ab der nach dem Willen des Bundesgerichtshofs keine Bewährung mehr möglich sein soll.

Neue Details: Steuerfahnder half Hoeneß bei Selbstanzeige

Neue Details

Steuerfahnder half Hoeneß bei Selbstanzeige

Während eine Morddrohung gegen Bayern-Präsident Uli Hoeneß eingeht, werden weitere Einzelheiten mit Geschmäckle zu seiner Steueraffäre bekannt: Ein Steuerfahnder in Alterszeit hat ihm bei der Selbstanzeige geholfen.

Eine mögliche Bewährungsstrafe für Hoeneß stößt bei der Linkspartei auf heftige Kritik.

„Es kann nicht sein, dass eine Kassiererin die einen Pfandbon mitnimmt, ihren Job verliert, und ein Multimillionär der den Staat um Millionen beklaut, wird mit Samthandschuhen angefasst. Das ist eine Zwei-Klassen-Justiz“

, sagte der Wirtschaftsexperte der Linksfraktion im Bundestag, Klaus Ernst, Handelsblatt Online. „Da kungelt der schwarze Münchner Filz und wäscht sich gegenseitig die Hände nach dem Motto Freikarten für Freibriefe.“

Ernst sieht daher den Bundesgesetzgeber am Zug. Nötig sei eine "Null-Toleranz-Offensive" gegen Steuerflucht. Zum einen müsse im Strafgesetzbuch festgelegt werden, dass bei Hinterziehung von mehr als einer Million eine Gefängnisstrafe zwingend sei - „ohne Hintertürchen und Verjährungsfrist“.  Und zweitens müsse für Banken das Prinzip "Three Strikes and you are out" gelten. Wer drei mal bei der Beihilfe zur Steuerflucht erwischt werde, müsse die Banklizenz verlieren. „Drittens sollte das Finanzministerium alle diese dicken Fische im Internet auf einer Steuersünderliste veröffentlichen“, so Ernst. 

Hoeneß hatte Anfang des Jahres beim Finanzamt Selbstanzeige wegen eines nicht ordnungsgemäß deklarierten Kontos in der Schweiz erstattet. Diese soll aber nicht vollständig gewesen sein. Der Bayern-Präsident reichte eine zweite Selbstanzeige ein, zu diesem Zeitpunkt ermittelte die Staatsanwaltschaft aber bereits.

Im März hatte die Staatsanwaltschaft das Privathaus sowie Büroräume von Hoeneß untersucht und Haftbefehl erlassen. Dieser wurde gegen Zahlung einer Kaution in Millionenhöhe außer Kraft gesetzt.

Kommentare (80)

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Frank3

14.07.2013, 09:56 Uhr


Last NOCH MEHR ZEIT . Braucht GARNICHT MEHR ANKLAGEN .
AM BESTEN wie bei BANKEN , EINEN TAG NACH VERJÄHRUNG . . .


Account gelöscht!

14.07.2013, 09:58 Uhr

Zitat : Offenbar wolle die Justiz eine Vorschrift des Strafgesetzbuches bemühen, die es dem Gericht erlaubt, die anvisierte Geldstrafe bei der Bewährung auszuklammern. Denn bei einer Gesamtstrafe von mehr als zwei Jahren sei eine Bewährung ausgeschlossen, schreib der „Spiegel“.

- und warum will die Justiz das bemuehen...?

Es stinkt zum Himmel nach AMIGOS in diesem Bayern. Die sind nicht weit von den Griechen entfernt...die uebertreffen die Griechen sogar !!!

Weg mit dem korrupten Gesindel im September !!!!

Bayer

14.07.2013, 10:10 Uhr

Und wir schimpfen (und anderem die liebe CSU!), über Griechenland und Italien. Dabei braucht man in Bayern auch nur die richtigen Connections zu haben und schwups ist man unter der kritischen ein Millionen-Grenze. Da werden aber jetzt einige lebenslange VIP-Plätze beim FC Bayern vergeben werden müssen. NUR NOCH ZUM KOTZEN, was da in München abgeht, da schämt man sich echt zu sagen, man kommt aus Bayern.

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