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20.11.2015

15:59 Uhr

Clásico in Fußballfestung

Messi vor Comeback, Rätsel um Ronaldo

Kaum ein Ligaspiel schlägt weltweit solche Wellen wie Spaniens Clásico Real gegen Barça. Nach den Anschlägen in Paris gelten für die Partie der Erzrivalen am Samstag drastische Sicherheitsvorkehrungen.

Messi hatte wegen einer Bänderverletzung im linken Knie knapp zwei Monate pausieren müssen. Reuters

Lionel Messi vor dem Comeback?

Messi hatte wegen einer Bänderverletzung im linken Knie knapp zwei Monate pausieren müssen.

MadridFußballfest in einer Festung: Beim Clásico zwischen den spanischen Topteams Real Madrid und FC Barcelona soll ein Rekordaufgebot von Polizisten die Sicherheit im Bernabéu-Stadion gewährleisten. „Es wird die größte Zahl an Sicherheitskräften im Einsatz sein, die es je bei einer Sportveranstaltung in Spanien gegeben hat“, kündigte Staatssekretär Francisco Martínez an.

Aber nicht allein die Angst vor möglichen Terroranschlägen macht das Schlagerspiel an diesem Samstag zu einem Clásico der besonderen Art. Anders als bei den vorigen Aufeinandertreffen von Real und Barça konnten die Superstars Cristiano Ronaldo und Lionel Messi im Vorfeld weder mit Torrekorden noch mit sonstigen Glanzleistungen aufwarten. Im Gegenteil: Die Schlüsselspieler geben ihren Fans Rätsel auf.

Messi hatte wegen einer Bänderverletzung im linken Knie knapp zwei Monate pausieren müssen. Seither arbeitete der Argentinier eisern daran, zum Clásico wieder fit zu sein. Er trainierte heimlich und abgeschirmt von der Öffentlichkeit - auch an den freien Tagen. Vor einer Woche kehrte er ins normale Mannschaftstraining zurück. Er wirkte völlig wiederhergestellt, ging in den Zweikämpfen aber noch keine Risiken ein.

Bei den Katalanen ging man davon aus, dass Messi im Bernabéu-Stadion sein Comeback feiern würde. Offen schien allerdings zu sein, ob er in der Startelf stehen oder in der Schlussphase eingewechselt wird. „Je länger Messi auf dem Platz steht, desto besser wird es für uns sein“, meinte Kapitän Andrés Iniesta.

„La Pulga“ (der Floh) kann in Madrid ein Jubiläum feiern: Vor fast genau zehn Jahren bestritt er als 18-Jähriger im Bernabéu-Stadion seinen ersten Clásico. Seither erzielte er in 30 Spielen gegen Real die Rekordzahl von 21 Treffern. Reals Fußball-Legende Alfredo di Stéfano brachte es in den Clásicos auf 18 Tore, Raúl und Cristiano Ronaldo kamen auf je 15.

Eine Art von Comeback wird am Samstag auch von Ronaldo erwartet. Dabei war der Real-Torjäger gar nicht verletzt gewesen. Er war in den vergangenen Wochen nur ein Schatten seiner selbst. Auf dem Platz wirkte der Portugiese enttäuscht und unzufrieden. Er wehrte sich auch nicht dagegen, dass in der Öffentlichkeit über einen möglichen Vereinswechsel spekuliert wurde.

Reaktion auf den Terror: Mehr Sicherheit in Europas Fußball-Ligen

Europa

Fußballfans in ganz Europa müssen am Wochenende mit langen Schlangen vor den Stadien rechnen. Die europäischen Topligen reagieren zum Teil mit deutlich verstärkten Polizeiaufgeboten und Durchsuchungen von Besuchern. Besonders im Blickpunkt: Der Clásico zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona.

Spanien

Zunächst war darüber spekuliert worden, ob das Topspiel der Liga wegen möglicher Terrorgefahr abgesagt werden muss. Die Regierung wies solche Befürchtungen jedoch zurück. „Derzeit liegen keine objektiven Beweggründe vor, die eine Absage rechtfertigen würden“, sagte Innenminister Jorge Fernández Díaz. Allerdings sollen die Sicherheitsvorkehrungen und das Polizeiaufgebot drastisch verstärkt werden.

Aufruf

Die Fans wurden aufgerufen, sich wegen der Kontrollen frühzeitig auf den Weg zum Bernabéu-Stadion zu machen. Gedenkaktionen für die Opfer der Paris-Anschläge wurden nicht angekündigt. Einige Erstligisten gedachten der Opfer mit Schweigeminuten während des Trainings.

Frankreich

„La vie continue“ – das Leben geht weiter. Das ist die Botschaft, die Behörden und Sportverbände in Frankreich nach den Anschlägen von Paris vermitteln wollen. Am Wochenende rollt der Fußball weiter. Nach einer Sitzung im Pariser Innenministerium gab die Profiliga LFP allerdings besondere Sicherheitsmaßnahmen bekannt.

Die wichtigste Anordnung

Die Begegnungen der ersten und zweiten Liga sollen alle ohne Fans der Auswärtsteams stattfinden, ein entsprechendes Reiseverbot wurde vom Innenministerium erlassen. Zudem soll es verschärfte Einlasskontrollen geben. Zu Ehren der Opfer wird vor jedem Spiel die Marseillaise intoniert.

England

Die Begegnungen der Premier League werden am Wochenende von deutlich strengeren Sicherheitskontrollen begleitet. Die Fans müssen sich auf eine Vielzahl an Taschen-Durchsuchungen vor den Stadien einstellen. Die 20 Premier-League-Clubs waren laut „Times“ von der Polizei und dem Innenministerium über ihre Pflichten aufgeklärt worden. Laut der Behörde ist die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs „sehr hoch“.

Marseillaise

Die Besucher der Spiele werden aufgrund der strengeren Sicherheitskontrollen gebeten, früher in die Stadien zu kommen. Neben einer Schweigeminute wird vor dem Anpfiff die Marseillaise gespielt. In der Premier League stehen 72 französische Profis unter Vertrag.

Italien

In einer Umfrage der Zeitung „La Stampa“ sagten 66 Prozent der Befragten, dass sie wie vor den Terroranschlägen von Paris ins Stadion oder zu Sportereignissen gehen werden. 23 Prozent meinten, sie würden die Besuche einschränken, und nur sieben Prozent wollen jetzt gar nicht mehr ins Stadion gehen.

Keine Gedenkaktionen

Die Spiele der Serie A sollen am Wochenende wie geplant stattfinden, von besonderen Gedenkaktionen war bisher nichts bekannt.

Portugal

In Portugal stand eine Absage von Sportveranstaltungen nach den Pariser Terroranschlägen bisher nicht zur Debatte. Auch Gedenkaktionen sind nicht angekündigt worden. Die vierte Runde des Pokal-Wettbewerbes soll zwischen Freitag und Sonntag ganz normal über die Bühne gehen.

Highlight

Höhepunkt ist am Samstagabend das Lissaboner Stadtderby zwischen Benfica und Sporting. Man bereite sich auf das Schlagerspiel in aller Ruhe vor, wurde ein ranghoher Polizeisprecher vom Fernsehsender RTP zitiert.

Belgien

Die Fußballspiele der belgischen Jupiler Pro League finden statt. Vor dem Anpfiff werden Spieler und Fans allerdings mit einer Schweigeminute der Opfer der Anschläge von Paris gedenken, teilte die Liga mit.

Sicherheit

Auch die Sicherheitsvorkehrungen werden hochgeschraubt: Rucksäcke und Taschen dürfen nicht ins Stadion mitgenommen werden, es wird zusätzliche Kontrollen geben. „Verdächtiges Verhalten in der unmittelbaren Umgebung des Stadions wird sehr sorgfältig überwacht“, schreibt die Liga. „Wir geben den Fans den Rat, das Stadion so früh wie möglich zu verlassen.“ Unerlaubte Gegenstände, besonders Feuerwerkskörper, würden sofort beschlagnahmt.

Der 30-jährige kann es nach Medienberichten nicht verwinden, dass Gareth Bale zum neuen Superstar der Königlichen aufgebaut werden soll. „CR7“ fühle sich dadurch zurückgesetzt, hieß es. Bisher allerdings konnte der Waliser, der Real eine Ablösesumme von rund 100 Millionen Euro gekostet hatte, nicht überzeugen.

Auch Trainer Rafael Benítez gelang es nicht, Bale eine Schlüsselrolle zuzuordnen. Für den Coach, der im Sommer die Nachfolge von Carlo Ancelotti angetreten hatte, wird der Clásico zur ersten großen Bewährungsprobe. Eine Niederlage kann Real sich kaum leisten, denn die Madrilenen liegen drei Punkte hinter dem Tabellenführer Barça zurück.

Vor wenigen Tagen war darüber spekuliert worden, ob das Topspiel angesichts der Terrorgefahr überhaupt stattfinden kann. Die Regierung betonte jedoch, es lägen keine Anhaltspunkte vor, die eine Absage rechtfertigen würden.

Mehr als 2500 Polizisten und Mitarbeiter privater Sicherheitsdienste – doppelt so viele wie bei früheren Clásicos – sollen drei Ringe um das Stadiongelände bilden. Die Fans wurden aufgefordert, keine Taschen und Rucksäcke mitzubringen. „Wir werden auch die Butterbrote genau kontrollieren“, kündigte die Präfektin Concepción Dancausa an.

Von

dpa

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