Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.02.2014

17:45 Uhr

Chaos auf WM-Baustelle

„Das Spielfeld ist immerhin schon da“

VonLisa Hegemann, Stefan Kaufmann

Der Fifa-Generalsekretär übt sich in Zweckoptimismus: Alle Stadien der Fußball-WM werden noch fertig, sagt Jérôme Valcke bei einem Besuch in Düsseldorf. Sein größter Wackelkandidat ist jedoch eine echte Überraschung.

Der Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke war Gast der SpoBis in Düsseldorf. ap

Der Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke war Gast der SpoBis in Düsseldorf.

DüsseldorfWas haben sie gestaunt in Brasiliens Süden: Ausgerechnet in Curitiba, der Metropole zwischen Sao Paulo und Porto Alegre, gibt es Probleme? Kann doch nicht sein. „Normalerweise machen sich die Leute in Rio de Janeiro und Sao Paulo über ihre Landsleute im Nordosten lustig“, erzählt Brasilienkenner Jochen Lösch. Wenn also ein Stadion für die Fußball-Weltmeisterschaft in Natal, Fortaleza oder Salvador nicht fertig geworden wäre – der Süden wäre in all seinen Vorurteilen bestätigt gewesen. Stattdessen meldet plötzlich Curitiba: Verzug bei den Arbeiten an der Arena da Baixada. Und das rund vier Monate vor dem ersten Anpfiff.

Fußballstadien Brasilien

Rio de Janeiro

Als das Maracanã-Stadion 1950 fertig wurde, passten 200.000 Zuschauer in die Arena. Zur WM-2014 wird das Fassungsvermögen der Arena auf 77.000 Plätze reduziert. Damit aber bleibt es immer noch das größte Stadion Brasiliens.

Sao Paulo

Das Stadion im Stadtteil Itaquerão soll 65.000 Zuschauern Platz bieten. Nach der WM wird das Stadion die Heimstätte vom Lokalclub Corinthians Paulista.

Salvador da Bahia

Die Stadt bekommt zur WM das neue Fonte-Nova-Stadion mit 56.500 Plätzen.

Recife

Das Stadion Pernambuco wird neu gebaut. Es soll 180 Millionen Euro kosten und 44.000 Zuschauern Platz bieten.

Pôrto Alegre

Lange rührte sich auf der Baustelle des River Bank Stadions gar nichts. Der Verein Internacional stritt mit dem Bauunternehmen. Inzwischen haben die Arbeiten begonnen. Das Stadion wird modernisiert. Es soll bei der WM 50.300 Zuschauern Platz bieten.

Natal

Der Neubau in der ostbrasilianischen Stadt Natal wird voraussichtlich 400 Millionen Real (149 Millionen Euro) kosten. Die „Dünen-Arena“ entsteht auf dem Gelände des gesprengten Machadão-Stadions und wird bei der WM 2014 rund 42.000 Zuschauern Platz bieten. Die Fertigstellung soll 2013 erfolgen.

Manaus

Auch hier wurde ein altes Stadion abgerissen, um einem neuen Platz zu machen. Die Amazônia-Arena ist im Rahmen eines neuen Sportparks mit Sambadrom, Schwimmhalle, Leichtathletikanlagen und weiteren Sporthallen geplant. Der Name des neuen Stadions leitet sich aus der unmittelbaren Nähe der Stadt Manaus zum tropischen Regenwald des Amazonas-Gebietes ab. Rund 43.000 Zuschauer sollen in dem neuen Stadion Platz finden, dessen Baukosten bei 533 Millionen Real (rund 200 Millionen Euro) liegen. Mit der Fertigstellung wird 2013 gerechnet.

Fortaleza

Das 1973 erbaute Estádio Governador Plácido Castelo, besser bekannt unter dem Namen Castelão, wurde vollkommen umgebaut und bietet nun bis zu 64.846 Zuschauern Platz. Die Umbaumaßnahmen sind bereits abgeschlossen und so steht das Stadion für den Confederations Cup in diesem Jahr bereits zur Verfügung. Der Umbau des Stadions hat 486 Millionen Real (180 Millionen Euro) gekostet. (Foto vom Dezember 2012)

Cuiabá

Diese neue Fußballarena wird auf dem Grundstück des inzwischen abgerissenen Verdão-Stadions gebaut. Nach der WM 2014 kann das Stadion auch als Mehrzweckarena genutzt werden. Das Baukastenprinzip ermöglicht eine nachträgliche Verkleinerung bei geringer Auslastung. Während der WM 2014 sollen hier knapp 43.000 Fans Platz finden. Das Stadion soll bis 2014 fertig werden und kostet 597 Millionen Real (222 Millionen Euro).

Belo Horizonte

Das Mineirão-Stadion in Belo Horizonte wurde im Dezember im Beisein der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff eingeweiht. Allerdings ging es beim Eröffnungsspiel Anfang Februar drunter und drüber. Das Stadion verfügt über 66.800 Plätze. Sechs WM-Partien werden dort ausgetragen, einschließlich einer Halbfinalpaarung.

Brasilia

Das alte Estádio Mané Garrincha, das inzwischen fast vollständig abgerissen wurde, macht Platz für eine Arena, die über eine neue Fassade, eine Dachkonstruktion aus Metall, neue Tribünen sowie eine abgesenkte Spielfläche verfügen wird. Das 1974 erbaute Nationalstadion wird umfassend umgebaut, wobei die Sitzplatzanzahl von 42.200 auf über 70.000 erhöht wird. Der Umbau ist mit 671 Millionen Real (250 Millionen Euro) recht kostenintensiv und soll im April 2013 abgeschlossen werden. Hier werden auch einige Fußballpartien der Olympischen Sommerspiele sowie das Eröffnungsspiel des Confederations Cup ausgetragen.

Curitiba

Die Baixada-Arena in Curitiba wurde bereits 1914 erbaut und zählt zu den kleineren WM-Spielstätten in Brasilien. Die Arena mit ehemals 28.272 Plätzen wurde zwar zwischen 1997 und 1999 komplett neu errichtet, doch für die anstehende WM war eine erneute Modernisierung von Nöten. Bis zur WM soll die Baixada-Arena ihre Kapazität auf 41.375 Plätze erhöhen. Die Modernisierung kostet 220 Millionen Real, das sind umgerechnet 82 Millionen Euro.

„Ich bin überzeugt, dass sie es noch hinbekommen“, sagt Lösch, der von Sao Paulo aus das Auslandsgeschäft der Marketingagentur Traffic Sports leitet und selbst seit Jahren in Südamerika lebt. „Die Brasilianer sind Weltmeister der Improvisation.“ Lösch ist in diesen Tagen in Deutschland unterwegs und Gast auf der SpoBis in Düsseldorf – mit rund 1600 Teilnehmern der führende Szenetreff im Bereich Sportbusiness in Europa. Eines der Hauptthemen auf den Fluren und Sälen im Düsseldorfer Congress Center: die Fußball-WM in diesem Sommer.

Was auch an dem prominentesten Gastredner lag: Jérôme Valcke. Der Fifa-Generalsekretär war es, der den Verantwortlichen in Curitiba zuletzt bei einer Besichtigung der Baustelle in aller Deutlichkeit klar gemacht hatte, dass der Spielort alles andere als auf WM-Kurs ist und die Arbeiten massiv verspätet sind.

Bei seinem Auftritt in Düsseldorf sagt Valcke dazu spöttisch: „Das Feld ist immerhin schon da.“ Dabei habe er bei der Vergabe gedacht, Curitiba wäre eines der ersten Stadien, die fertig sein würden. „Aber so kann man sich täuschen.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×