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17.06.2017

13:20 Uhr

Confed Cup  in Russland

Mögen die Spiele beginnen

VonAndré Ballin

Politischen Krisen, Bauskandalen und Sicherheitsbedenken zum Trotz: Der Confederations Cup startet am Wochenende. Die politische Führung hofft auf Erfolge und Prestige,  die eigenen Fans jedoch sind skeptisch.

In St. Petersburg wird die Feier vorbereitet. dpa

Vor der Eröffnung

In St. Petersburg wird die Feier vorbereitet.

Moskau„Wir sind absolut bereit zur Durchführung des Turniers“ – Vizepremier Witali Mutko, Russlands wichtigster Fußballfunktionär, strahlt kurz vor dem Beginn des Confed Cups Optimismus aus. Die Stadien seien fertig, Fans und Mannschaft bereit, versicherte er.

Dabei ist vieles erst auf den letzten Drücker fertig geworden. Als die WM 2008 nach Russland vergeben wurde, herrschte Euphorie, Präsident Wladimir Putin versprach eine WM „auf höchstem Niveau“. Politische Krisen schürten Unsicherheit, immer wieder wurde über einen möglichen Boykott spekuliert. Kritik hagelte es aus dem Ausland reichlich. Es geht um das Vorgehen in Syrien, den Umgang mit der Opposition im eigenen Lande, Spionagevorwürfe, der Vorwurf der Desinformation und der Einflussnahme auf westliche Wahlkämpfe. Dazu der Skandal um das russische Staatsdoping, der trotz Sperren und Konsequenzen nach wie vor nicht ausgeräumt ist. Die wirtschaftliche Flaute hat zudem das ursprünglich 50 Milliarden Dollar teure Infrastrukturprogramm zur WM stark eingedampft. Zu guter Letzt erschwerten Bauskandale die Vorbereitung zusätzlich.

Angepfiffen wird die WM-Generalprobe am 17. Juni im Petersburger Krestowski-Stadion. Die Ufo-förmige Arena sorgte während der WM-Vorbereitung wohl für den meisten Ärger: Die Kosten explodierten, zugleich berichteten Medien über Arbeitssklaven auf der Baustelle. Hunderte Gastarbeiter schufteten offenbar, ohne dass ihnen der versprochene Lohn ausbezahlt wurde. Zudem musste mehrfach der Eröffnungstermin verschoben werden.

Noch vor wenigen Wochen wurde eilends ein neuer Rasen verlegt, weil die Fifa das Geläuf als unbespielbar eingestuft hatte. Immerhin: Im Gegensatz zu anderen WM-Stadien in Kaliningrad, Samara, Nischni Nowgorod, oder Wolgograd, wo noch gebaut wird, ist das 63.000 Zuschauer fassende Stadion an der Newa nun tatsächlich fertig und bespielbar. Zum Eröffnungsspiel empfängt Russland Ozeanienmeister Neuseeland. Vor den Augen Putins, selbst aus St. Petersburg.

Der Präsident eröffnet damit nach den olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi das zweite sportliche Großereignis in Russland.  Damals hatte Putin sich während der Spiele weltoffen und versöhnlich gezeigt. Er zeigte sich immer präsent, gewann in Russland deutlich an Popularität und auch die internationale Kritik am politischen Kurs des Kreml ebbte kurz ab. Nur wenige Tage später eskalierte die Krimkrise durch russische Beteiligung, was letztlich die größte politische Eiszeit zwischen West und Ost seit Ende des Kalten Krieges beschwor.

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Auch wenn es diesmal nur die Generalprobe für die WM im kommenden Jahr ist, Putin ist weit vor den Präsidentschaftswahlen 2018 im Wahlkampfmodus. Unter der Woche hielt der unumstritten mächtigste Mann Russland eine Bürgersprechstunde ab, während der er sich den, gut vorbereiteten, Fragen des Volks stellte und denen, die sich über zu wenig beklagten, mehr versprach. Erst das Brot, nun, so wirkt es, die Spiele. Die WM, sie ist Prestigeprojekt und Politikum gleichermaßen. Nicht umsonst ist die Nationalmannschaft in Moskau beinahe Chefsache. Mutko ist Vize-Ministerpräsident und Sportminister in Personalunion, dazu Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees. Und er zeichnete als Organisator für den Erfolg der Winterspiele von Sotschi verantwortlich.

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