Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.05.2014

13:37 Uhr

Comeback für Torlinientechnik

Torklau im Pokalfinale erregt die Gemüter

Quelle:SID

Das nicht gegebene Tor im Finale von Berlin bringt Bewegung in das Thema Torlinientechnik. Funktionäre sind offen, Schiedsrichter fordern es, kleine Vereine sind dagegen. Fans im Internet verlangen Aufklärung.

Der "Torklau" von Berlin könnte zu einer Rolle rückwärts beim Thema Torlinientechnik führen. In der Öffentlichkeit und auch im Internet steigt der Druck, die Hintergründe des nicht gegebenen Tors aufzuklären. Inzwischen gibt es sogar eine Online-Petition, bei der bereits weit über 10.000 Fans mitmachen.

Nach dem nicht anerkannten Treffer von Borussia Dortmund im DFB-Pokalfinale gegen Bayern München (0:2 n. V.) hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) eine erneute Abstimmung unter den Profivereinen über die Einführung der Technik in Aussicht gestellt.

"Wenn es der Wunsch der Klubs ist, steht einer erneuten Abstimmung über die Einführung einer Torlinien-Technologie nichts im Wege. Die DFL selbst war und ist bei diesem Thema bestens vorbereitet", sagte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig am Montag.

Tor oder nicht Tor? Streit um die richtige Technik

Pokalfinal 2014

Das vermeintliche Tor von Mats Hummels im DFB-Pokalfinale 2014 hat die Diskussionen um die Einführung der Torlinientechnik wieder ausgelöst. Aber selbst wenn die Entscheidung der Clubs im März des Jahres anders ausgefallen wäre, hätte es dem BVB am Samstag nichts genutzt.

Warum gibt es keine technischen Hilfsmittel?

Am 24. März 2014 hatten die 36 Proficlubs bei einer Versammlung in Frankfurt/Main die Einführung der Torlinientechnik mehrheitlich abgelehnt. Nur neun Erstligisten und drei Zweitligisten waren für die Einführung von technischen Hilfsmitteln, womit die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit klar verfehlt worden war.

Was denken die Borussen und die Bayern?

Beide Clubs waren für die Einführung der Technik. „Wir bedauern diese Entscheidung. Als Demokraten haben wir das zu akzeptieren. Wir werden in Zukunft weiter mit Fehlentscheidungen leben müssen“, hatte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge damals erklärt.

Warum war das Votum so eindeutig?

Die hohen Kosten hatten vor allem die finanzschwächeren Clubs abgeschreckt. Zwischen 250 000 und 500 000 Euro wären für einen Zeitraum von drei Jahren je nach System fällig gewesen.

Was wäre, wenn die Clubs für die neue Technik gestimmt hätten?

Die Einführung der Technik war für den Sommer 2015 geplant gewesen. Dem BVB hätte es am Samstag nichts gebracht. Fraglich ist auch, wie der DFB mit dem Thema für den Pokalwettbewerb umgegangen wäre. Gerade für die Amateurclubs wären die Kosten für die Installation zu hoch gewesen. Der DFB hatte bereits ausgeschlossen, dass die Technik in der ersten Runde des DFB-Pokals zum Einsatz kommen würde.

Wie reagierten die Dortmunder auf die Szene?

Beim BVB saß die Wut noch lange nach dem Spiel tief, Trainer Jürgen Klopp war fassungslos. „Andere Gremien sind gefordert, dass so etwas nicht mehr vorkommt“, rief Nationaltorwart Roman Weidenfeller die Spitzenfunktionäre des deutschen Fußballs zum Handeln auf. Hummels selbst schlug vor: „Zwei Videobeweise pro Halbzeit oder pro Mannschaft, das würde alles ein bisschen einfacher machen.“

Ist die Torlinientechnik endgültig vom Tisch?

Für die „nahe Zukunft“ werde das Thema nicht auf die Tagesordnung kommen, hatte Ligapräsident Reinhard Rauball im März gesagt. Aber ausgeschlossen sei nicht, dass günstigere Angebote oder Fehlentscheidungen für ein Umdenken sorgen werden. Das passierte dann auch.

Wo gibt es die neue Technik?

Bei der WM in Brasilien kommt erstmals die Torlinientechnik zum Einsatz, nachdem das System GoalControl seinen Testlauf beim Confederations Cup 2013 erfolgreich bestanden hatte. 14 Kameras sind auf beide Tore gerichtet. Überquert der Ball die Torlinie, geht ein Signal an den Schiedsrichter.

Wer setzt auf Torrichter?

Die UEFA setzt bei der EM und im Europapokal auf Torrichter.

Was passiert in anderen Ländern?

In der englischen Premier League kommt das System Hawk-Eye seit dieser Saison zum Einsatz - und funktioniert reibungslos. Sieben auf jedes Tor gerichtete Kameras registrieren die Position des Balles zentimetergenau. Einen Torerfolg meldet das System in nur einer Sekunde an den Schiedsrichter. Die Uhr am Handgelenk des Referees vibriert und blinkt. Spanien will dem Beispiel Englands folgen, befindet sich aber noch in der Testphase. Italien und Frankreich setzen wie die UEFA auf zwei Unparteiische an den Torauslinien. Die DFL hatte Torrichter kategorisch abgelehnt.

Um ein neues Votum zur Torlinientechnik herbeizuführen, müsste nur ein Verein vor einer Mitgliederversammlung der DFL einen entsprechenden Antrag stellen. Erst vor knapp zwei Monaten hatten die 36 Erst- und Zweitligisten die Einführung mehrheitlich abgelehnt. Nur neun der 18 Bundesliga-Clubs und drei der 18 Zweitligisten stimmten am 24. März für die Einführung der Torlinientechnik.

Die Diskussion über technische Hilfsmittel war am Wochenende durch das nicht gegebene Tor für Borussia Dortmund im DFB-Pokalfinale gegen Bayern München neu entflammt. Auch Ligapräsident Reinhard Rauball sagte der „Süddeutschen Zeitung“: „Wenn Borussia Dortmunds Vorstandschef Joachim Watzke oder ein Vertreter eines anderen Clubs die Torlinientechnik erneut vorschlagen, werde ich das befürworten.“

Der Hauptgrund für die ablehnende Haltung der meisten Profivereine sind die hohen Kosten, die mit der Einführung der Torlinientechnik verbunden wären. Nun geraten die Skeptiker wie Vorstandsboss Heribert Bruchhagen von Eintracht Frankfurt unter Druck.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

19.05.2014, 16:53 Uhr

War Schiri Meyer bestochen? Der Schwerkriminelle läuft schließlich immer noch frei herum!

Account gelöscht!

19.05.2014, 19:47 Uhr

Sie können doch nicht alle Politiker im Stadion und in Berlin, u.a. BP Gauck, der Spielmanipulation bezichtigen?
Aber jetzt Spaß beseite - für geistige Tiefflieger mag das ja noch ein Lacher sein, aber nur wenn Sie sehr, sehr, sehr tief fliegen. Aber selbst der Dümmste sollte doch langsam wissen, dass sich auch der dümmste Witz einmal totläuft!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×