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26.01.2015

11:41 Uhr

Cristiano Ronaldo

„Ein Anfall von Starallüren in Extremform“

Erst wurde Cristiano Ronaldo Weltfußballer. Dann ging seine Freundin, und er spielte schlecht. Den Frust hat er sich nun aus der Seele getreten und sah dafür rot. Fans und Presse reagieren empört auf seinen Ausraster.

Ein Weltfußballer kämpft sich durch: Cordobas Edimar und Crespo bekommen Christiano Ronaldos Wut zu spüren. Reuters

Ein Weltfußballer kämpft sich durch: Cordobas Edimar und Crespo bekommen Christiano Ronaldos Wut zu spüren.

Es war der reine Frust: Cristiano Ronaldo trat einem Gegner in die Beine, und einem zweiten wischte er mit dem Unterarm durchs Gesicht. Für seinen Ausraster acht Minuten vor dem Abpfiff des Spiels von Real Madrid beim FC Córdoba sah der Weltfußballer am Samstagabend die Rote Karte. Der Champions-League-Sieger hatte zu diesem Zeitpunkt beim Aufsteiger nur ein 1:1 erreicht und stand vor einem Punktverlust, ehe Gareth Bale den Madrilenen mit einem verwandelten Handelfmeter (88. Minute) doch noch einen 2:1-Sieg sicherte.

Die Zuschauer im Estadio Arcángel reagierten erbost auf die Attacken des Portugiesen. Aber noch mehr empörte sie, was nach dem Feldverweis geschah: Ronaldo zeigte beim Verlassen des Rasens mit der Hand auf das Wappen auf seinem Trikot.

Dieses Wappen hatte der Weltverband Fifa Real Madrid für den Gewinn der Club-Weltmeisterschaft verliehen. „Das war ein Anfall von Starallüren in Extremform“, hielt die Zeitung „El País“ dem Torjäger vor. Das Konkurrenzblatt „El Mundo“ sprach von einer „Geste der Arroganz“.

Was Sie noch nicht über Christiano Ronaldo wussten

Der Biograf

Luca Caioli ist einer der renommiertesten Sportbiografen. In deinem jüngst erschienenen Buch "Ronaldo. Die Geschichte eines Besessenen" (Verlag die Werkstatt) sind viele Anekdoten zu finden, die es so noch nicht zu lesen gab. Zudem räumt Caoli mit so manchem Klischee auf.

Die ersten Jahre

Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro wird am 5. Februar 1985 auf Madeira geboren. Er ist das vierte Kind seiner Eltern und war nicht geplant. Sein Name Ronaldo kommt von Ronald Reagan. Trotz der materiellen Armut verlebt er eine glückliche Kindheit, vor allem dank des Fußballs. Seine Klassenlehrerin beschreibt ihn als artig, witzig und „einen guten Freund seiner Klassenkameraden“.

Die Heulsuse

Der kleine Cristiano war gar nicht klein, sondern einen Kopf größer als die anderen, aber dafür sehr dünn. Wegen seiner laufintensiven Spielweise und seines Trainingsfleißes wurde er „die kleine Biene“ genannt. Andere schmähten ihn als Heulsuse, weil ihm nach verlorenen Spielen oft die Tränen über die Wangen kullerten.

Waschen und Bügeln

Bei Sporting Lissabon im Fußballinternat muss Ronaldo mit 12 Jahren weit entfernt der Heimat Selbstständigkeit beweisen. Dazu gehört auch zu waschen und zu bügeln. Das erste Jahr ist eine Tortur, doch dann gewöhnt er sich ein.

Der Balljunge

Die 50 Euro, die Ronaldo pro Monat bekommt, gehen für Schulhefte, Bücher und Klamotten drauf. Dazu verdiente er sich Geld als Balljunge bei den Heimspielen von Sporting. Seine Kindheit genießen konnte der Junge freilich nie.

Kraftraum statt Schule

Für die Schule macht Cristiano nur das Nötigste und geht nach der neunten Klasse ab. Dabei ist er ein ordentlicher Schüler. Ansonsten ist er ein Ausbund an Disziplin. Als er 13 ist, müssen ihn die Trainer aus dem Kraftraum entfernen, weil er es übertreibt.

Ende der Karriere droht

Mit 15 hat Ronaldo ein ernsthaftes Problem: Sein Ruhepuls ist deutlich zu hoch. Er braucht eine Operation. Per Laser wird eine beschädigte Zone in seinem Herzen repariert. Nach wenigen Tagen ist alles wieder gut. Mit 16 ist Ronaldo der Star der Akademie. In einer einzigen Saison tritt er für die U16, U17, U18 und die erste sowie zweite Seniorenmannschaft an. 2001 unterschreibt der 16-Jährige seinen ersten Profivertrag und bekommt 2000 Euro im Monat. Seine Ablösesumme wird auf 20 Millionen Euro festgeschrieben.

Manchester United

Alex Ferguson ist ein Trainerfuchs: Als Manchester United am 6. August 2003 gegen Sporting Lissabon spielt, ist der Wechsel von Ronaldo zu den „Red Devils“ längst beschlossene Sache. Die Spieler von ManU wissen davon noch nichts. Nach einer beeindruckenden Vorstellung Ronaldos fordern selbst schwer zu begeisternde Größen wie Phil Neville: „Wir haben alle zum Boss gesagt: Den müssen wir verpflichten.“ So glauben die Spieler, sie hätten den Wechsel des Portugiesen erst forciert.

Schwer Start mit Strähnchen

Die britischen Journalisten sind von Ronaldo zunächst gar nicht beeindruckt. Sein Auftreten mit Strähnchen im Haar und die für so einen jungen Spund enorme Ablösesumme machen sie skeptisch. Und tatsächlich setzt ihn Ferguson nur dosiert ein. In den ersten Monaten muss Ronaldo häufig auf der Bank platznehmen. Doch seine Leistungen lassen ihn zum Publikumsliebling werden und sogar seinen Vorgänger mit der Nummer 7, Davis Beckham, vergessen.

Tod des Vaters

Ronaldos alkoholkranker Vater stirbt am 6. September 2005. An diesem Tag ist Ronaldo mit der portugiesischen Nationalmannschaft in Russland zu Gast. Sein Trainer Scolari nimmt überrascht zur Kenntnis, dass sein junger Star trotz der Nachricht am nächsten Tag auflaufen will. Seine Mitspieler und die Fans rechnen ihm das hoch an.

Vorwurf der Vergewaltigung

Kurz nach dieser tragischen Nachricht wird Ronaldo mit dem Vorwurf konfrontiert, eine junge Frau vergewaltigt zu haben. Die Medien steigen in übertriebenem Maß ein und sprechen gar von einer „Verhaftung“ Ronaldos. Nach kurzer Zeit entpuppen sich die Vorwürfe als falsch, aber eine Entschuldigung gibt es nie.

Der Frauenheld

Die Liste der angeblichen und tatsächlichen Liebhaberinnen ist lang. Dabei hält Ronaldo sein Liebesleben privat. Ob Paris Hilton tatsächlich nur „eine gute Freundin“ sei oder ob da nicht doch mehr war, bleibt im Dunkeln. Bewiesen ist, dass die beiden in Hollywood einen netten Abend verbracht hatten und für 17.000 Dollar mit reichlich Champagner feierten. Zuletzt wurde es jedoch deutlich ruhiger um Ronaldo.

Die Vaterschaft

Am 3. Juli 2010 verkündet Ronaldo, dass er Vater geworden ist. Die Identität der Mutter hält er streng geheim. Bekannt ist, dass sie auf das Sorgerecht verzichtet hat. Der Fußballer kümmert sich gemeinsam mit seiner Familie und Lebensgefährten um den Kleinen.

Cash Cow für Real Madrid

Ronaldos Ablösesumme von 94 Millionen Euro klingen aberwitzig. Doch selbst wenn man das Gehalt mit allem drum und dran dazurechnet, ist der Portugiese eine lohnenswerte Investition. Laut den Berechnungen von Biograf Caioli bringt Ronaldo seinem Arbeitgeber über Fernsehrechte, Werbung und verkaufte Trikots rund 60 Millionen Euro pro Spielzeit ein.

Die Sportzeitung „As“ fand Ronaldos Benehmen „Entsetzlich“, „unbeschreiblich“ schrieb die „El País“. „Nicht nur hat er den Respekt vor den Werten von Real Madrid vermissen lassen, sondern seinen ganzen Sport in ein schlechtes Licht gerückt“, kritisierte „El Confidencial“ Ronaldos Aussetzer.

Die Real-nahe „Marca“ ging sogar einen Schritt weiter. In einer Kolumne forderte ein Marca-Reporter eine klubinterne Strafe: „Auch ihm darf man nicht alles durchgehen lassen, in diesem Fall muss der Klub den internen Strafkatalog anwenden.“

„CR7“ könnte aber Glück im Unglück haben. Schiedsrichter Alejandro Hernández hielt im Spielbericht nur den Fußtritt Ronaldos gegen den Brasilianer Edimar fest, ließ den leichten Schlag ins Gesicht von José Angel Crespo aber unerwähnt. Dies könnte die Dauer der Sperre des Portugiesen verringern.

Kommentare (1)

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Herr Peter Aue

27.01.2015, 13:17 Uhr

„Nicht nur hat er den Respekt vor den Werten von Real Madrid vermissen lassen...“

Die WERTE von Real Madrid?!
Shareholder value.
Unglaublich wie das Stimmvieh dumm gehalten wird.

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