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12.08.2011

12:38 Uhr

Computer-Helden

Die digitalen Kicker trumpfen auf

VonStefan Merx

Der Computerspiele-Produzent Electronic Arts will im Geschäft mit dem Sport wachsen - und dafür mehr Realismus auf die Konsole bringen. In Vorbereitung ist eine virtuelle Bundesliga für Computerspieler.

KölnEs war ein Fototermin der aufwendigen Art: Die deutschen Nationalspieler nahmen der Reihe nach in einem kleinen, weißen Zelt Platz, umzingelt von 18 3-D-Kameras, angeblitzt aus sechs Richtungen. "Starhead Shooting" nannte sich die Übung auf dem Drehschemel im Sportcentrum Kamen: Der US-Spielehersteller Electronic Arts (EA) ließ im Februar aus Kanada ein Spezialteam einfliegen, um von den deutschen Topkickern je ein 360-Grad-Foto aufzunehmen. Zwei Tage Nachbearbeitung seien pro Spieler nötig gewesen, erklärt der deutsche Marketingchef Björn Vöcking. Dann waren sie geboren: die virtuellen Zwillinge von Mats Hummels, Mesut Özil und Kollegen.

"Unser Anspruch ist es, den Fußball so realitätsnah wie möglich nachzubilden", sagt Vöcking. Immer mehr Fußballprofis in aller Welt wolle man in 3-D einscannen, um sie im Blockbuster-Spiel "Fifa" noch lebensechter präsentieren zu können - selbst ein Körperscan wird nach Unternehmensangaben erwogen. Über wöchentliche Online-Updates wird nicht nur die Spielstärke an die aktuelle Form angepasst. Geht der Spieler im echten Leben zum Friseur, bekommt - zumindest bei Topstars - auch der Zwilling auf dem Bildschirm des Gamers ein neues Styling.

Es ist hartes Kalkül, das den Softwareriesen aus dem kalifornischen Redwood mit seiner Marke EA Sports solch enormen Aufwand treiben lässt, um den Fans mit immer authentischeren Animationen zu gefallen: "Wir messen uns nicht mehr mit anderen Herstellern von Sportspielen, sondern mit Adidas oder Puma", sagt Vöcking. In Nordamerika zähle EA Sports zu den fünf wichtigsten Sportmarken. Auch in Deutschland strebt das Unternehmen im ganz reellen Sportbusiness eine zunehmend wichtige Rolle an. Deutschlandchef Olaf Coenen hat dabei mehrere Eisen im Feuer. Neben dem reinen Abverkauf der jährlich neu aufgelegten "Fifa"-Spiele will er aus den langfristig erworbenen Lizenzrechten und seiner vorhandenen Softwaretechnologie neue B2B-Bündel schnüren: Er legt seit einigen Monaten Köder aus für TV-Sender oder Online-Unternehmen, die mit EA-Spiele-Technologie ihr eigenes Angebot aufwerten können. So sollen Technologien der virtuellen Darstellung in der TV-Sportübertragung nutzbar werden. Im Kern geht es stets um die Verschmelzung von Fußball und seiner täuschend echten Nachbildung.

Beispiel Fußballbundesliga: Mit dem Erwerb eines umfassenden Rechtepakets für "interaktive Unterhaltungsprodukte" von der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat EA im März den Grundstein für die Expansion gelegt. Aus Sicht der Liga ein bewährtes Win-Win-Modell: "Die Spiele von EA unterstützen uns auch bei der Markenbildung der Bundesliga im Ausland, insbesondere in Asien", sagt Jörg Daubitzer, Geschäftsführer der DFL Sports Enterprises. Sobald chinesische oder japanische Spieler im Kader eines Bundesligisten stehen, steigt das entsprechende Team messbar in der Gunst der Gamer in Fernost.

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